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Reviews: Nintendo Wii

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Disney Micky Epic

Action Adventure

13.12.2010

Autor: Timo Hellmund

 

 

Dramatisch

 

Micky Maus wacht in seinem Bett auf und bemerkt etwas Seltsames in seinem Spiegel. Als er näher kommt, bemerkt er ein Tor in eine andere Welt. Micky springt durch den Spiegel und landet im Zimmer eines alten Magiers. Dieser hat mit seinem Zauberpinsel ein wunderbares Land aufs Papier gemalt: das Wasteland. Eine Welt, in der vergessene Figuren ein neues Zuhause finden. Doch Micky ist unvorsichtig und kippt den Behälter mit dem Verdünner darin über das Gemälde. Unheil bricht aus; Micky entfesselt die Phantome, die das Land in Dunkelheit hüllen. Unsanft wird er von den Monstern in die Welt gezogen und erlebt ein furioses Abenteuer.

 

So dramatisch beginnt Micky Epic, das Intro kennt ihr bereits aus den Trailern. Doch damit nicht genug. Micky wacht gefesselt auf einem Brett inmitten des Labors des verrückten Arztes auf. Es befindet sich in einem großen Schloss. Der Arzt will nur eins: Mickys Herz! Mit einem fiesen Roboter versucht er, Micky mit aller Macht zu zerteilen. Plötzlich taucht Gus, ein Kobold, auf und rettet Micky. Gus ist fortan sein treuer Begleiter und Ratgeber. Nun beginnt Mickys Flucht vor der wilden Maschine und aus dem Schloss. Seine Aufgabe ist klar. Er muss den Herrscher des Wastelands finden.

 

Genug der Spoiler, nur so viel sei gesagt: Selten begann ein Spiel derart grandios inszeniert. Die erste halbe Stunde ist erstklassig und gehört zum Besten des Genres.

 

 

Praktisch

 

Auf der Flucht aus dem Schloss lernt der Spieler die Steuerung kennen. Springen, Wirbelattacke und zu guter Letzt den Umgang mit dem Pinsel, der zentralen Waffe in Micky Epic. Mit der B-Taste versprüht man blaue Farbe, mit dem Z-Knopf grünen Verdünner. In der Tat erweist sich das gute Stück als äußerst nützlich. Überall dort, wo die Welt mit pastellfarbenen Comic-Tapeten beklebt ist, darf nach Lust und Laune gelöscht und wiederhergestellt werden.

 

Nach wenigen Minuten trifft man das erste Mal auf eine Projektor-Leinwand. Micky springt hinein und landet in einem zweidimensionalem Level. Hier darf nur gesprungen und geschlagen werden. Es kommt nur auf die Jump 'n Run Fähigkeiten des Spielers an. Im nächsten Abschnitt sind wir wieder in der dritten Dimension. Das erste Mal trifft man auf Gegner, die Kleckse, kleine schwarze Farbmonster. Besprüht man sie mit Farbe, werden sie zu Verbündeten. Verdünnt man sie, hinterlassen sie Gegenstände.

 

Im nächsten Gebiet wird die Vielfalt des Spiels zum ersten Mal deutlich. Viele der erhaltenen Aufgaben können auf unterschiedliche Arten gelöst werden. Meist entscheidet man sich zwischen dem guten und dem bösen Weg. Ich habe mich bemüht, stets den optimalen Lösungsweg zu finden. Dementsprechend dürfte jeder Spieler die Reise durch das Wasteland ein wenig anders erleben. Das steigert den Wiederspielwert.

 

Nach dem Ende des ersten Bereiches erwartet euch der erste Endgegner. Ein böser Uhrenturm. Auch hier lässt das Spiel die Wahl, wie man ihn besiegt. Der Art, wie man Endgegner besiegt, wirkt sich auf Micky Fähigkeiten aus. Diese Konsequenzen ziehen sich durch das komplette Spiel. Die Figuren geben nach einiger Zeit Feedback zu Mickys Taten. Sie loben oder mahnen ihn an. Sie verehren oder hassen ihn. Das motiviert und macht vor allem gutmütige Spieler stolz.

 

Der zentrale Ort des Spiels ist die Mean Street. Hier erhaltet ihr allerlei Aufträge, reist zwischen den Welten und könnt nützliche und nette Gegenstände erwerben. Dort merkt man zum ersten Mal, dass sich die Entwickler mit der Gestaltung viel Mühe gegeben haben. Viele Bereiche können gelöscht und ausgemalt werden. Hinter jeder markierten Ecke könnte sich eine Truhe oder Kiste befinden, die euch E-Tickets, die Währung des Spiels, oder Refills für Farbe und Energie spendieren.

 

Dabei fällt auf, dass nicht wirklich alles verändert werden darf. Nur vorgegebene Areale und Texturen reagieren auf den Pinsel. Das ist im ersten Moment schade, stört im weiteren Verlauf des Spiels jedoch wenig, da es eine Menge Wände und Böden zu bemalen gilt.

 

Am anderen Ende der Mean Street stehen vier Projektor-Leinwände, die es nach und nach zu aktivieren gilt. Dies macht man mit Energiefunken, die man sich im Laufe des Abenteuers durch das Erfüllen von Sidequests erspielt. Ihr seht bereits: an Aufgaben mangelt es dem Spiel nicht.

 

Das Spiel ist in drei Gameplay-Bereich unterteilt: Die Adventurepassagen, die 2D Reiselevel, durch die ihr in die einzelnen Bereich gelangt, und die Actionpassagen. In den Adventurepassagen unterhaltet ihr euch überwiegend mit allerlei Charakteren und löst Unmengen an Aufträgen. In den Actionlevels dürft ihr euch durch Horden schwarzer Farbmonster malen und für den Spielverlauf wichtige Ereignisse einleiten. Auch an Abwechslung mangelt es nicht. Am Ende meines Spieldurchlaufs standen über 100 gelöste Aufträge in meinem Logbuch, das man einfach per Druck auf 2 ansehen kann.

 

 

Malerisch

 

Das Spiel führt euch nach OsTown, einer kleinen Stadt am Rande des Mickymüll-Mountain, der im Laufe des Spiels eine tragende Rolle spielt. Man durchstreift futuristische Gebiete in Tomorrowtown, verhandelt mit Piraten im Ventureland und lässt sich in Sumpfern mit gruseligen Geistern ein. Alle Gebiete haben eins gemeinsam: die Gestaltung. Der Stil des kompletten Spiels ist rund und stellenweise genügt ein Blick und man hat unbemerkt ein Lächeln im Gesicht.

 

Allerdings schwankt die grafische Qualität zwischen „olala“ und „naja“. Vor allem die gemalten Innenräume von Häusern sehen fantastisch aus, die Charaktere könnten auch aus Ratchet & Clank stammen. Jedoch mangelt es der Umgebungsgrafik an Details. Viele Texturen sind matschig ausgefallen. Normal-Mapping, das den Texturen in Super Mario Galaxy ihre Tiefe und Glanz verleiht, sucht man leider vergebens. Auch leidet das Spiel an gelegentlichen Slowdowns.

 

Ein besonderes Schmankerl sind die Zwischensequenzen, die in einem körnigen Gemäldestil gehalten und witzig animiert sind. Sie treiben die Geschichte voran oder dienen zur Erklärung neuer Spielinhalte, wie dem Fernseher, der Gegner für eine kurze Zeit ablenkt oder die Stoppuhr, die das Geschehen um Micky verlangsamt.

 

 

Soundtechnisch

 

Bis auf den Magier, der von Jochim Kerzel (u.a. Jack Nicholson, Dustin Hoffman) im Deutschen gesprochen wird, bleiben alle Charaktere stumm. Nur Gemurmel, wie man es aus Banjo-Kazooie kennt, drückt Emotionen und Stimmungen der Figuren aus. Diese sind vielseitig und gut gelungen. Der Klang der schwarz/weiß Figuren ist durch einen „Alte Filme“ Filter sehr hohl und dumpf. Das passt und trägt zur Atmosphäre bei.

 

Der Soundtrack ist gelungen und das Leitmotiv gut komponiert. Er geht zum richtigen Moment auf und findet zur richtigen Zeit leise Klänge. Wie in einem guten Disneyfilm.

 

 

Episch

 

Disney Epic Mickey, äh pardon, Micky Epic beginnt famos und die Suche nach Oswald gestaltet sich äußerst spannend. Das erste Zusammentreffen mit Oswald ist überraschend bissig. Oswald wirft Micky schlimme Dinge an den Kopf. Dass „er“ ihn liebt und Oswald vergessen hat. Wer „er“ ist, könnt ihr euch sicherlich denken. Die Dialoge und Dramatik ist in den wichtigen Szenen klasse und man wünscht sich stets mehr. Man will wissen, wie sich das Verhältnis zwischen den beiden weiterentwickelt.

 

Leider dümpelt die Hauptgeschichte, nämlich die Rettung des Wastelands und Mickys Heimreise, zwischenzeitlich vor sich hin. Erst nach etwa 10 Spielstunden nimmt die Geschichte wieder an Fahrt auf. Doch gerade als man Oswald schätzen und lieben lernt, seine Absichten und sein trauriges Schicksal erfährt, ist das Spiel schon vorbei. Man wird dennoch mit einem niedlichen Abschlussfilmchen belohnt. Hier hat Junction Point die Chance vergeben, einen großen emotionalen Moment zu schaffen, der selbst mich zu Tränen rührt. Das Potenzial war da, was man alles aus Oswals hätte machen können, Wahnsinn. Doch man nutzt diese Chance nicht, vielleicht aufgrund des angepeilten Publikums. Sehr schade.

 

Das große Problem der Cutscenes ist der Text. In fast allen Sequenzen ist er zu schnell. Man hat kaum Zeit zum lesen und ehe man den ersten Satz gelesen hat, ist die Szene schon beim dritten Untertitel. Auch hätte ich mir gewünscht, dass es gegen Ende eine Szene gibt, in der die teils langen Nebenaufgaben einen Sinn ergeben und man sich denkt: „Ja! So habe ich mir das vorgestellt!“ Er fehlt, es schmerzt. Hier hätte sich Spector seiner selbst erinnern sollen. Bei Deus Ex hatte er das im Jahre 2000 famos hinbekommen. Dann wäre Epic Mickey episch geworden. So ist es leider nur Epic-light.

 

 

Kamera-tisch

 

Kommen wir zu den allergrößten Mankos des Spiels: Kamera, Steuerung und einige Bugs. Die Kamera ist leider eine der schlechtesten, die ich im Wii-Zeitalter erleben musste. Viel zu oft ist sie katastrophal platziert und fängt das Geschehen nicht richtig ein. Oftmals ist sie der Grund, warum man den Bildschirmtod stirbt. Die Kamera drehen, indem man den Pointer an den Rand des Bildschirms bewegt? Fehlanzeige. Stattdessen fummelt man permanent mit dem Steuerkreuz herum, um überhaupt die Übersicht zu behalten. Was bei mehreren Gegnern gleichzeitig auch mal frustig werden kann.

 

Frustig wird es auch, wenn die Pointerfunktion nicht genau funktioniert. Es kommt öfter vor, dass man auf einen Klecks zielt, das Spiel es aber nicht richtig erkennt. Dazu gibt es einige Bugs. Mal ist ein Charakter unsichtbar, mal stürzt das Spiel ab, weil ein Trigger nicht ausgelöst wurde. Schade, das zieht das Gesamtbild nach unten. Ausgerechnet im letzten Gebiet des Spiels häufen sich auch noch unfaire Stellen. Aufgrund dieser großen Macken, die wir auf der gamescom sogar noch teilweise angesprochen hatten und die nicht behoben wurden, ist Micky Epic leider nicht der erhoffte Megahit geworden.

 

 

Vielen Dank an Disney für das epische Testmuster.


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Fazit

Micky Epic hätte so viel Potenzial: Die tolle Idee mit der veränderbaren Welt, die wunderschöne Geschichte, die Nebenaufgaben mit spürbaren Konsequenzen. Und dann ist es leider an den Basics eines 3D-Spiels gescheitert. Wer sich durchbeißt und die großen Fehler verschmerzen kann, den erwartet ein im Grunde tolles Spiel, das vor allem mit Oswald einen Charakter wiederbelebt, der euch verzücken wird. Ihr werdet Oswald lieben. Ich tue es schon.

Grafik

gut

Sound

gut

Steuerung

schwach

Spielspaß

gut

80%

Singleplayer

-

Multiplayer

Release

25.11.2010

Developer

Junction Point

Publisher

Disney Interactive

USK Freigabe

6+

Anzahl Spieler (Lokal)

1


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