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Reviews: Nintendo Wii

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X-Men Destiny

Action

07.11.2011

Autor: Lukas Strübig

 

 

Knapp dem Tode entronnen

 

Dass X-Men Destiny dem Entwicklerstudio Silicon Knights beinahe das Genick gebrochen hat, ist wohl bekannt. Das Studio stand kurz vor dem Kollaps und musste letztendlich rund 40 Mitarbeiter entlassen, um weiterhin bestehen zu können. Dass X-Men Destiny kein gutes Spiel ist, stelle ich hier mal nicht aufgrund dramaturgischer Zwecke in Frage, doch wie schlecht muss ein Spiel sein, damit es den Entwicklern des damals so genialen Eternal Darkness einen so schnellen und so herben Schlag verpassen konnte?

 

 

Was bisher geschah

 

Professor X ist tot, die X-Men zerschlagen und die Bruderschaft verschwunden. Die Schule für Mutanten musste aufgrund der Purifier Bewegung geschlossen werden, da sie sonst ein zu leichtes Ziel für die Anti-Mutanten Schlägertrupps darstellt. Als sich Cyclops um eine bessere Verständigung mit den Menschen bemüht, erschüttert ein Erdbeben die Stadt und alles zerfällt in Anarchie.

 

Dieses dunkle Szenario stellt einen vielversprechenden Start für X-Men Destiny dar, da ein solches Desaster die Anspannung zwischen Mutanten und "normalen" Menschen erneut auf die Probe stellt. Wird es zum Krieg kommen oder kann doch noch ein Konsens gefunden werden?

 

In X-Men Destiny hat der Spieler nun die Entscheidung, eine von drei Rollen auszuwählen, die alle zufällig während des Erdbebens ihre Mutanten-Kräfte entdecken. Diese Figuren sind sehr viel interessanter als der Hauptcharakter der DS Version, denn sie sind besser in die Handlung eingeflochten. So versucht die Japanerin Aimi etwas über ihre Eltern heraus zu finden, die sie alleine nach Amerika geschickt haben während Adrian im Purifier Kult aufgewachsen ist und sich nun im Kampf gegen seine ehemaligen Kollegen wiederfindet.

 

Leider sind die Kräfte hier nicht interessanter als auf dem DS, so hat man neben der typischen magischen Faust, der Standardattacke von Videospielfiguren, auch magische Blitze und Steinfäuste. Im Gameplay unterscheiden sich diese Kräfte kaum. Vor allem sind sie deshalb so uninteressant, weil sie einfach nicht dem Schema einer X-Men Kraft entsprechen. So ist für jeden Mutanten in X-Men seine Fähigkeit gleichzeitig Segen und Fluch und er muss erst lernen mit ihr umzugehen. Im Spiel merkt man davon überhaupt nichts.

 

Die Handlung selbst nutzt dabei ihr Potential auch nicht aus. Recht schnell wird klar, wer die Bösen sind und was für Motive sie haben, die Entscheidungen, die man als Spieler in dieser Handlung treffen muss, stellen einen also nicht vor moralische Dilemma. Zwar ändern sie die Handlung minimal, da diese aber nur aus, zugegeben recht guten, Dialogen besteht, die man aufgrund der schlechten Soundabmischung akustisch eh kaum versteht, ist das kein starker Pluspunkt des Spiels. Wer dann noch ein Problem mit der englischen Sprache hat, ist komplett aufgeschmissen, denn X-Men Destiny wurde kein bisschen lokalisiert, vom Hauptmenü bis zu den Dialogen ist alles auf Englisch, Untertitel gibt es auch keine. Für einen so großen Publisher wie Activision ist das sehr peinlich.

 

 

Der geheime Konkurrent

 

"Macht mir einen Batman Killer!"

So oder so ähnlich muss sich der Auftrag für Silicon Knights angehört haben, kurz bevor sich der Activision Angestellte noch einmal umdrehte und hinzu fügte: "Achja, und er darf uns nichts kosten."

 

X-Men Destiny stellt eines von Marvels "Was wenn..." Szenarien dar: Was wenn Remendy weder das Geld, noch großartig Bock gehabt hätte, Batman Arkham City zu entwickeln.

 

Die Parallelen sind deutlich da: Das Kampfsystem ist das ähnliche in-alle-Richtungen-austeilen Prinzip, nur eben ohne die Raffinesse mit der der dunkle Ritter aufwarten kann. Kletterpassagen gibt es natürlich auch, diese wurden allerdings schlecht von Prince of Persia geklaut und stellen trotzdem noch das Highlight es Spiels dar. Denn es ist verdammt repetitiv.

 

Die Kräfte der eigenen Figur entwickeln sich zwar im Laufe des Spiels weiter, dennoch ändert das irgendwie nichts am Kampfverhalten des Spielers, da es einfach die schnellere und sichere Methode ist, in einer Konfliktsituation den A-Knopf zu maltretieren. Abwechslung gibt es dabei gar keine, man läuft, dann kämpft man, dann klettert man, dann läuft man wieder, dann schlägt man eine Wand kaputt, dann klettert man wieder, dann kämpft man wieder.

 

Die Entscheidungen, die der Spieler im Laufe des Spiels treffen muss, wirken dabei extrem aufgesetzt. So hat man zum Beispiel die Wahl, ob man Geiseln rettet oder ob man sie einfach sterben lässt, um eine bedeutungslose Gruppe von Purifiern zu verfolgen. Ja, wenn man nicht gerade Immanuel Kants Sammelwerk zur Hand hat, ist diese Entscheidung bestimmt verdammt schwer.

 

Die Wahl wirkt sich dann aber tatsächlich aufs Gameplay auf! Der Levelschlauch wird gespalten und man sieht einen anderen Levelabschnitt, kurz bevor man, ca. zwei Minuten später, wieder auf den Standardpfad zurück geholt wird. Und da sage ich das mal ganz deutlich: In Call of Duty hat man mehr Einfluss auf das Leveldesign und die Spiele machen darüber kein großes Fass auf.

 

Die Bossgegner sind dann der Gipfel des veralteten und schlechten Game-Designs: Sie sind zu schwer, und das aus den falschen Gründen. So haben die Endgegner genug Möglichkeiten, die Spielfigur für gut eine Sekunde auf den Boden zu werfen und gleich eine extrem starke Attacke nachzuschieben. Während der Spieler keine Chance hat, im Bosskampf etwas von seiner verlorenen Lebensenergie wieder herzustellen, kann der Gegner einfach wann er will eine kurze Auszeit nehmen um eben dies zu tun. Und wir müssen dabei zusehen.

 

Unsere News, dass Silicon Knights 40 Mitarbeiter entlassen musste, kommentierte unser User Galactus mit "jau, das sind die 40 Leute die man für X-men eingestellt hat". Und genau das will ich für das Entwicklerstudio hoffen, denn damit hätten sie sich nur das faule Fleisch vom Körper geschnitten.

 

 

Die Optik

 

In diesem Punkt schießt X-Men Destiny endgültig den Vogel ab. Erinnert ihr euch an die Post Wind Waker Era? Diese kurze Zeit, in der viele Entwickler Cel Shading nutzten um die damals noch mindere Textur Qualität zu kaschieren. Nun, X-Men Destiny erinnert genau an diese Zeit, mit dem Unterschied, dass diese Texturen so unsauber sind, dass sie einfach nicht mehr kaschiert werden können. Die Umgebung ist detailarm und bietet wenig Abwechslung, sieht darüber hinaus auch einfach nicht aus wie eine zerstörte Stadt, sondern eher wie eine Höhle auf dem Planeten Mars.

 

Die Animationen sind nicht sehr flüssig, so weit man das beurteilen kann, aber dazu komme ich später. Die Charakter Modelle sind grob und schlecht designt, mit Texturen die das N64 gestemmt hätte, die Gesichter zeigen keine Emotionen, die Lippen bewegen sich nicht und das Ganze läuft mit einer Framerate von vielleicht 20 FPS wenn gar nichts passiert, sinkt auf 10 FPS ab wenn Gegner auf dem Bildschirm erscheinen und verwandelt sich in eine Diashow wenn sich dazu noch freundliche KI in die Handlung bequemt. Ich glaube, dazu muss man nicht mehr viel sagen. Ich habe noch nie ein grafisch so verranztes Wii Spiel gespielt.

 

 

Vielen Dank an Activision für die Bereitstellung eines Testmusters.


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Fazit

X-Men Destiny ist eine komplette Katastrophe. Es ist in der Tat verwunderlich, dass Silicon Knights dieses Desaster überstanden hat. Ein Spiel von so geringer Qualität hat vielen Studios nicht nur das Genick gebrochen, es hat sie schlichtweg geköpft. Die Story nutzt nicht im Geringsten ihr Potential, das allgemeine Gameplay ist langweilig und frustrierend und die Grafik gehört zu dem schlechtesten, was man auf der Wii finden kann. "Es muss erst ganz schlimm werden, bevor es sich bessert." Sollte dieser Spruch stimmen, so müsste Silicon Knights jetzt am besten Spiel aller Zeiten sitzen, denn X-Men Destiny ist nicht nur schlimm, es ist schrecklich.

Grafik

sch...

Sound

schwach

Steuerung

ok

Spielspaß

sch...

26%

Singleplayer

-

Multiplayer

Release

30.9.2011

Developer

Silicon Knights

Publisher

Activision

USK Freigabe

12+

Anzahl Spieler (Lokal)

1


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