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Reviews: Nintendo Wii

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Ratatouille

Jump 'n Run

28.10.2007

Autor: Mario Kablau

 

 

Eine Ratte in Paris!

 

Am Anfang des Filmes und des Spiels lebt Remy mit seiner Gruppe, in der auch sein Vater und Bruder aufgehoben sind, irgendwo in Frankreich. Im Haus einer alten Dame suchen sich die Ratten ihr tägliches Futter. Aber Remy ist anders. Er weigert sich nicht nur, auf allen Vieren zu laufen, da er ja mit seinen Vorderpfoten Essen in seinem Mund befördert, sondern hat auch noch den Plan, ein großer Koch zu werden. Da kommt es ihm gerade recht, dass er im Haus der Dame das Buch des größten Kochs Frankreichs findet: Auguste Gusteau, das den vielsagenden Titel „Jeder kann kochen“ trägt. Das Gusteaus ist eines der besten Restaurants in Paris und darf sich mit 5 Sternen schmücken. Als jedoch eines Tages der Kritiker Anton Ego eine vernichtende Kritik schreibt, verliert es einen seiner fünf Sterne. Dies machte den Küchenchef so traurig, dass er daran gestorben ist, was zum Verlust eines weiteren Sterns geführt hat.

 

Das Restaurant ist also kurz vor dem Ende, aber als Ratte Remy eines Tages dort Essen für die Gruppe organisiert, stolpert er über eine üble Suppe, die der Küchenjunge Linguini nach einem kleinen Unfall zu retten versucht hat. Natürlich ist er daran kläglich gescheitert und die Suppe schmeckt überhaupt nicht. Doch Remy und seine Supernase sind in der Lage dieses Debakel noch zu retten und so kommt der Küchenjunge zu unverdientem Ruhm. Problematisch wird das Ganze jedoch erst, als er vom aktuellen Küchenchef Skinner aufgefordert wird, die Suppe noch mal zu kochen. Ohne Remys Hilfe wird das wohl nichts...

 

Weiter will ich auf die Geschichte nicht eingehen, vor allem, weil Spiel und Film ziemlich weit auseinander liegen. Es gibt zwar einige Gemeinsamkeiten und natürlich kommen die wichtigsten Schauplätze des Films auch im Spiel vor, aber dennoch ist vieles anders. Ich will hier aber nicht auf die Unterschiede eingehen, sondern auf das Spiel, also werde ich mich von nun an weitestgehend darauf beschränken.

 

 

Es ist schön eine Ratte zu sein!

 

Auch das Spiel fängt „Irgendwo in Frankreich“ an und dort bekommt Remy von seinem Bruder Emile die Grundlagen des Spiels vermittelt. Gesteuert wird der Protagonist mit dem Stick auf dem Nunchuk. Der Z-Knopf lässt Remy widerwillig seine Vorderpfoten nutzen, damit man auch mal schneller laufen kann. Wie eine echte Ratte eben. Mit dem A-Knopf wird gesprungen, zweimal A führt zu einem Doppelsprung. Der B-Trigger hat allerhand Funktionen, die kontextabhängig sind. Stößt man zum Beispiel auf ein Rattapult (ein Löffel auf einem Gelenk mit einem Gegengewicht in Form eines Apfels), dann kann man dort drauf springen und es mit B auslösen, so dass man weite Strecken schnell zurücklegen oder hoch liegende Orte erreichen kann. Ebenso hält sich Remy mit dieser Taste an Netzen, Seilen oder auf schmalen Gassen so fest, dass man sich sicher bewegen kann. Hält man B länger gedrückt, dann riecht die Ratte besonders gründlich, was dazu führt, dass man den Weg zum nächsten Ziel in Form von blauem Nebel auf dem Bildschirm dargestellt bekommt.

 

Über den C-Knopf steuert man die Kamera, wobei ein kurzer Druck sie hinter Remy zentriert und wenn man sie länger gedrückt hält, dann kann man sie mittels Pointer der Wiimote selber ausrichten. Mittels + gelangt man ins Hauptmenü, wo man sich den aktuellen Fortschritt, erledigte Aufträge und mehr ansehen kann. Durch Schütteln der Wiimote setzt die Ratte einen Schwanzhieb ein, mit dem man Gegner besiegen oder KO schlagen kann. Die Bewegungssensoren des Controllers werden darüber hinaus vor allem in Minispielen eingesetzt, die man sowohl während des Hauptabenteuers spielen muss als auch direkt über das Menü auswählen kann.

 

Um Minispiele direkt zu spielen, muss man sie jedoch erst in Gusteaus Laden kaufen. Als Währung setzt man Punkte ein, die man sammelt, indem man Aufträge abschließt. Neben den zwingend zu lösenden Hauptaufträgen gibt es in jedem Level auch noch einige Bonusaufträge, die zusätzliche Punkte bieten. Nur wenn man alle davon erfolgreich beendet, kann man 100% erreichen und alle Gegenstände im Laden kaufen. Neben Minispielen, die man jedoch zunächst im Abenteuer gespielt haben muss, bevor man sie kaufen kann, gibt es bei Gustaeu auch noch Bilder aus dem Film, Konzeptgrafiken und Cheats.

 

 

Wie in einem PIXAR Film?

 

Ich weiß nicht mehr wer es gesagt hat, aber die Aussage stammt aus dem Jahre 1996 und betrifft Super Mario 64. Damals wurde von jemandem gesagt, dass mit diesem Spiel das grafische Level von PIXAR Filmen auch in Spielen angekommen ist. Mal davon abgesehen, dass das maßlos übertrieben ist, kommt Ratatouille auch über 10 Jahre später grafisch nicht an die Filmvorlage heran. Zwar sieht die Wii-Version eine ganze Ecke besser aus, als die für den GameCube, aber von Grafikpracht kann keinesfalls gesprochen werden. Es gibt zwar einige tolle Lichteffekte und die Umgebungen sind riesig, aber vor allem an den Texturen und manchen Objekten gibt es einiges zu meckern.

 

Besonders heftig ist es in manchen Ecken, wo zum Beispiel zwei Mauertexturen aufeinander treffen. Dabei fällt deutlich auf, dass die Qualität der Texturen nicht wirklich einheitlich ist, denn während die eine Mauer gut aussieht, ist die andere total matschig. Die zu gering polygonierten Objekte fallen vor allem auf, wenn es sich um Lebensmittel handelt. Ich habe schon lange keine so eckige Wassermelone mehr gesehen. Bei manchen Objekten, zum Beispiel auf dem Markt, wurde natürlich kräftig getrickst. So sind manche Obststände nur leicht ausgebeulte Flächen mit einer Textur, die mehrere Früchte oder Fleisch suggerieren soll. Wirklich gut klappt das jedoch nicht, was vor allen Dingen daran liegt, dass man sich immer extrem nah am Boden bewegt, wie das eine Ratte nun mal tut.

 

Dennoch kann man die Grafik insgesamt als solide bezeichnen, vor allen Dingen weil sie größtenteils fehlerfrei läuft und weil die Framerate dauerhaft stabil bleibt. Allerdings trüben die stark komprimierten und daher nicht mehr wirklich schönen Videos in den Zwischensequenzen das Gesamtbild leider sehr.

 

Musik und Sound sind sehr gut, weil sie größtenteils aus dem Film stammen, weshalb man sich auf einen schönen orchestralen Soundtrack freuen darf. Die Umgebungsgeräusche sind top und auch die Sprachausgabe ist vorbildlich, da sie von den Originalstimmen des Filmes stammt. Schade ist nur, dass die englischen Stimmen leider gar nicht dabei sind. Dabei ist Patton Oswalt als Remy noch eine ganze Ecke passender als Axel Malzacher, der einigen vielleicht als Synchronstimme von Rodney McKay bei Stargate Atlantis bekannt ist.

 

Der Umfang ist eher mäßig, denn ich habe den Abspann schon nach knapp 4 Stunden gesehen. Zwar hatte ich zu dem Zeitpunkt erst 55 % erreicht, aber eine wirkliche Motivation auf 100 % kommen zu wollen, gibt es leider nicht. Es ist zwar nicht allzu schlimm wie befürchtet, als ich anfangs nach 19 Minuten bereits 16 % erreicht hatte, aber wirklich umfangreich ist das Spiel auf keinen Fall. Um auf 100 % zu kommen, muss man etwa 10 Stunden investieren, was aber vor allem daran liegt, dass man die fünf großen Level gründlich durchsuchen muss, um alle geheimen Aufträge und versteckten Gegenstände zu finden. Zum Thema Abspann: Der kam mir mit 15 Minuten Dauer fast länger vor als das Spiel. Dabei wurde wirklich jeder, der nur entfernt mit der Produktion zu tun hatte, erwähnt, so zum Beispiel auch alle 47 Musiker des Filmorchesters mit Namen und Instrument. Ob das wirklich nötig ist? ;)

 

Die Steuerung funktioniert größtenteils sehr gut, wobei vor allen Dingen die Einsätze der Wiimote in den Minispielen großen Spaß machen, aber darauf gehe ich später noch gesondert ein. Es sind punktgenaue Sprünge möglich, was bei manchen Leveln jedoch auch wirklich nötig ist. Etwas nervig sind lediglich zwei Missionsarten, wo man eine Weile dran zu knabbern haben wird. Bei Fluchtmissionen muss man vor einem Menschen davon laufen. Man muss also vor allem schnell und genau steuern. Problematisch ist das nur, weil man in diesen Szenen auf die Kamera zu läuft, damit man im Blick hat, wie nah einem der Verfolger ist. Das ist zwar eine tolle Inszenierung, aber da die Kamera zu nah an Remy dran ist stürzt man immer wieder ab, bis man den Weg wirklich verinnerlicht hat. Auch die Rutschen, die Remy immer am Ende eines Levels zurück zum Lager der Ratten bringen, haben es in sich. Hier gilt es, Abgründe zu überspringen, enge Kurven zu bestehen und schmale Gassen zu überleben. An sich ist das kein Problem, jedoch fliegt der Geist von Gusteau immer vor dem Spieler her, was die Sicht extrem einschränkt und daher Abstürze verursacht. Das ist besonders deshalb ärgerlich, weil man die Rutsche nach dem Verlust eines Lebens immer ganz von vorne anfangen muss. Da die Partien aber immer etwa 5 Minuten lang sind, kann das ziemlich nervig werden.

 

 

Minispiele en Masse!

 

Wie schon erwähnt, gibt es bei Ratatouille eine ganze Menge Minispiele, die man im Laufe des Abenteuers bestehen muss. Danach kann man sie in Gusteaus Laden kaufen und dann auch direkt aus dem Hauptmenü heraus spielen. Sie sind in drei Kategorien einsortiert: Traumwelten, Kochstellen oder Rutschen. Bei den Traumwelten handelt es sich um Träume von Remy, in denen er sich immer in einem saftigen Land voller Früchte, Brot oder Fleisch befindet und über einen Hindernisparcours aus denselben das Ziel erreichen muss. Diese Passagen sind am ehesten mit den Geschicklichkeitsaufgaben aus Super Mario Sunshine zu vergleichen, denn es kommt auf gut gezielte Sprünge und schnelle Reaktionen an. Kochstellen bezeichnet Minispiele, die in Gusteaus Küche stattfinden. Hierbei steuert Remy den Küchenjungen Linguini und bereitet diverse Speisen zu. Dazu muss man entweder Zutaten mit der Wiimote auswählen, bestimmte Tastenkombinationen drücken oder die Bewegungssensoren geschickt einsetzen. Die Rutschen bezeichnen die vier Rutschpartien aus dem Hauptspiel.

 

Die meisten Spiele kann man zwar nur alleine spielen, aber es gibt dennoch einen recht gut durchdachten Mehrspieler-Modus. Dazu gibt es zum Beispiel die Meisterschaft, in der man beliebige Minispiele (maximal 15) festlegen kann, die dann von bis zu vier Spielern nacheinander gespielt werden müssen. Je nach Rang in den einzelnen Aufgaben werden Punkte vergeben, so dass am Ende der mit den meisten Punkte Sieger ist.

 

Neben diesen zahlreichen Möglichkeiten, nacheinander mit mehreren Spielern zu spielen, gibt es auch vier Minispiele, die man gleichzeitig bedienen kann, dann allerdings nur zu zweit. Dabei muss man entweder ein Bootsrennen gewinnen, als letztes auf einer Plattform bleiben, am schnellsten über ein Drahtseil balancieren oder mehr Gegenstände aus einem Schrank einsammeln, als der Gegner. Abseits der Tatsache, dass diese Wettbewerbe nicht leicht zu finden sind – man kann sie nämlich erst kaufen, wenn man bestimmte Ziele im Abenteuer erreicht hat – machen sie sehr viel Spaß. Leider ist die Auswahl aber deutlich zu gering, um dem Spiel wirklich Mehrwert zu bescheren.

 

Grundsätzlich sind die Minigame-Ideen gut und lockern das Spielprinzip deutlich auf. Die Wiimote wird sinnvoll eingesetzt und die Meisterschaften bieten die Möglichkeit, mit mehreren Spielern gegeneinander anzutreten, jedoch leider nur einer nach dem anderen.

 

Vielen Dank an THQ für die Bereitstellung des Testmusters.


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Fazit

Ratatouille kommt leider nicht an die geniale Filmvorlage heran. Das liegt zum einen an den zu großen Unterschieden in der Geschichte und zum anderen an der extrem kurzen Spielzeit. Wenn man sich schon nicht 1:1 an die Story hält, dann hätte man ruhig noch mehr dazu erfinden können, um für längeren Spielspaß zu sorgen. Die Technik ist solide und das Gameplay gut durchdacht, aber nicht sonderlich innovativ. Es macht zwar großen Spaß, die Welt mal aus der Sicht einer Ratte zu erleben, aber mehr Neues gibt es nicht. Eine dickes Plus sind die Originalstimmen des Films und Teile des sehr gelungenen Soundtracks. Für Leute, die den Film gut fanden, ist das Spiel durchaus geeignet, da der Humor gut transportiert wurde und man so auch mal selbst Hand anlegen darf. Für alle anderen ist es nur ein mittelmäßiges Jump & Run.

Grafik

ok

Sound

gut

Steuerung

gut

Spielspaß

ok

68%

Singleplayer

59%

Multiplayer

Release

21.09.2007

Developer

Asobo

Publisher

THQ

USK Freigabe

ohne Altersbeschränkung

Anzahl Spieler (WLAN)

2


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