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Reviews: Nintendo Wii

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Driver: San Francisco

Rennspiel

07.10.2011

Autor: Gunnar Schreiber

 

 

Auf den Straßen von San Francisco

 

Mit Driver: San Francisco kehrt die renommierte Spielserie nicht nur zu ihren Wurzeln (fahren statt rumlaufen) zurück, sondern auch auf die Wii. Einige von euch werden sich vielleicht noch daran erinnern, dass eine Umsetzung des dritten Teils etwa zum Launch der Konsole in den Läden stand.

 

Driver: San Francisco hat bis auf den Namen allerdings reichlich wenig mit den Versionen für die HD-Konsolen gemeinsam. Dort liegt Protagonist John Tanner gleich zu Anfang im Koma und erlebt das Abenteuer in einer Art Traumwelt, in der es auch möglich ist, während der Fahrt einfach von einem Auto ins nächste zu shiften, wie es in dem Spiel genannt wird. Dieses Feature kommt auf Xbox 360 und PS3 ziemlich gut an, da es eine strategische und dennoch sehr actionreiche Vorgehensweise voraussetzt.

 

Auf der Wii hingegen ist John Tanner putzmunter und normal auf den Straßen unterwegs. Schade. Denn damit geht nicht nur das Kernfeature des Spiels verloren, sondern die Entwickler mussten sich auch eine neue Story einfallen lassen. Diese ist in etwa so frisch wie ein verschimmeltes Brot. Tanners langjähriger Partner – wie langjährig kann das schon sein, wenn Tanner gerade mal 23 Jahre alt ist – wird bei einem Einsatz kaltblütig ermordet. Doch die Gerechtigkeit scheint zu siegen: Denn ein Informant will vor Gericht gegen die Bande aussagen, die hinter dem Mord steht. Doch nachdem Tanner den Zeugen vorgefahren hat, wird auch er beseitigt. Die Polizei sieht fortan nun noch eine Möglichkeit, die Täter zu überführen: Tanner soll Undercover arbeiten, sich mit Straßenrennen und kriminellen Aufträgen in die Gruppe einschleusen und die nötigen Beweise sammeln.

 

Erzählt wird die Geschichte in Kapiteln, die jeweils mit kurzen, eher unspektakulären Videosequenzen im Comicstil eingeläutet werden. Auch zwischendrin gibt es immer wieder kleinere Videoschnipsel in Spielgrafik, die allerdings dilettantischer kaum sein könnten. Denn hier sieht man keine Personen, sondern immer nur Autos, egal ob Gespräche geführt werden, Ware übergeben wird usw. Allzu förderlich für die Atmosphäre ist das nicht.

 

 

Viel zu tun, aber wenig abwechslungsreich

 

Driver bietet eine relativ große Stadt, die ihr frei befahren könnt. Auf den Straßen herrscht reger Verkehr, Mülltonen, Laternen, Zäune lassen sich zu Schrott fahren, Abkürzungen durch Gassen und Parkanlagen warten in nahezu jedem Block darauf entdeckt zu werden und ein gutes Geschwindigkeitsgefühl lässt gleich zu Anfang tatsächlich Freude aufkommen. Wenn die Grafik dabei nicht so altbacken wäre, aber dazu später mehr.

 

Jedes Kapitel teilt sich auf in Hauptaufgaben, die gemacht werden müssen, um das Kapitel zu schaffen, Nebenaufgaben und kleinere Zwischeneinlagen. Es gibt dabei pro Kapitel drei Nebenaufgaben, die sich immer wiederholen: ein Rennen gegen einen anderen Fahrer gewinnen, einen Stadtteil etwas verwüsten und einen Gangster fangen. Kleinere Aufgaben erhaltet ihr via Polizeifunk, während ihr durch die Stadt cruist. Die Hauptmissionen werden über eine Stadtkarte ausgewählt: bestätigt dort den Auftrag und fahrt zuerst zum Startpunkt der Mission. Zum Glück führt euch ein permanent angezeigter Pfeil grob in die richtige Richtung. Eine kleine Karte am Bildschirmrand markiert ebenfalls die Ziele. Die Hauptaufgaben fallen etwas abwechslungsreicher aus. Hier müsst ihr beispielsweise auch mal ein anderes Fahrzeug ungesehen verfolgen oder einen Bandenkrieg anzetteln, indem ihr in einem geklauten Fahrzeug der Gang X das Lager von Gang Y zu Schrott fahrt oder das Handy eines Fahrers abhören, indem ihr mit dem Pointer der Wii-Fernbedienung den Cursor auf dem Zielfahrzeug platziert, bis das Gespräch aufgezeichnet ist. Letzteres ist gar nicht so leicht, während einer Fahrt durch den dichten Stadtverkehr.

 

Außerdem solltet ihr euch zumindest ein wenig an die Verkehrsregeln halten, da euch sonst schnell die Polizei auf den Fersen ist, die auf euch einfallen wie ein Schwarm Geier auf einen frischen Kadaver und gerne mit Straßensperren euren Weg abschneiden. Haben sie euch eingekeilt, ist die Mission direkt beendet. Vielleicht werdet ihr euch fragen, warum der Cop John Tanner von seinen Kollegen festgenommen wird. Ganz einfach: Er ist eben Undercover unterwegs und seine Tarnung soll auf keinen Fall auffliegen. Klingt logisch, oder? ;)

 

Anders als in den HD-Versionen dürft ihr hier auch mit Waffen auf andere Fahrzeuge ballern. Glaubt aber nicht, dass ihr das anhand einer Animation sehen könnt. Hier wird einfach ein Fadenkreuz auf dem Bildschirm dargestellt. Ganz witzig ist, dass jederzeit ein zweiter Spieler dazu stoßen kann, der dann beispielsweise das Ballern übernimmt. Wii exklusiv ist auch eine DS/3DS Connectivity. Habt ihr beide Systeme miteinander verbunden, zeigt der Handheldbildschirm zum Beispiel eine detailliertere Karte. Es gibt noch mehr exklusive Features, die ich im Abschnitt über den Multiplayer erläutern werde.

 

Für geschaffte Missionen erhaltet ihr neue Fahrzeuge (vom berühmten Dodge Challenger bis hin zu Polizeiautos) sowie Upgradepunkte. Mit denen verbessert ihr eure Boliden beispielsweise in Sachen Höchstgeschwindigkeit, Bewaffnung oder Rammfähigkeit. Apropos rammen: Wollt ihr ein anderes Auto stoppen, empfiehlt es sich, dieses zu rammen. Das macht ihr am effektivsten, indem ihr die Wii-Remote ruckartig in die Richtung des gegnerischen Fahrzeugs bewegt.

 

Darüber hinaus füllt sich noch eine Leiste auf, wenn ihr beispielsweise knapp an anderen Wagen vorbeifahrt oder waghalsige Sprünge vollführt. Ist die Leiste gefüllt, dürft ihr boosten. Da die Anzeige aber auch an die Schussfähigkeit gekoppelt ist, müsst ihr etwas strategisch vorgehen.

 

Bleibt noch zu erwähnen, dass ihr in manchen Kapiteln auch in die Rolle von Tanners Kollegen Tobias Jones schlüpft. Seine Missionen unterscheiden sich etwas von den anderen. So muss er mal seinem Kollegen den Rücken freihalten oder Tanners Glaubwürdigkeit stützen, in dem er ihn als Polizist angreift.

 

 

Eine halbwegs gute Kontrolle

 

Gesteuert wird Driver mit Wiimote und Nunchuk. Ihr beschleunigt mit der Z-Taste, bremst mit C und mit B aktiviert ihr die Handbremse, um Kurven enger zu nehmen etc. Wie bereits beschrieben, kommt hier und da mal der Pointer zum Einsatz oder die Bewegungssensoren. Das alles funktioniert ganz ordentlich, ist aber nicht immer so präzise, wie man es sich wünschen würde.

 

 

Mit mehreren Freunden mehr Freude?

 

Auf den ersten Blick überzeugt der Mehrspielerbereich zumindest schon mal durch Quantität. Hier hat Ubisoft versucht, die fehlenden Features der HD-Versionen durch Wii exklusive Multiplayermodi zu kompensieren. Was auf der einen Seite ganz löblich ist, wurde aber teilweise so schlampig umgesetzt, dass ein Mehrwert äußerst fraglich ist. Aber beginnen wir mal von vorne.

 

Im Prinzip gibt es drei Bereiche: „Koop“, „Party-Spiel“ sowie „Räuber und Gendarm“, die sich wiederum noch weiter unterteilen. Warum Ubisoft so eine komische Aufteilung vorgenommen und nicht erstmal alles unter einem Punkt Mehrspieler zusammengefasst hat, bleibt rätselhaft.

 

„Koop“ ist an sich schon widersprüchlich genug. Schließlich wird das Hinzuschalten eines zweiten Spielers während der Kampagne auch als Koop bezeichnet. Aber hier ist was anderes gemeint. Denn es wurden ganze drei extra Koop-Missionen für zwei Spieler integriert, deren Spieldauer zusammen etwa 15 Minuten beträgt. Respekt, ganz schön Abend füllend. Immerhin sind die Missionen recht unterschiedlich. Bei „Heckenschütze“ übernimmt ein Spieler das Steuern des Fahrzeuges, während der Freund mit einer Schusswaffe die Polizei ausschaltet. Bei „Zahltag“ wird der Bildschirm gesplittet, jeder steuert ein Fahrzeug und gemeinsam gilt es einen Geldtransporter bis zu dessen Ziel möglichst oft zu rammen. Der einzige Wiederspielwert bei den Koop-Missionen soll im Verbessern des Highscores liegen. Wirklich motivierend ist das nicht.

 

Im „Party-Spiel“ können bis zu vier Spieler gleichzeitig antreten. Hier gilt es in fünf verschiedenen Modi in zumeist sehr einfach und öde gestalteten Arenen bestimmte Aufgaben schneller zu erledigen als die Mitspieler. Ganz lustig ist dabei noch „Die Flagge erobern“, quasi ein Capture The Flag mit Autos. Alle Fahrer starten an unterschiedlichen Startpunkten in einem Stadtviertel. Nun erscheint zufällig auf der Karte irgendwo das Symbol für die Flagge. Sofort brettern alle Spieler drauf los, um als erstes die Flagge zu erreichen und diese am besten auch noch zum Zielgebiet zu fahren, um zu punkten. Aber natürlich könnt ihr dem Fahnenträger sein Mitbringsel auch abnehmen, indem ihr sein Auto rammt.

 

Auch in den anderen Versionen enthalten ist „Räuber und Gendarm“. Hier übernimmt ein Spieler die Rolle des Verbrechers, während die anderen Polizeiautos kontrollieren. Der Verbrecher muss nun versuchen die Polizei abzuschütteln, während die Gesetzeshüter den Gangster stellen müssen. Im Prinzip sehr spaßig, wenn es auch hier nicht nur drei Strecken gäbe.

 

Schaut man sich den Multiplayer genauer an, so ist das Gesamtpaket doch sehr enttäuschend. Dabei sind die Ideen da und auch die Anzahl der Modi stimmt. Aber was nutzt das alles, wenn es zu wenige Arenen und Strecken gibt. Hinzu kommen eklatante technische Schwächen. Sieht das Spiel im Einzelspielermodus schon nicht gerade toll aus, wird es im geteilten Bildschirm so richtig hässlich. Ein fehlender Onlinemodus trägt zum eher negativen Gesamtbild bei.

 

 

Die audiovisuelle Umsetzung

 

Wo wir doch schon bei Thema wären. Driver für Wii bietet etwas Licht, aber vor allem verdammt viel Schatten. Auf der Sonnenseite stehen eine große, frei befahrbare Stadt, ein gutes Geschwindigkeitsgefühl, zerstörbare Mülltonnen, Laternen etc., ein reger Verkehr auf den Straßen sowie ansehnliche Fahrzeuge mit einem brauchbaren Schadensmodell. Aber wenn man sich die Grafik anschaut, wirkt das Gebotene dennoch wie ein schlechter Witz. Die Texturen sind matschig, die meisten Objekte sehr kantig, eine fortwährende Nebelsuppe am Horizont soll wohl ins Bild ploppende Grafiken verstecken, was aber nicht im geringsten gelingt. Geht dann mal so richtig viel auf dem Bildschirm ab, verabschiedet sich noch die Bildwiederholungsrate und somit auch das Geschwindigkeitsgefühl.

 

Am Sound und Musik gibt es nicht allzu viel zu meckern, wenn auch beides nicht sonderlich spektakulär erscheint. Die Charaktere wurden ganz anhörbar mit deutscher Sprachausgabe synchronisiert und der zum Teil lizenzierte Soundtrack geht ins Ohr, ohne irgendwelchen bleibenden Eindruck zu hinterlassen.

 

 

Die Meckerecke

 

Eigentlich kann ich mir diesen Absatz sparen, habe ich doch zuvor schon ausführlich gemeckert. Zusammenfassend kann man sagen, dass das Spiel vor allem an Monotonie, schwacher Technik und fehlenden Features im Vergleich zu den HD-Versionen krankt.

 

 

Wir danken Ubisoft für die Bereitstellung des Testmusters!


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Fazit

Nachdem ihr den Test hoffentlich gelesen habt, könntet ihr den Eindruck bekommen, dass Driver: San Francisco für Wii eine absolute Vollgurke geworden ist. Ganz so ist es nicht: Die Spielmechanik funktioniert und dank der großen, befahrbaren Stadt und dem guten Geschwindigkeitsgefühl kommt zeitweise tatsächlich Freude auf. Doch eine ganze Fülle an Mängel verhindern letztendlich, dass das Spiel in einen guten Wertungsbereich vordringt. Wer auf das Genre steht und nur eine Wii besitzt, kann durchaus einen Blick riskieren. Alle anderen greifen zur HD-Version für die anderen Konsolen.

Grafik

schwach

Sound

ok

Steuerung

ok

Spielspaß

ok

69%

Singleplayer

65%

Multiplayer

Release

01.09.2011

Developer

Reflections

Publisher

Ubisoft

USK Freigabe

12+

Anzahl Spieler (Lokal)

1-4


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