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Reviews: Nintendo Wii

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Star Wars: The Force Unleashed 2

Action Adventure

12.11.2010

Autor: Lukas Strübig

 

 

Entfessele das Mittelmaß!

 

Star Wars Fans haben es einfach nicht leicht. Zuerst wird ihnen zugemutet zu glauben, kleine Ewoks könnten Sturmtruppen mit Pfeil und Bogen töten, dann besteht die Macht auf einmal nur noch aus Bakterien und Darth Vader hat als Kind C3PO gebaut. Das wurde auch nicht besser, als sie die Kröte Schlucken mussten, dass die Rebellenalianz von Darth Vaders geheimem Schüler gegründet wurde, der mal eben so der wahrscheinlich mächtigeste Jedi aller Zeiten war. 2008 endete Star Wars: The Force Unleashed nach einer unlogischen, lahmen Story, die die Logik des Star Wars Universums mehr als strapazierte mit dem vorhersehbaren Tod dieses Schülers. Doch nur ein Jahr später auf der E3 2009 lebte er auf einmal wieder, und die Sorge begann von vorne.

 

The Force Unleashed 2 setzt genau da an, wo der erste Teil aufhörte, soll nun aber alles besser machen. Bessere Steuerung, bessere Story und mehr Abwechslung. Und ja, der zweite Teil ist wirklich besser als der Erste. Aber dies hat er sich hart erkauft.

 

 

Story

 

Das galaktische Imperium befindet sich im Krieg gegen die Rebellen-Allianz und auf Kamino erwacht Starkiller, Darth Vaders Schüler, erneut nach einigen Wochen Isolation. Doch ist er überhaupt Starkiller? Laut Vader nicht, sondern nur ein Klon, der nach einer Reihe von Fehlschlägen nun das Potential hat, sich der alten Erinnerungen vom Original zu entledigen, und ein wahrer Sith zu werden. Dieses Potential wird aber in dem Moment verschenkt, in dem Vader einen Droiden zerstört, der wie Juno, Starkillers Freundin, aussieht. (Ja, das ist der Auslöser und ja, in der HD-Version macht das mehr Sinn.)

 

Starkiller entscheidet sich, von Kamino zu fliehen und seine Vergangenheit wieder zu finden. Und so beginnt eine Geschichte, die nicht ganz weiß was sie will und was sie sich trauen kann.

 

Das bemerkt man schon an den Charakteren. War TFU noch voll mit verschiedenen Charakteren, die alle ihren Teil zur Geschichte beigetragen haben, sind die einzigen wirklich großen Charaktere im zweiten Teil lediglich Starkiller, Darth Vader und General Kota. Die Geschichte selbst steht am Rande der Belanglosigkeit, ohne Ziel irrt Starkiller durch die Galaxis und will irgendwo irgendwas und das möglichst schnell. Nachdem also hier und da dies und das passiert ist endet alles in einem Finale, dass im Gegensatz zum ersten Teil mal nicht völlig lächerlich ist und schon hat man eine Brücke zum unvermeidbaren dritten Teil.

 

Aber irgendwie ist es genau das, was die Story so gut macht. So verwirrt wie die Geschichte ist, ist auch Starkiller. Der Spieler wird hier eben durch die unfokusierte Handlung verunsichert, das Spiel wirkt surreal, wie ein Traum, alles passiert so schnell und doch erscheint es so langsam.

 

Auch die wenigen Charaktere steuern so ihren Teil bei. Die Galaxis wirkt leer, zerstört, wie in der Ruhe vor dem Sturm. Der Krieg hat seinen Tiefpunkt erreicht und weder das Imperium ist in der Lage die Ordnung zu halten, noch die Rebellion eine eigene aufzubauen. Starkiller steht in der Mitte des Geschehens und soll wieder einmal die Inspiration der Hellen Seite sein, doch weiß er selbst überhaupt nicht, was er ist. Genau dadurch wirkt Darth Vader endlich wieder mysteriös. Hat er alles von langer Hand geplant und kontrolliert Starkiller immer noch oder beginnt die Helle Seite einen effektiven Gegenangriff?

 

Eines steht fest: So dunkel, unvorhersehbar und mystisch war die Star Wars Galaxie schon lange nicht mehr, und es tut ihr verdammt gut.

 

 

Gameplay

 

Neuer Entwickler, neues Gameplay. Nicht anders sieht es hier aus. War Krome Studios noch für den ersten Teil verantwortlich hat hier Red Fly Studios das Ruder übernommen und den Luxus erhalten, nur eine Wii Version zu entwickeln. Somit hat TFU2 einige Gameplay Eigenschaften, die dem ersten Teil aufgrund seiner PS2 Abstammung fehlten.

 

Die wohl größte Neuerung ist der Pointer. Mit ihm lässt sich die Richtung der Macht bestimmen, was hier sehr nützlich ist. So kann man nicht nur seinen Macht-Stoß oder seine Machtblitze in eine genaue Richtung fokusieren, sondern auch Gegenstände, die man mit der Macht greifen will genau bestimmen.

 

Der Nahkampf hat nun auch eine größere Rolle. Starkiller hält seine beiden Schwerter auf der Wii wie in der HD-Version rückwärts und kann mit dem A-Knopf sehr schnelle Attacken vom Stapel lassen. Je mehr man sich austobt, desto weiter füllt sich eine Anzeige oben rechts; ist sie voll, kann man die Wiimote schüteln und so eine Schwertkombo ausführen.Speichern kann man diese aber nicht, hört die Action auf, entleert sich die Anzeige von alleine.

 

Eine zweite Anzeige kommt während des Spielgeschehens hinzu, diese bleibt so lange, bis man sie aktiviert. Tut man dies, kommt man in den Wut-Modus. Es werden dem Spieler wenige Sekunden gelassen, in denen er Gegner im Raum markieren kann. Danach erscheint eine kleine Cutscene, in der Starkiller jeden Gegner One-Hit tötet. Dieses Feature ist ein Segen für alle "Dieser Gegner war schon zwei Räume zuvor nicht spaßig."-Momente, von denen es leider zu viele gibt.

 

Zurück getreten sind dafür die Machtblitze. Nicht nur, dass man um sie zu wirken auch den Nunchuk schütteln muss, sie sind nun weniger effektiv und lassen sich nicht mehr mit anderen Machtfähigkeiten verbinden. Einen Donnerball in den Raum zu schießen geht hier nicht mehr, aber dies ist gerade gut, denn man trifft nun auf deutlich weniger Gegner, die aber viel mehr einstecken können. Eine Sturmtruppe hält es nämlich nun auch aus, fünf mal gegen eine Wand geschleudert zu werden. Man kann also viel mehr mit seinen Gegnern herum spielen und so die Macht so richtig spüren.

 

Eine weitere nette Spielerei sind die Gestentricks. Sie brauchen die Hälfte der Machtanzeige aber es lohnt sich. Man visiert einen Stormtrooper an, aktiviert die Mindtricks und redet ihm ein, umgeben von Feinden zu sein. Und ja, einen Gegner in der Luft zu halten und seinen Freund zu zwingen, ihn zu erschießen macht verdammt viel Spaß! Übrigens ist es lustig zu erwähnen, dass man den Jedi-Mindtrick während eines Jedi-Mindfuck erhält. Aber gut, ich will nicht spoilern.

 

Ein paar kleine Rätzel hier und da gönnt sich TFU2 auch, diese benötigen meistens die Hilfe des Machtblickes, mit dem man auch unsichtbare Gegner sehen kann. Die Rätsel lockern das Gameplay ein wenig auf, sind aber nie eine Herausforderung, was hier gut herein passt. Gelegentliche Zwischen- und Endgegner tun ihr Übriges.

 

Das ändert leider nichts daran, dass das generelle Gameplay zu eintönig ist. Es gibt fünf lange Levels, die in kleinere Kapitel unterteilt sind, jedoch passiert während dieser Levels storymäßig relativ wenig. So rennt man nur von A nach B und wieder zurück. Ja, Auflockerungen gibt es wie gesagt schon, aber es ist so, als ob ihr einen geschmacklosen Kaugummi gelegentlich aus dem Mund nehmt und ihn kurz mit Aromastoffen einsprüht.

 

Dabei nerven einen die anderen Charaktere gerne auch mal. "Beeil dich, Junge!", schreit General Kota durch die Sprechanlage, während man gegen gefühlte tausend Roboter kämpft, die auf die meisten Attacken kaum reagieren, Raketen schießen, wenn man zu weit weg ist, und um sich treten, wenn man ihnen zu nahe kommt. Ein Designfehler, der sich durch die späteren Levels zieht und genau das entfernt, was in dem Spiel Spaß macht.

 

Auch wenig hilfreich sind deine Freunde. "Wegen der starken Schäden kann die Brücke ihr Gewicht nicht mehr halten!" wird mir gesagt, kurz bevor vor mir der Boden einbricht und ich, wieder einmal, völlig ohne Vorwarnung in die Tiefe stürze. Anscheinend geht einem Jedi sein Gewicht vorraus.

 

Ihr lest es schon und so ist es auch: The Force Unleashed 2 ist alles andere als perfekt. Es startet mit guten Ideen, entwickelt sie aber kaum weiter, wird gerne mal repetitiv und eintönig und nimmt einem gegen Ende durch überpowerte Gegner das Spielzeug weg, das einen hier eigentlich wirklich interessiert. Ein Fan des ersten Teils wird zwar nicht enttäuscht, denn im Endeffekt kommt der zweite Teil besser davon als der erste, aber Fehler wurden wiederholt und das nehme ich dem Spiel zu Recht übel.

 

Der Zweispielermodus ist übrigens nicht besonders gut gelungen. Er hat weniger Charaktere als der des ersten Teils, dafür aber Smash Bros. Gameplay. Dumm nur, dass das Balanceing total in die Hose gegangen ist, auch das Machtenergiesystem bringt nichts. Man kann bis zu drei Spezialattacken einsetzen, danach muss man bestimmte Behälter aufheben um seine Machtenergie wieder aufzufüllen. Es gibt verschiedene Stages, aber alle sind im Endeffekt gleich und nach den ersten drei Runden wird man lachend feststellen: "Das macht ja gar keinen Spaß!"

 

 

Steuerung

 

Bei der Steuerung hat sich leider das meiste verschlechtert. Um Gegenstände zu werfen muss man nun die Wii-Fernbedienung in die gewünschte Richtung schwingen. Es steckt ein wenig Übung dahinter, bis man es richtig kann, aber selbst dann ist die Erkennung manchmal falsch.

 

Die Kamera ist sehr zickig und um sie zu kontrollieren hat man die Richtungsweiser völlig unintuitiv auf + und – gelegt. Das häufige Button Mashing tut am Daumen weh (ich glaube, ich habe mir sogar eine Hautschicht abgerieben o.O) und wirklich viele Steuerungsoptionen gibt es auch nicht. Da war der erste Teil einfach besser. Überhaupt habe ich das Gefühl, dass man hier eine Classic Controller Steuerung hätte anbieten sollen. Klar, dann wäre der Pointer weg gefallen, aber direkt unersetzlich war er nicht, ich wäre den Kompromiss eingegangen und hätte auf ihn verzichtet.

 

 

Technisches

 

Grafisch ist der zweite Teil dem ersten natürlich überlegen, immerhin erschien der Vorgänger auch für die PS2. Die Charaktermodelle haben mehr Polygone, die Texturen haben mehr Details und die Effekte können sich wirklich sehen lassen. Leider ist das Detail auch manchmal genau das, was fehlt. Einige Passagen des Spiels wirken zu sauber, fast wie aus Knetgummi geformt. Dazu kommt es zu einigen Einbrüchen in der Framerate, gerade wenn viele Gegner durch die Gegend fliegen.

 

Die Physik ist auch nicht mehr so gut wie im ersten Teil. Okay, wenn Gegner gegen die Wand fliegen, und das tun sie sehr oft, sieht das schon verdammt gut aus, wenn jedoch irgendwas von einer höheren Ebene fällt, fliegt es statisch in einem perfekten Bogen bis es den Boden berührt. Auch kann man nun viel mehr in der Umgebung zerstören, jedoch verschwinden die meisten Bruchstücke sofort. Es gibt natürlich noch Kisten und andere Dinge, die man auf Gegner werfen kann, jedoch sind diese nur noch selten anzutreffen und wirken deplaziert, wie Spielzeug, das man einem Baby in den Laufstall legt.

 

Gerenderte Zwischensequenzen gibt es in der Wii-Version auch, es sind aber nicht dieselben wie in der HD-Version und sie sehen oft ziemlich billig aus. Warum man die aus der HD-Version nicht genommen hat verstehe ich nicht, meistens basieren beide auf demselben Storyboard, also gibt es da keine Widersprüche. Klar, es hätte einen sichtbaren Unterschied zwischen Cutscene und Gameplay gegeben, aber wen interessiert das schon, wenn er diese gut gerenderterten Videos gucken darf?

 

Der Sound ist hier natürlich das, was man von Star Wars erwarten darf: Der typische Star Wars Soundtrack. Ganz ehrlich? Ich kann ihn langsam nicht mehr hören! Aber das ist Geschmacksache.

 

Die deutsche Sprachausgabe ist dieses Mal auch richtig gut geworden. Es wurden wieder die Sprecher aus dem ersten Teil genommen, die aber jetzt viel eingespielter sind. Qualitätsunterschiede bei den Aufnahmen oder zu schnell gesprochene Sätze gibt es hier nicht mehr und das trägt gewaltig zur Star Wars Atmosphäre bei.

 

Vielen Dank an Activision Blizzard für die Bereitstellung des Testmusters.


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Fazit

Was gibt es noch groß dazu zu sagen? Star Wars: The Force Unleashed 2 macht vor allem als Wii-Version sehr viel richtig und ist eine klare Verbesserung zum ersten Teil. Aber es wiederholt auch einige Fehler des Vorgängers, allen voran die eintönigen Levels, die kurze Story und die Gegner, die genau das außer Kraft setzen, was das Spiel so gut macht. Fans des ersten Teils können hier getrost zugreifen. Und auch Star Wars Fans, die eine zwar nicht besonders gute, dramaturgisch aber sehr hochwertige und erwachsene Handlung haben möchten, werden hier seit langem etwas finden, was ihnen gefällt. Und das alleine ist schon etwas Besonderes.

Grafik

gut

Sound

gut

Steuerung

schwach

Spielspaß

ok

77%

Singleplayer

50%

Multiplayer

Release

28.10.2010

Developer

Red Fly Studios

Publisher

Activision Blizzard

USK Freigabe

12+

Anzahl Spieler (Lokal)

1-2


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