Login

Passwort vergessen?

Konto erstellen


Reviews: Nintendo Wii

< zurück

Boogie

Musik

13.09.2007

Autor: Mario Kablau

 

 

Boogie = Workout?

 

Bei der Ankündigung von Boogie vor ein paar Monaten sah ich mich schon Wiimote und Nunchuk schwingend, dabei hüpfend auf einer Tanzmatte und einem Headset am Kopf, um gleichzeitig noch singen zu können. Wow, wenn das mal nicht die Koordination fordert und fördert, dann weiß ich es auch nicht. Doch leider (oder vielleicht auch zum Glück) kam es ganz anderes als in meinen ersten Vorstellungen. Bei Boogie setzt man weder Beinarbeit ein, noch kann man gleichzeitig singen und „tanzen“, sondern immer nur nacheinander. Außerdem wird nicht richtig getanzt, sondern „nur“ die Wiimote im Takt geschwungen, um den Charakter auf dem Bildschirm tanzen zu lassen. Doch dazu später mehr. Wichtig zu wissen ist, dass Boogie auf keinen Fall ein Spiel ist, bei dem man sich körperlich anstrengen muss, außer natürlich die Stimme. Alles geht bequem im Sitzen und auch bei hohen Außentemperaturen ohne allzu viel Schweiß.

 

Legt man die DVD das erste Mal ein, dann wundert man sich schnell, warum das Spiel im Wii-Systemmenü nicht angezeigt wird. Klickt man jedoch auf den Disk-Kanal, dann versteht man, warum das so ist, denn Boogie benötigt ein Update der Systemsoftware, damit das USB-Mikrofon von Logitech funktioniert. Nachdem das installiert wurde, lässt sich das Spiel starten und man kommt nach dem kurzen, aber sehr gut gemachten Intro ins Charakter-Menü, denn bevor es losgehen kann, muss man seine eigene Spielfigur erstellen. Dabei kann man aus 7 Vorlagen (Ein Kerl, zwei Aliens, ein Tiger? und drei Frauen) das Modell wählen, dass einem am ehesten gefällt. Jede Figur lässt sich dann noch umfangreich personalisieren, wobei man zum Beispiel Frisur, Haarfarbe, Schuhe und Kleidung verändern kann. Nachdem das erledigt ist und die Figur einen Namen bekommen hat, kommt man ins Hauptmenü.

 

Von dort aus kann man auf alle Spielmodi von Boogie direkt zugreifen. Neben Singen und Tanzen gibt es einen Story-Modus, der in 25 Episoden eine kleine Geschichte um die fünf Hauptfiguren des Spiels erzählt, einen Party-Modus für Duelle unter menschlichen Spielern, das Training für Neulinge, einen Videoeditor, um Videos aus den eigenen Auftritten zu produzieren, einen Shop, in dem man neue Songs, Bühnen und Klamotten für die Figuren kaufen kann und ein Optionsmenü für diverse Einstellungen. In der Mitte des Hauptmenüs steht die eigene Figur, die man auch anklicken kann, um sie zu verändern.

 

Das Menü und alle Einstellungen lassen sich sehr komfortabel über den Pointer bedienen. Die Funktionen sind leicht verständlich und die Ladezeiten in den Menüs und zwischen den Songs angenehm kurz. Auf die Sequenzen während der Ladezeiten passen perfekt zum Gesamtauftritt des Party-Spiels. Die Funktionalität, Ordnung und leichte Verständlichkeit bei so toller Optik in einem Menü hat es bisher auf der Wii noch nicht gegeben. Aber wir bewerten hier ja nicht nur das Hauptmenü, sondern das gesamte Spiel.

 

 

Get the Party started!

 

Zu allererst sollte man das Training durchführen, in dem man von der freundlichen Stimme von Dirk Bach das Spielprinzip erklärt bekommt. Beim Singen gilt es, die richtige Tonhöhe zu treffen und sie so lang zu halten, wie das Lied es eben erfordert. Dazu erscheinen am unteren Bildschirmrand kleine Blasen, die die Tonhöhe und –länge angeben. Darunter erscheint noch der dazugehörige Text, so dass man genau weiß, was man wie singen muss. Ein besonderes Feature von Boogie ist das so genannte Vocal Assist, was nicht anderes bedeutet, als das man durch den eigenen Gesang die Stimme des Originalsongs auslöst, so dass man sich nicht selber hören muss. ;) Der Anteil der eigenen Stimme kann über einen Schieberegler im Menü stufenlos verändert werden, so dass man sich langsam dran gewöhnen kann.

 

Beim Tanzen ist es schon etwas komplexer. Besonders wichtig ist die Anzeige am rechten Bildschirmrand, die den Takt visuell wiedergibt. Zusätzlich wurde die Wiimote zum Metronom umgewandelt und gibt den Takt des Liedes über den Lautsprecher aus, so dass man stets weißt, wann man schwingen darf. Die vier Richtungen der Wiimote lösen dann vier unterschiedliche Moves des eigenen Charakters auf der Bühne aus. Jede Figur hat drei Sets von Bewegungen, durch die man sich über die A-Taste durchschalten kann. Mit dem Steuerkreuz oder dem Joystick auf dem Nunchuk lässt sich die Figur auf den 9 Feldern der Bühne bewegen. Dies ist nicht nur nötig, um cool auszusehen, sondern auch um Extras einzusammeln, die ab und an auftauchen.

 

Während man im Takt tanzt, sammelt man Punkte und die Boogie-Anzeige lädt sich langsam auf. Ist sie voll, hat man zwei Optionen, diese Power einzusetzen. Entweder man hält die B-Taste gedrückt und führt dann Kombos aus, wobei die Richtungen auf dem Bildschirm vorgegeben werden oder man hält Z gedrückt und lässt seinen Charakter posen. Beim Posieren muss man Zielscheiben auf dem Bildschirm durch geschicktes Drehen des Nunchuk erreichen und sammelt dadurch Bonuspunkte. Zusätzlich kann man mit C die Lippen synchron zum Song bewegen und mit dem Joystick die Augen der Figur steuern. Die beiden letzten Funktionen haben keine Auswirkungen auf die Punkte, sehen aber in Videos unglaublich cool aus.

 

Im Anschluss an den eigenen Auftritt gibt es noch die Möglichkeit ein Video zu produzieren, dass man dann seinen Freunden zeigen kann. Man hat die Auswahl aus 4 Kameras, deren Perspektiven man zusätzlich ändern kann. Außerdem kann man das Bild beeinflussen und es z.B. invertieren, in schwarz-weiß darstellen oder mit anderen Features wie Herzen, Sternen oder einem selbst eingegebenen Text verschönern. Insgesamt 100 Schnitte lässt das Programm zu und danach kann man das Video speichern und sogar auf einer SD-Karte mit zu seinen Freunden nehmen.

 

Nach dem Beenden des Trainings hat man alles gelernt, was man lernen kann und kann sich auf den Story-Modus stürzen oder einfach nur drauf los singen oder tanzen. Die Story ist zwar eine nette Beigabe, aber die komplett in Standbildern und mit komischen Sprachgeräuschen versehenen Zwischensequenzen sind leider nicht wirklich gelungen. Dennoch sollte man den Modus durchgespielt haben, denn nur dadurch erhält man Zugriff auf bestimmte Lieder sowie auf eine Extra-Kombo für jeden Charakter. Hohe Langzeitmotivation bekommt Boogie allerdings durch die riesige Auswahl an Musik und die Jagd nach neuen Highscores (und vielleicht das Training für WiiMeet), denn die Story ist locker in 3 Stunden zu schaffen.

 

 

Musik aus vier Jahrzehnten!

 

Mit 39 Liedern bietet Boogie eine sehr große Auswahl an Songs aus den letzten 40 Jahren. Zwar lässt sich über Geschmack bekanntlich streiten, aber es fehlen auf jeden Fall ein paar echte Kracher, um den Funken richtig überspringen zu lassen. Doch lest selbst:

 

The Jackson 5 - ABC

Gypsy Kings - Baila Me

Taste of Honey - Boogie Oogie Oogie

The Commodores - Brick House

Jamiroquai - Canned Heat

Kool & The Gang - Celebration

Martha Reeves & The Vandellas - Dancing in the Street

The Jackson 5 - Dancing Machine

Pussycat Dolls / Busta Rhymes - Don't Cha

Fergi - Fergalicious

Jennifer Lopez - Get Right

Pink - Get The Party Started

Cyndi Lauper - Girls Just Want To Have Fun

Dee-Lite - Groove Is In The Heart

The Jackson 5 - I Want You Back

Britney Spears - I’m A Slave 4 U

The Weather Girls - It's Raining Men

Culture Club - Karma Chameleon

Carl Douglas - Kung Fu Fighting

Chic - Le Freak

Black Eyed Peas - Let's Get It Started

Red Hot Chili Peppers - Love Rollercoaster

The B-52's - Love Shack

Lou Bega - Mambo No. 5 (A Little Bit of…)

Kelis - Milkshake

Daft Punk - One More Time

Blondie - One Way Or Another

Britney Spears - Oops I Did It Again

M - Pop Muzik

Rihanna - S.O.S.

Simply Red - Stars

KC And The Sunshine - That's The Way (I Like It)

Thalia - Tu Y Yo

M.C. Hammer - U Can't Touch This

Jamiroquai - Virtual Insanity

Katrina & The Waves - Walking On Sunshine

Sister Sledge - We Are Family

The Village People - Y.M.C.A.

 

Mir fehlen dann vor allem ein paar Vertreter aus dem Rock-Genre und ein paar langsame Lieder. Die Auswahl ist generell zwar ganz okay, aber ein paar Highlights hätten auf keinen Fall geschadet. Was hätte ich um ein „Nothing else Matters“, „Keep the Faith“ oder die „Bohemian Rhapsody“ gegeben?

 

Besonders schade ist, dass man keine Songs herunterladen kann, um das Ganze ein wenig zu personalisieren. Aber so bleibt zumindest die Möglichkeit, noch weitere Boogie-Spiele mit neuen Songs zu veröffentlichen und ich hoffe, dass das passieren wird.

 

 

So weit wie ein Ozean, so tief wie eine Pfütze...

 

Während das Spiel vor allem durch die Anzahl an Songs überzeugen kann, hapert es etwas an spielerischer Tiefe. Sicherlich erwartet man von einem solchen Titel keine grandiose Story oder tiefgreifendes Gameplay, aber das Tanzen ist irgendwie ziemlich schnell langweilig. Man hat zwar recht viele Möglichkeiten, aber nach kurzer Zeit ist es kein Problem mehr, eine Kombo nach der anderen hinzulegen und stets im Takt zu bleiben. Zwar sorgen die drei Schwierigkeitsgrade und die unterschiedlich schweren Lieder für etwas Variation und halten die Motivation eine Weile oben, aber unterm Strich ist es in den meisten Leider kein großes Problem, nach 2-3 Versuchen die Goldmedaille in der Tasche zu haben.

 

Bei den Songs ist die Variation da schon etwas größer, da man ja oftmals die Texte nicht schon perfekt kann und deshalb eine Weile braucht, um ganz nach oben auf die Highscore-Liste zu kommen. Man muss jedoch die Texte nicht unbedingt können, um hohe Punktzahlen zu erreichen, denn das Spiel misst nur die Tonhöhe, so dass man das Lied auch summen kann.

 

Die Token (Münzen), die man im Spiel sammeln kann, setzt man zum Kaufen von neuen Bühnen, Songs und Outfits ein, doch auch hier hat man nach recht kurzer Zeit schon alles gekauft. Laut meiner Wii hatte ich nach knapp 7 Stunden Spielzeit bereits alles aus dem Shop freigeschaltet.

 

Dazu kommt noch, dass man nicht direkt gegeneinander antreten kann. Es gibt zwar einen Modus für Duelle, aber dort kann man nur tanzen und dann auch nur einer nach dem anderen. Dabei wären direkte Gesangs- und Tanzduelle eine so schöne Abwechslung gewesen. Aber auch so macht das Spiel zu zweit auf jeden fall mehr Spaß als alleine, wenn man sich nicht allzu sehr seiner Stimme wegen schämt. ;) Hier gibt es aber auf jeden Fall auch noch Verbesserungsbedarf.

 

Unterm Strich fehlt es dem Spiel daher deutlich an genügend Abwechslung, um zu motivieren. Als Partyspiel ist es allerdings sehr gut geeignet, was sich hoffentlich auch bei WiiMeet in ein paar Wochen zeigen wird...

 

 

Listen to the Music

 

Die Grafik im Spiel ist in einem Comic artigen Look, was auf jeden Fall sehr gut passt. Die Charaktere sind abwechslungsreich und recht detailliert. Auch die Bühnen sehen gut aus, allerdings gibt es mal wieder ziemlich viel Kantenflimmern im 480p Modus. Der 16:9 Modus scheint auch ein wenig geschwindelt zu sein, was die schwarzen Ränder links und rechts deutlich zeigen. Optisch fällt Boogie insgesamt weder positiv noch negativ besonders auf, weiß aber durch den einheitlichen Stil und die schicken Menüs zu überzeugen.

 

Die Musik ist in sehr guter Qualität aufgenommen und streichelt das Ohr förmlich. Die Klänge sind klar und scharf und auch die Musik in den Menüs kommt sehr gut rüber. Hier haben sich die Entwickler wirklich angestrengt, was man deutlich hört. Auch die Vocal-Assist Funktion ist sehr gut umgesetzt, denn die Originalstimme singt nur so laut, wie man auch selber ins Mikrofon haucht. Schaltet man die Unterstützung aus, dann macht es auch Sinn, die eigene Stimme mit etwas Hall zu versehen, was nicht nur gewissen Schwächen in der eigenen Gesangstechnik überdecken kann, sondern bei manchen Liedern auch noch echt cool klingt.

 

Vielen Dank an Electronic Arts für die Bereitstellung des Testmusters.


Wenn euch das Review gefällt, dann unterstützt uns via:

Fazit

Boogie hat auf jeden Fall ein paar gute Ideen, allerdings mangelt es an spielerischer Tiefe beim Tanzen. Das Singen funktioniert einwandfrei und macht besonders durch die coolen Charaktere im Hintergrund viel Spaß. Die Auswahl an Musik ist recht umfangreich, jedoch sollte man sich die Songliste genau anschauen, bevor man das Spiel kauft. Der fehlende Mehrspieler-Modus für direkte Duelle (es ist ja auch nur ein Mikrofon dabei) tut sein übriges, um Boogie aus höheren Wertungsregionen fern zu halten. Als Partyspiel kann man es aber sehr empfehlen, wenn man die eigene Scham auch vor größeren Gruppen überwinden kann.

Grafik

ok

Sound

gut

Steuerung

gut

Spielspaß

gut

70%

Singleplayer

75%

Multiplayer

Release

31.08.2007

Developer

Electronic Arts

Publisher

Electronic Arts

USK Freigabe

ohne Altersbeschränkung


Aktuell auf 10doTV

10do Show

Oktober-Ausgabe: Die Metroid-Reihe

RSS-FeedDie 10do Show in iTunes