Login

Passwort vergessen?

Konto erstellen


Reviews: Nintendo Wii

< zurück

Metroid Other M

Action Adventure

10.09.2010

Zum Video-Review

Autor: Mario Kablau

 

 

Samus Aran ist zurück!

 

Die Metroid-Serie blickt mittlerweile auf eine lange Geschichte zurück, jedoch anders als bei den übrigen großen Nintendo-Reihen: Die Abenteuer von Samus sind in einer offiziellen Timeline zusammengefügt, so dass jedes Spiel nur einen kleinen Teil der gesamten Saga darstellt. Was mit Metroid auf dem NES vor über 20 Jahren begann hat daher mittlerweile ganz andere Ausmaße angenommen. Jedoch wussten wir bislang nicht viel über den Menschen Samus Aran. Was treibt sie an? Wie wurde sie zur Kopfgeldjägerin? Wer sind ihre Freunde?

 

Um diese Fragen zu klären und die Geschichte weiter zu erzählen, hat sich Nintendo an Team Ninja gewandt. Gemeinsam mit dem bekannten Entwicklerstudio von Tecmo wurde eine Geschichte entwickelt, die einerseits Samus' Vergangenheit beleuchtet und andererseits eine neue Handlung erzählt, die von einem anderen M. So bekommt der Charakter echte Tiefe, endlich fühlt man sich wirklich mit ihr verbunden, kann ihre Handlungen nachvollziehen und ihre Entscheidungen verstehen. Und all das in einem Spiel von Nintendo. Unglaublich!

 

 

Baby's Cry!

 

Bevor das Abenteuer beginnt, werden zunächst die aktuellen Entwicklungen kurz zusammen gefasst. Nachdem Samus im ersten Spiel gegen die Metroids gekämpft hatte, ging es im zweiten Teil auf dem Gameboy darum, den Heimatplaneten der seltsamen Wesen zu besuchen und ihnen den Garaus zu machen. Am Ende überlebt nur ein Metroid: ein frisch geschlüpftes Baby, das Samus für seine Mutter hält. Zu Forschungszwecken übergibt sie es der Galaktischen Föderation, doch es wird von den Weltraumpiraten unter der Führung von Mother Brain geklaut. In Super Metroid auf dem SNES wird diese Geschichte erzählt und am Ende sind sowohl die Metroids als auch der Heimatplanet der Weltraumpiraten zerstört. Dank der Hilfe des Babys konnte Samus Mother Brain vernichten und das Kapitel endgültig abschließen.

 

Seitdem ist einige Zeit vergangen. Nachdem Samus wieder auf die Beine gebracht wurde, geht sie ihrer Tätigkeit als Kopfgeldjägerin nach, bis sie eines Tages einen Notruf erfasst: „Baby's Cry“. Ein Standard-SOS-Signal mit der Eindringlichkeit eines schreienden Babys. Als würde es gezielt nach Samus rufen. So ändert sie ihren Kurs und fliegt zum Bottle Ship. Dort trifft sie auf eine Einheit der Galaktischen Föderation, angeführt von ihrem ehemaligen Vorgesetzten Adam Malkovich. Ja, Samus war auch einmal Teil der Föderation, bevor ein Zwischenfall sie zur Einzelgängerin machte.

 

Genau dieses Aufeinandertreffen stellt die Verknüpfung zu Samus' Vergangenheit her. Bestimmte Handlungen im Spiel lösen Erinnerungen aus, die sie dem Spieler dann ausführlich erzählt. Unterstützt wird das Ganze, wie auch schon im Intro, durch Videosequenzen. Diese machen das Spiel zum mit Abstand cineastischsten Titel von Nintendo bisher. Alles ist brillant in Szene gesetzt und wird durch die gelungene Sprachausgabe sehr atmosphärisch und mitreißend.

 

 

Um nicht zu sehr zu spoilern, gehe ich jetzt nicht weiter auf die Geschichte ein. Lasst euch jedoch gesagt sein, dass ihr einiges erwarten könnt. Es gibt jede Menge Action, überraschende Wendungen und ein unerwartetes Ende. Okay, wirklich umwerfend ist der Plot sicher nicht, aber für ein Metroid-Spiel optimal. Gerade als Fan der Reihe bekommt man so viele Informationen, dass man am Ende nur zufrieden sein kann. Doch auch Neulinge kommen nicht zu kurz, alles wird wunderbar erklärt und zusammen gefasst, selbst der eine oder andere Stargast wird so ins rechte Licht gerückt. Es war eine sehr weise Entscheidung, Team Ninja ins Boot zu holen; hoffentlich bleiben sie drin!

 

 

Monotones Gameplay: was ist das?

 

Schon im ersten Trailer wurde klar, dass Other M nicht mit der Prime-Trilogie vergleichbar ist, weshalb ich keine Vergleiche anstellen werde. Man schlüpft jetzt nicht mehr direkt in die Haut der Kopfgeldjägerin und steuert sie per Pointer, sondern beobachtet das Geschehen meistens von außen. Gesteuert wird Samus ausschließlich mit der Wii Fernbedienung im NES-Stil. Diese Methode wurde von den Entwicklern gewählt, weil sie ein Stück zurück zum Ursprung wollten, weshalb es sehr viele quasi 2D-Passagen gibt. Dabei ist der Hauptweg stets fest vorgegeben, man kann jedoch auf dem Pfad auch die räumliche Tiefe nutzen. Die Umgebung ist komplett dreidimensional und erst durch sehr geschickt definierte Kamerarouten entsteht das Gefühl, einen der alten Titel der Serie zu spielen.

 

 

Die Bewegungen mit dem Steuerkreuz funktionieren dabei gut, auch wenn es für meinen Geschmack etwas zu klein ist. Jedoch haben die Macher das berücksichtigt und nur wenige Stellen eingebaut, in denen es auf besonders feine Bewegungen ankommt. Somit nutzt man die Stärken der quer gehaltenen Wiimote und umgeht deren Schwächen in einer 3D-Umgebung. Die beiden Tasten 1 und 2 werden zum Feuern und zum Springen eingesetzt. Anfangs greift Samus dabei nur auf den normalen Beam und den Charge Beam zurück, im Laufe der Zeit kommen aber natürlich weitere Extras dazu. Neu sind automatisches Zielen, ausweichen und Finisher, mit denen sich ein am Boden liegender Gegner per einfachem Beam besiegen lässt.

 

Auch der Morphball ist wieder mit dabei. Ein Druck auf den A-Knopf lässt Samus zur Kugel werden, wodurch sie Orte erreichen kann, die sonst nicht zugänglich wären. In diesem Modus sind die Tasten 1 und 2 für Bomben und Sprünge vorgesehen. An dieser Stelle komme ich auch gleich zu meinem ersten Kritikpunkt, was das Gameplay angeht: es gibt keine wirklich fordernden Morphball-Areale mehr. Was in den alten Spielen und bei Metroid Prime noch ein wichtiger Teil war, ist hier leider fast vollständig ausgeblendet.

 

 

Dreht man die Wii Fernbedienung und zielt auf den Bildschirm, dann wechselt die Ansicht in Samus' Power Suit. In dieser Ego-Ansicht kann man sich nun per Pointer umsehen und Gegner angreifen sowie die Umgebung scannen. Allerdings steht die Kopfgeldjägerin in diesem Modus auf der Stelle und kann sich nicht vom Fleck bewegen. Dazu muss man wieder in die klassische Ansicht zurück. Was kompliziert klingt, ist es jedoch absolut nicht. Die Übergänge sind flüssig und das Feature wurde von den Machern sehr sinnvoll umgesetzt. So bleibt der Forscherdrang trotz Ansicht von außen erhalten. Übrigens kann man nur aus der Egoansicht Raketen abfeuern, so dass diese natürlich bei Bosskämpfen verstärkt zum Einsatz kommt.

 

Womit wir beim nächsten Highlight wären. Ich habe schon lange kein Spiel mehr genießen dürfen, bei dem die Endgegner so viel Spaß gemacht haben. Sie sind extrem episch in Szene gesetzt, fordernd und sehr abwechslungsreich. Auch wenn ich nicht selten gestorben bin, war ich nicht ein einziges Mal frustriert, was bei mir schon etwas heißen will. Jeder Boss erfordert eine neue Strategie, die man nicht immer auf einen Blick erkennt. Man muss also die Augen offen halten, um Schwachstellen auszumachen und anschließend auszunutzen. Doch nicht nur die Qualität der Bosskämpfe passt, es gibt dazu auch noch eine gute Quantität. Dazu werden Endgegner später gerne auch mal als dann reguläre Gegner eingesetzt, was dazu beiträgt, dass Samus' wachsender Stärke auch ordentlich was entgegengesetzt wird.

 

 

Insgesamt ist das Gameplay für mich eine wahre Offenbarung. Trotz einiger Schwächen, wie zum Beispiel der digitalen Steuerung in einer analogen Welt, habe ich mich extrem wohl beim Spielen gefühlt. Alles passt zusammen und die verschiedenen Ansichten machen Sinn und sorgen für mehr als ausreichend Abwechslung.

 

 

Die technische Seite!

 

Grafisch ist Other M einfach nur wow. Und damit meine ich nicht nur die epischen Zwischensequenzen, sondern auch die Spielwelt. Die ist extrem abwechslungsreich und sauber programmiert. Pflanzen, Eis, Lava, Hallen und vieles mehr sorgen dafür, dass keine Langeweile aufkommt und die tollen Gegner- und Charaktermodelle dürften das eine oder andere Auge öffnen. Dazu sehen die Texturen sauber aus, so dass eigentlich nur das gelegentliche Kantenflimmern den positiven Eindruck etwas trübt. Okay, mit Corruption kann es nicht ganz mithalten, aber Vergleiche wollte ich ja eigentlich vermeiden. Daran sieht man aber, dass sicher auch noch etwas mehr drin gewesen wäre. Fakt ist aber, dass Other M das bisher am besten in Szene gesetzte Nintendo-Spiel ist.

 

 

Das gleiche gilt für die Sprachausgabe. Warum manche Tester schreiben, dass Samus' Stimme nicht gelungen sei, kann ich absolut nicht verstehen. Während sie ihre Geschichte erzählt und im Abenteuer redet, zeigt die Sprecherin, wie vielseitig sie ist und wie viel Tiefe eine Stimme einem Charakter geben kann. Wer jetzt weiterhin behauptet, dass eine bestimmte Figur nicht sprechen sollte, weil das schon immer so war, der mag offenbar keine dichte und stimmige Atmosphäre. Doch nicht nur die Hauptfigur ist super gesprochen, auch die anderen machen ihren Job sehr gut.

 

Die Höchstwertung in der Kategorie Sound bekommt Other M nur deshalb nicht, weil Musik viel zu spärlich und leise eingesetzt wird. Anfangs bleibt es meist komplett ruhig und erst zum Ende hin, bekommt man in dieser Hinsicht mehr geboten. Dann geht es jedoch richtig ab. Der orchestrale Soundtrack, der einen im letzten Drittel erwartet, ist ebenso episch wie der Rest des Spiels. Insgesamt hätte es jedoch viel mehr Musik sein müssen, um die Höchstwertung zu verdienen. Außerdem ist die Abmischung nicht so gelungen. Meistens überlagern die Geräusche und andere Soundeffekte die Musik fast komplett. Besonders nach dem Laden eines Spielstandes, wobei es übrigens ausschließlich dort Ladezeiten gibt, hört man den tollen Jingle fast gar nicht. Darüber hinaus gibt es leider einige der bekannten Jingles gar nicht mehr. Schade.

 

 

Meckerecke

 

Wo Licht ist, da fällt auch Schatten. Obwohl Other M mich absolut begeistert hat und zum besten gehört, was ich jemals gespielt habe, sind doch einige Dinge etwas störend, so dass es leider nicht in den ganz hohen Wertungsbereich kommt.

 

 

Der größte Kritikpunkt ist für mich der Umfang. Ich habe nach etwa 10 Stunden den Abspann gesehen, was zwar für heutige Spiele Standard ist, von einem Nintendo-Spiel erwarte ich aber einfach mehr. Man kann zwar auch danach die noch fehlenden Items suchen und darüber hinaus ein paar andere Dinge entdecken, was sich auf jeden Fall lohnt, es hätte aber dennoch ruhig mehr sein können. Mich hat das Spiel so gefesselt, dass ich es ohne Probleme an einem Wochenende durchgespielt habe. Allerdings habe ich noch lange nicht genug und bereits einen zweiten Durchgang gestartet.

 

Etwas komisch ist auch die Entwicklung von Samus. Sie setzt gewisse Dinge erst ein, wenn ihr der Einsatz von Adam genehmigt wurde. Bei einigen Extras macht das durchaus Sinn, Super Missiles und Powerbomben sind ja nicht ganz ungefährlich. Warum man jedoch durch eine heiße Umgebung läuft und Energie verlieren muss, nur weil man den Varia Suit noch nicht verwenden darf, erschließt sich mir nicht. Der Ansatz ist zwar insgesamt gut, weil es nicht nach Schema F (am Anfang verliert Samus alle Fähigkeiten) abläuft, hier und da weißt dieser Weg aber logische Lücken auf.

 

Zuletzt fand ich etwas störend, dass das Abenteuer recht linear ist und nur an einem Ort spielt. Man hat zwar viele Freiheiten und kann stets umdrehen, um zum Beispiel Missile Container oder andere Upgrades zu sammeln, die Samus stärker machen, dennoch fehlte mir ein bisschen die Freiheit. Vielleicht liegt das auch daran, dass einem das Spiel ständig ganz genau sagt, wo man als nächstes hin muss und es daher nichts zu erforschen gibt; wobei mich übrigens auch stört, dass es keine Hintergrundinfos per Scan gibt. Etwas mehr Freiheit wäre sicherlich nicht verkehrt gewesen.

 

 

 

Zweitmeinung von Gunnar

 

Im Großen und Ganzen kann ich Mario nur zustimmen. Die Inszenierung, die Geschichte sowie Samus' Charakterentwicklung sind absolut klasse und auch das Gameplay macht wirklich Spaß. Dennoch will ich, anders als Mario, den Vergleich zu der Prime Serie bringen, denn erst dann wird einem deutlich, was man an Other M alles vermissen kann und warum erst die Fusion beider Spiele das beste aus der Metroid Serie herausholen würde. Vor allem stört mich an Other M die extreme Vereinfachung des Gameplays. Damit meine ich nicht den Schwierigkeitsgrad, der sehr fordernd ist, sondern die Einschränkung der Möglichkeiten, die sich dem Spieler bieten.

 

Metroid Other M bietet keine unterschiedlichen Visoren, es gibt nur die bekannten Standardbeams, nur den Grundmophball - keinen Spiderball usw, es sind weniger unterschiedliche Gegner vorhanden, die Locations sind simpler gestrickt und nicht so mehrdimensional, die Verstecke der Items sind vielfach offensichtlicher und und und. Darüber hinaus stört mich das sichtbare Tearing am unteren Bildschirmrand (das Bild ist oft gebrochen) sowie die Tatsache, dass man nicht den Nunchuk verwenden darf. Das wäre meines Erachtens auch kein Widerspruch zum Gameplay gewesen, hätte man doch einfach nur die Egoperspektive auf Tastendruck integrieren sollen.

 

Trotz der für mich offensichtlichen Mängel bleibt Other M ein sehr gutes Spiel und für Nintendo ein Meilenstein in Sachen Inszenierung. Mit 10 Jahren Verspätung ist auch Nintendo endlich im 21. Jahrhundert angekommen. Hoffentlich wird auf dieser Basis aufgebaut und weiterentwickelt.

 

 

 

Vielen Dank an Nintendo für die Bereitstellung des Testmusters.


Wenn euch das Review gefällt, dann unterstützt uns via:

Fazit

Metroid Other M könnte ebenso Epic Metroid heißen, was Nintendo und Team Ninja hier inszeniert haben, ist für die Wii absolute Spitzenklasse. Endlich ist ein großer Titel von Nintendo auch mal perfekt in Szene gesetzt, bietet haufenweise atemberaubende Cutscenes und sieht dazu noch toll aus. Käme ein Zelda Other L auf diese Art, würde ich vermutlich vor Glück sterben. Doch nicht nur die Präsentation bei Other M stimmt, auch die Geschichte ist spannend und überraschend. Der Bezug zu Metroid ist mehr als da, man erfährt eine ganze Menge über Samus und hat unterwegs viel Spaß. Doch leider ist das Abenteuer etwas zu schnell vorbei und es wurden einige tolle Elemente der Serie gestrichen. Das alleine verhindert eine noch bessere Note. Subjektiv ist das Spiel für mich das bisher beste auf der Wii, einfach weil alles zusammen passt. Hoffentlich macht Team Ninja weiter, denn ich will mehr von Metroid in der Art.

Grafik

super

Sound

gut

Steuerung

gut

Spielspaß

super

91%

Singleplayer

-

Multiplayer

Release

03.09.2010

Developer

Team Ninja / Nintendo

Publisher

Nintendo

USK Freigabe

12+

Anzahl Spieler (Lokal)

1


Aktuell auf 10doTV

10do Show

Oktober-Ausgabe: Die Metroid-Reihe

RSS-FeedDie 10do Show in iTunes