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Reviews: Nintendo Wii

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Monopoly Streets

Party

21.12.2010

Autor: Mario Kablau

 

 

Wenn Monopoly eine Stadt wäre!

 

„Juchu, eine sechs, dann kann ich endlich die Schlossallee kaufen. Jetzt noch schnell ein Hotel drauf und schon bin ich nicht mehr zu stoppen. Oh nein, jetzt ist ja mein ganzes Geld weg und ich hab ne vier gewürfelt, das ist mein Ruin.“

 

Diese oder so ähnliche Aussagen hört man in Deutschlands Wohnungen vermutlich jeden Abend, denn ohne Frage ist Monolpoly auch nach Jahrzehnten noch eines der beliebtesten Brettspiele überhaupt. Ich persönlich muss sagen, dass ich es nicht allzu gerne mag, einfach weil mir die Glücks-Komponente zu gewichtig ist. Die eigene Strategie kann noch so perfekt sein, wenn man Pech beim würfeln hat, dann kann man das Spiel nicht gewinnen. Aber das ist ein anderes Thema.

 

Jedenfalls hat Electronic Arts das Brettspiel nun unter anderem auf die Wii gebracht und darüber will ich heute berichten. Wer jedoch Monolpoly grundsätzlich nicht mag, der braucht gar nicht weiter zu lesen, denn das kann auch ein Videospiel nicht heilen. Es ist allerdings durchaus möglich ein Spiel durch Digitalisierung besser zu machen. Ob das auch hier gelungen ist?

 

 

Auf Los geht’s los!

 

Bei Monopoly geht es darum, Straßenzüge zu kaufen und diese mit Häusern zu bebauen. Landet ein Spieler auf der Straße eines anderen, dann wird Miete fällig – umso höher, je mehr Häuser dort stehen. Dazu gibt es einige Aktionsfelder und pro gedrehter Runde ein kleines Gehalt, so dass nach und nach immer mehr Geld in Umlauf kommt. Wer seine Schulden irgendwann nicht mehr bezahlen kann, der fliegt aus dem Spiel und logischerweise gewinnt der letzte, der am Ende noch übrig ist. Da die Spielfiguren jedoch mittels zweier Würfel über die Straßen bewegt werden, ist die strategische Komponente nicht ganz so wichtig. Ohne eine gehörige Portion Glück (oder eine ebenso große Portion Pech der anderen) kann man Monopoly nicht gewinnen und genau das macht es vermutlich so interessant. Auch wenn mich jetzt professionelle Monopoly Spieler für diese Aussage vielleicht am liebsten Vierteilen würden, bleibe ich dabei. Im Profi-Bereich mag das vielleicht etwas anders aussehen, jedoch kann keiner abstreiten, dass man das Spiel ohne Glück nicht gewinnen kann, egal wie gut die eigene Strategie auch ist.

 

Das ist auch in der virtuellen Variante so, die jedoch gegenüber dem Brettspiel deutlich aufgebohrt ist, denn sie enthält quasi mehrere Editionen in einem Paket. Das Herzstück ist aber etwas, dass das Brettspiel überhaupt nicht bietet und gleichzeitig dem Videospiel seinen Namen gegeben hat. Bei Monopoly Streets spielt man nämlich nicht auf einem klassischen Spielbrett, sondern in einer darauf aufgebauten Stadt. Anfangs sieht es dort noch etwas leer aus, die nach und nach verkauften und bebauten Grundstücke verändern das Stadtbild jedoch im Laufe der Zeit immer deutlicher, bis es vor Leben nur so wimmelt.

 

Darüber hinaus gibt es aber natürlich auch platte Versionen für alle, die es lieber klassisch möglich. So kann man etwa auf dem ganz normalen Brett spielen oder auf Variationen davon, wobei man einige erst im Shop dazu kaufen muss. Das dafür benötigte Geld sammelt man durch Spielrunden; gewinnt ein menschlicher Mitspieler dann fließt sein Guthaben in die Sammelkasse.

 

 

Ohne Glück kein Sieger!

 

Wie schon gesagt, geht es im Spiel darum, Grundstücke zu kaufen und diese zu bebauen. Dabei unterscheiden sich grundsätzlich normale Straßen von Bahnhöfen und Werken. Auf jeder der vier Seiten des Spielbretts gibt es fünf oder sechs Straßen sowie einen Bahnhof. Die restlichen Felder werden durch Steuer-, Ereignis- oder Gemeinschaftsfelder sowie die beiden Werke belegt. Kommt man auf ein Grundstück, das noch niemandem gehört, dann kann man es kaufen; will man das nicht, wird es für alle Spieler zur Auktion freigegeben. Die Straßen teilen sich dabei in acht verschiedene Farbgruppen auf, erst wenn man alle zwei oder drei einer Farbe hat, kann man dort Gebäude bauen.

 

Kommt nun ein Spieler auf ein fremdes Grundstück, dann muss er für diesen Aufenthalt Miete bezahlen. Ist das Grundstück noch leer, dann fällt sie sehr gering aus, je mehr Gebäude darauf stehen desto höher wird die Miete. Bei Bahnhöfen hängt die Miethöhe davon ab, wie viele Bahnhöfe der Besitzer insgesamt sein Eigentum nennt und bei den beiden Werken legt die Anzahl Augen auf den beiden Würfeln die Höhe der fälligen Zahlung fest. Die Felder dazwischen wirbeln das Geschehen etwas auf, so gibt es zum Beispiel Aktionskarten oder das Gefängnis, in dem man (maximal drei Runden) verharren muss, bis man einen Pasch würfelt. Apropos Würfel: Es gibt zwei Stück die Reihum geworfen werden. Die Anzahl Augen legt fest, wie weit man mit seiner Figur ziehen muss.

 

Wer kein Geld mehr hat, der fliegt aus dem Spiel und darf nur noch zuschauen, bis bloß einer übrig ist, der dann logischerweise der Gewinner ist. Das ist schon alles, was es zu Monopoly zu berichten gibt, doch natürlich gibt es jede Menge Details, die für mehr Abwechslung und Schadenfreude sorgen, ich will hier jedoch nicht zu weit ausholen. Im Prinzip ist Monopoly Streets eine 1:1 Kopie des Brettspiels, die jedoch noch wesentlich mehr bietet, um den Spielern die gleiche Freiheit zu geben wie bei der Vorlage.

 

So kann man natürlich im Spiel selbst auch mit anderen Spielern handeln. Dieser Tausch wird von jemandem angestoßen, der genau sagen muss, was er von dem anderen haben will und wie viel er dafür zu geben bereit ist. Der andere kann das Angebot dann entweder annehmen oder ablehnen, oder sogar ein Gegenangebot unterbreiten. Ebenso lassen sich die Regeln des Spiels in quasi allen Belangen ändern. Man kann festlegen, wie viel Geld man bekommt, wenn man über Los zieht, ob und wie viel man kriegt, wenn man auf „Frei parken“ landet, wie lange man im Gefängnis sitzen muss, wie hoch die Steuern sind, wie viele Hypothekenzinsen man zahlen muss, ob es einen dritten Würfel gibt, wie hoch das Startkapital ist, wie viele Häuser man benötigt, bevor man ein Hotel bauen kann, wann das Spiel zu Ende ist und, und, und.

 

Da das jedoch recht komplex ist, haben die Entwickler gleich eine Reihe von Regelsätzen voreingestellt, die zu bestimmen Anforderungen der Spieler passen. So gibt es zum Beispiel ein schnelles Spiel, bei dem man am Anfang schon zufällig drei Grundstücke zugeteilt bekommt, mehr Startkapital hat und außerdem nur drei Häuser bauen muss, bevor ein Hotel erreicht werden darf. Darüber hinaus gibt es noch Spielregeln, bei denen es nicht darauf ankommt, als letzter übrig zu bleiben, sondern eine bestimmte Anzahl an Farbgruppen zu besitzen oder nach Ablauf einer bestimmten Anzahl Runden am reichsten zu sein. Die Vielfalt ist relativ groß, so dass es nicht so schnell langweilig wird.

 

 

Du hast den zweiten Platz in einem Schönheitswettbewerb gewonnen!

 

Optisch macht Monopoly Streets einen recht guten Eindruck. Die Stadt ist sehr lebhaft und schön gestaltet und auch die normalen Spielbretter sind lustig. Vor allem die pro Farbgruppe unterschiedlichen Häuser und Hotels sind nett anzuschauen. Ebenso finde ich es lustig, dass auf einem mit einer Hypothek belasteten Grundstück gleich alles verwest und stirbt – so sind Banken nunmal... Auch die Spielfiguren sind gelungen, denn die kleinen, silbernen Spielsteine ziehen natürlich nicht alleine durch die Stadt. So hat der Hund einen Paris Hilton Verschnitt dabei, das Bügeleisen wird von einem Hausmädchen begleitet und die Schubkarre von einer Landwirtin geschoben. Die Bilder rechts stammen übrigens von den HD-Versionen, da es von EA keine anderen gibt. Allerdings sieht die Wii-Version im Prinzip genau so aus, nur mit etwas geringerer Auflösung.

 

Einzig die Geräusche der Figuren nerven teilweise etwas, was das Spiel aber auch gleichzeitig sehr lustig machen kann. Die Spielfiguren lassen sich nämlich auch durch das eigene Mii austauschen, was dann die Farben und Animationen übernimmt. In meinem zweiten Spiel war ich (als Hundebegleiterin) nicht besonders männlich und danach als Landwirtin eher grobschlächtig. Lustig war das aber auf jeden Fall. Zum Glück gibt es neben den eher dummen Geräuschen der Figuren auch eine echte deutsche Sprachausgabe. Mr. Monopoly erklärt Anfängern das Spiel und kommentiert auch später hin und wieder das Geschehen. Das ist Vorbildlich.

 

 

Rücke vor bis auf Los!

 

An meinen Ausführungen erkennt man schon, dass das Videospiel einiges besser macht als das Original. Okay, die Regeln kann man beim Brettspiel natürlich noch beliebiger verändern, jedoch bietet Monopoly Streets in seinen vielen Optionen auch Ideen, auf die ich bisher nicht gekommen bin. Auch die schöne Stadt-Optik sorgt für ein viel lebhafteres Spiel.

 

Der wohl größte Vorteil der virtuellen Version ist aber ein anderer: Monopoly zu zweit ist langweilig und alleine ist es ganz unmöglich. Hier kann man Spieler mit mehr oder weniger hoher künstlicher Intelligenz dazu nehmen, um auch alleine oder zu zweit wirklich Spaß zu haben. Ich rate jedoch dringend von der leichten KI ab, diese ist echt selten dämlich, die mittlere ist dagegen gut gelungen.

 

Außerdem finde ich es toll, dass man sich nicht um die ganze Geldschieberei kümmern muss. Beim Original zählt man entweder ständig das nervige Spielgeld oder (noch schlimmer) nutzt den nervigen Abrechnungs“computer“, der das Spiel nur unnötig in die Länge zieht. Virtuell geht alles automatisch und unkompliziert, so muss das sein!

 

Dazu ist die Steuerung gut durchdacht und sehr einfach, so dass auch Neulinge leicht mitmachen können. Man hält die Wii Fernbedienung quer und nutzt das Steuerkreuz zum navigieren durch die Auswahlmenüs sowie die vier Tasten für diverse Aktionen. Vorbildlich ist, dass auf dem Bildschirm immer angezeigt wird, welcher Knopf gerade was bewirkt. Fortgeschrittene Spieler stört das nicht, macht es Anfängern aber sehr einfach, sich auf das Spiel zu konzentrieren.

 

 

Gehe in das Gefängnis!

 

Doch Monopoly Streets macht nicht alles richtig oder besser als das Original. Zwar bietet es beinahe alle Möglichkeiten des Brettspiels sowie einige darüber hinaus, gleichzeitig verschenkt es jedoch auch eine gigantische Möglichkeit. So toll virtuelle Mitspieler dank KI auch sind, echte sind immer besser. Warum also hat das Spiel keinen Online-Modus? Es wäre so toll, wenn man einfach jederzeit eine Runde spielen könnte, egal ob man gerade Leute da hat, die Spaß dran haben oder nicht. Dank der unendlichen Weiten des Internets würde man immer jemanden finden. Dazu kommt, dass es keine Sprachbarriere gibt, denn jeder spielt ja die Version in seiner Sprache und Lags wären auch vollkommen egal. Warum also fehlt ein solcher Modus, den es in den beiden HD-Versionen natürlich gibt? Eine Frechheit!

 

Darüber hinaus hätte etwas mehr Experimentierfreude sicher nicht geschadet. Warum gibt es keine absolut durchgeknallten Spielregeln? Diese sind natürlich nicht Jedermanns Sache, aber ich hätte hin und wieder schon Lust auf ein völlig anderes Monopoly. Beim Brettspiel kann man schließlich auch alles machen, was einem so einfällt. Zuletzt hätte ich mich auch über weitere Streets-Spielbretter gefreut, auch hier liegen die HD-Versionen mit zweien vorne, wobei ich selbst das noch ziemlich dürftig finde.

 

 

Vielen Dank an Electronic Arts für die Bereitstellung des Testmusters.


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Fazit

Unterm Strich ist Monopoly Streets mindestens so gut wie das Original, denn es bietet alle Standards, die es beim Brettspiel auch gibt sowie einige Dinge, die darüber hinaus gehen. Vor allem die KI ist gut, wenn man keine menschlichen Gegner hat. Jedoch haben die Entwickler eine große Möglichkeit verpasst, denn mit einem Online-Modus wäre das Spiel zu einem Pflichtkauf für jeden Fan geworden. Die Technik ist in Ordnung, mehr erwarte ich von einem solchen Spiel auch gar nicht, toll ist die deutsche Sprachausgabe. Doch auch die gute Steuerung täuscht nicht darüber hinweg, dass einem das Spiel nur gefallen wird, wenn man Monopoly mag. Die Note kann sich also quasi jeder selbst nach eigenem Geschmack verändern, jedoch sollte man dann fünf bis zehn Prozent im Vergleich zum Brettspiel oben drauf schlagen, virtuell ist es einfach etwas besser.

Grafik

ok

Sound

gut

Steuerung

super

Spielspaß

gut

49%

Singleplayer

79%

Multiplayer

Release

04.11.2010

Developer

Electronic Arts

Publisher

Electronic Arts

USK Freigabe

ohne Altersbeschränkung

Anzahl Spieler (Lokal)

1-4


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