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Reviews: Nintendo Wii

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NBA Jam

Sport

20.10.2011

Autor: Michael Lehmenkühler

 

 

Lange hat man drauf gewartet: BOOMSHAKALAKA

 

Verrückte Dinge geschehen in der Welt des Basketballs im Jahre 2011. Erst stampft Dirk Nowitzki mit seinen Dallas Mavericks die damals amtierenden Champs aus Los Angeles unangespitzt und fast schon unverschämt einfach in den Boden, um einige Wochen später dann auch noch ohne die ganz große Anstrengung den NBA Titel nach Texas zu holen. Basketball boomte daraufhin auch in Deutschland, die Europameisterschaft wurde mit erhöhtem Interesse verfolgt und in Würzburg ist man wohl immer noch stolz wie Oskar auf Dirkules. Aber aktuell macht sich eine ganz fette Frustration unter den Basketballfans in aller Welt breit, denn die NBA befindet sich im „Lockout“. Ein Streit um die Gehälter ohne absehbare Einigung – der Saisonstart wurde jedenfalls schon mal abgesagt und ob die kommende Spielzeit überhaupt irgendwann noch mal an den Start gehen wird... das steht in den Sternen und man kann als Fan nur hoffen.

 

Wenn das nicht mal der richtige Anlass ist, um sich die Wartezeit mit NBA-Videospielen zu verkürzen! Wem NBA 2k zu bieder und simulationslastig ist, der kann hier mal einen Blick auf das im Januar erschienene NBA Jam werfen – eine Hommage an spaßige 16bit-Tage und die Wiedergeburt eines Klassikers. So war der Titel damals unter anderem auf dem Super Nintendo eine absolute Spielspaßgranate und bot Arcade-Basketball vom Allerfeinsten. Fans lechzten nach einer Neuauflage und bekamen sie nun endlich. Und man kann sagen: Der allergrößte Oberburner der Welt ist NBA Jam im Jahre 2011 nicht mehr, aber ein absolut spaßiges Spiel, das sich an die Tugenden des Originals hält und ein würdiger Vertreter der Reihe ist.

 

Für alle, die den Klassiker nicht kennen... (Setzen, Sechs!)

 

Wie kann man NBA Jam am einfachsten beschreiben? 2on2-Basketball, bei dem der Realismus auf der Ersatzbank sitzt. So fliegen hier die Athleten durch die Gegend und lassen Slamdunks vom Allerfeinsten vom Stapel, Regeln gibt es außer wenigen Ausnahmen wie ‚Goaltending’ keine. Wem der Sensations-Rookie Blake Griffin von den Los Angeles Clippers ein Begriff ist, kann sich vorstellen, was man erwarten kann – im Spiel natürlich noch mal total auf die Spitze getrieben. Jedoch muss ich sagen, dass es die Entwickler noch mehr hätten übertreiben sollen. In manchen Momenten wirkt es trotz alledem immer noch ein Stück weit zu „realistisch“. Vieles ist extrem, aber ich würde es mir in Zukunft NOCH extremer wünschen, damit das Spiel NOCH mehr „over the top“ ist.

 

Womit kann man sich in NBA Jam die Zeit vertreiben? Ich muss sagen, NBA Jam ist in allererster Linie ein Mehrspielertitel. Für mich das typische Spiel, was ich einlegen würde, wenn ich Abends Kumpels zu Besuch habe – vier Spieler, ein Monatsvorrat Chips und Cola und ab dafür. Ein solcher Abend würde jedoch auch mindestens noch ein zweites Spiel benötigen, denn NBA Jam ist kein Spiel, was sich für sehr lange Sessions empfiehlt, da die Luft bei dem hohen Spieltempo nach einigen Partien oft erstmal raus ist. Und das trotz der Vielzahl an Spielmodi, auf die ich gleich noch eingehen werde. NBA Jam ist ein Mehrspielertitel vom Feinsten, aber einen ganzen Abend würde ich mit dem Spiel nicht füllen können. Es ist halt das ideale Spiel für zwischendurch, was es umso schmerzhafter macht, dass die Wii-Fassung einfach mal gar keinen Online-Modus bietet. Somit wird dem Spiel im Mehrspielerbereich einiges an Potential geraubt und ich musste deshalb doch eine gute Hand voll Prozentpunkte abziehen.

 

NBA meets Street Fighter, Battlefield, Smash Bros. etc...

 

Im Vergleich zum Original bietet der Titel jedoch mehr Möglichkeiten. Die Entwickler haben durchaus Kreativität bewiesen, aber nicht alle Spielmodi sind ihnen großartig gelungen. Da wäre erst einmal eine Art „Basketball-Beat ’em Up“, bei dem jede Mannschaft eine Energieleiste hat. Durch kräftige Dunkings versucht man also, die Leiste des Anderen zu dezimieren, bis dann letztendlich das Glas des gegnerischen Korbs bricht. Ganz witzig, aber nix, was man sonderlich oft spielen dürfte. Ziemlich misslungen finde ich hingegen den Modus, in welchem Items ins Spiel kommen, welche die Spieler beispielsweise schrumpfen lassen. Hier ist der Einfluss der Items einfach teilweise zu gering, bei manchen bemerke ich bis heute nicht so recht, was sie mir überhaupt bringen. Ganz cool ist ein Modus, der mich irgendwie an Battlefield erinnert. Hier hat man auf dem Spielfeld einige Kontrollpunkte, die man durch gezielte Würfe oder Dunks für sein Team sichern muss. Dadurch verliert der Gegner an Punkten, je mehr Zonen man kontrolliert, desto schneller leert sich sein Punktestand. Doch bei allen Varianten muss man sagen: Das eigentliche Spiel an sich ist immer noch am spaßigsten.

 

Primär an Einzelspieler richten sich spezielle Challenges und vor allem der Kampagnenmodus, bei welchem man jedoch im Prinzip nur ein Team nach dem anderen besiegen muss. Mit einem Kumpel im Koop ist dies zum Glück interessanter. Für Langzeitmotivation sollen diverse Achievements sorgen. Dies ist ein löblicher Ansatz, der aber auf der Wii aus Mangel an Gamerscore-Punkten nicht ganz so motivierend ist wie wohl auf der Xbox 360. Ja, irgendwie sind Gamerscore-Punkte ein total billiges Konzept, aber ich finde es persönlich unfassbar motivierend. Der Wii-Fassung geht dieses Feature logischerweise leider ab. Mit einer Sache haben die Entwickler aber jedoch tatsächlich auch für Einzelspieler einen soliden Batzen an Langzeitmotivation geschaffen: Es gibt unheimlich viele Spieler zum Freischalten. Und nicht nur Legenden wie Patrick Ewing oder Dennis Rodman, sogar auch Musiker oder Politiker. Ich will keine Namen nennen, weil ich damit die Spannung nehmen würde. An sich hätte ich den Einzelspieler nach zwei Stunden wohl zur Seite gelegt, durch die vielen Extras konnten die Entwickler aber noch einige Stunden mehr aus mir rauskitzeln. So ist es also primär ein Spiel für zwischendurch, aber besonders sammelwütige Zocker lassen sich vielleicht auch mal länger an die Konsole fesseln.

 

Technical Foul or not?

 

Optisch wirkt der Titel wie eine aufgemotzte Version des Originals. Grundsolide 2D-Optik, die natürlich niemanden in irgendeiner Form beeindruckt, aber ich wüsste nicht, wie man das Spiel großartig anders gestalten sollte. Sicher alles andere als eine Offenbarung, aber total zweckmäßig. Im akustischen Bereich ist eigentlich nur die Frage nach dem Kommentator wirklich relevant. Und ja, ich kann die Fans von früher beruhigen: Tim Kitzrow, der Kommentator des Klassikers, ist auch hier von der Partie und macht einen gewohnt soliden Job mit seinen Ansagen. Ganz den Charme des Originals erreicht er für mich persönlich aber irgendwie nicht, ich kann es nur schwer auf den Nenner bringen, warum. Aber wenn er teilweise nach fünf Sekunden schon „BOOMSHAKALAKA“ brüllt, wirkt das für mich stellenweise alles ein klein wenig gezwungen... kann aber auch nur ein subjektives Empfinden von mir sein, der Kerl macht einen durchaus guten Job!

 

Steuerungstechnisch ist lobenswert, dass der Titel alle Wiimote-Möglichkeiten nutzt, die auch ganz gut funktionieren. Aus Nostalgiegründen nutze ich selbstverständlich den Classic Controller, den ich auch insgesamt empfehlen würde. Die simple Bewegungssteuerung ist zwar sicher auch nicht so verkehrt, aber der Classic Controller dürfte insgesamt doch die beste Option sein. Hier muss ich jedoch ganz klar bemängeln, dass man die Tasten nicht frei belegen kann. Mit dem vorgegebenen Schema ist es nämlich ziemlich schwierig, dem Computerpartner zu sagen, dass er auf den Korb werfen soll, weil die jeweilige Taste völlig unnötig mit mehreren Funktionen belegt ist. Eine frei konfigurierbare Steuerung wäre ein klarer Pluspunkt gewesen. Insgesamt sind alle Steuerungsvarianten durchaus gut gelungen.


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Fazit

Unterm Strich muss ich noch mal betonen, dass NBA Jam ein total kurzweiliges Spiel für zwischendurch ist, was sich in allererster Linie an Freunde des gepflegten Multiplayer wendet. Dem Spiel fehlt in allererster Linie ein Online-Modus. Auch Kader-Updates vermisst man – die Kader waren teilweise schon zum Release nicht mehr aktuell bei dem häufigen Wechselspiel in der NBA! Ansonsten ist der Titel in fast allen Belangen recht gut gelungen und dürfte sowohl Retrofans, als auch Neulingen Spaß machen. Der Charme des Originals wird zwar nicht ganz eingefangen, das ist aber schon Meckern auf hohem Niveau. Das vielleicht Beste an NBA Jam ist: Man muss nicht einmal unbedingt Basketballfan sein, um Gefallen an dem Arcade-Spaß zu finden! So dürfte geselligen Runden wenig im Wege stehen!

Grafik

ok

Sound

gut

Steuerung

gut

Spielspaß

gut

75%

Singleplayer

85%

Multiplayer

Release

20.01.2011

Developer

Electronic Arts

Publisher

Electronic Arts

USK Freigabe

ohne Altersbeschränkung

Anzahl Spieler (Lokal)

1-4


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