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Reviews: Nintendo Wii

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Pro Evolution Soccer 2012

Sport

23.12.2011

Autor: Tim-Jannes Liese

 

 

Konkurrenz belebt bekanntlich das Geschäft. So gab es früher viele Spiele-Reihen, die sich regelmäßig um die Krone innerhalb ihres Genres stritten, wie zum Beispiel Warcraft und Starcraft im Bereich Fantasy-Echtzeit-Strategiespiele und so gibt es auch heute erbitterte Konkurrenten, wie Battlefield und Call of Duty und eben auch FIFA von Electronic Arts und Pro Evolution Soccer (kurz PES) von Konami. Um Ersteres soll es aber in diesem Bericht nicht gehen, sondern wir betrachten heute PES 2012 völlig eigenständig und unbelastet.

 

PES 2012 oder im Original genannt ''World Soccer: Winning Eleven 2012'', erschien im Oktober diesen Jahres auf der PS3, der Xbox 360 und dem PC. Später im Oktober folgten die Versionen für PlayStation Portable und PS2. Die Version für die Wii, um die es in diesem Bericht gehen soll, kam erst am 4. November heraus. Wurden wir Nintendo Liebhaber etwa mit einer nachgeschobenen, halbherzig programmierten Version abgespeist, um auch uns noch ein paar Euros aus der Tasche zu ziehen? Jeder Euro zählt im Kampf gegen EA, richtig? Aber darf man gerade von Konami nicht etwas mehr Treue zu Nintendo erwarten, so dass sich das Warten vielleicht doch mit einer Wii spezifischen Steuerung bezahlt macht ?

 

 

Viele Neuerungen... der Schliff macht es aus.

 

Seit PES 2007 bemüht sich Konami verschärft um ein neues Spielgefühl. Das Ziel ist es, soviel von der Mannschaft kontrollieren zu können wie möglich. Vergessen sind Spiele, in denen man nur den bestmöglichen Star zu wählen und mit jenem durch die Abwehr zu dribbeln braucht. Stattdessen gewinnt derjenige, der seine gesamte Mannschaft am besten im Griff hat und die größte Übersicht nachweisen kann. Aber die ersten Schritte waren unausgereift und so wies sogar PES 2011 noch einige Probleme auf, die am Ende für ein gemischtes Spielerlebnis gesorgt haben.

 

Jetzt wollte Konami aus den alten Fehlern lernen. Zwölf Monate lang konnte am neuen System gefeilt werden und so bleibt Christiano Ronaldo statt Messi auf dem Cover nicht die einzige Innovation.

 

 

Nichts für Casual Spieler – Der Spaß muss verdient werden!

 

An dieser Stelle möchte ich etwas vorweg greifen: PES 2012 hat die bisher beste Steuerung und somit das beste Gameplay, dass ich bisher in einem Fußball Spiel erleben durfte. Aber um zu erklären wieso, bedarf es einiger Worte.

 

Zunächst muss erwähnt werden, dass man sehr viele Optionen hat, was eben diese Steuerung angeht. Man kann klassisch wählen, was einem den Classic Controller oder die Wii Remote in Seit-Lage als Device vorschreibt. Hier empfehle ich stark den Classic Controller. Nun kann man mit jeweils einem Spieler los flitzen, ein paar Pässe spielen und um sich ballern, wie man es die letzte Dekade schon getan hat. Wählt man eine starke Mannschaft, nutzt somit die Star-Spieler und stellt den Schwierigkeitsgrad auf Anfänger oder Amateur, so wird man seinen Spaß haben und einige kleinere Mannschaften mit einem guten Ergebnis nach Hause schicken.

 

Aber Gelegenheitsspieler werden schnell merken, dass die Intelligenz des Computers nicht so banal ist wie gewohnt. Spätestens ab einem vernünftigen Schwierigkeitsgrad wird man gezwungen, systematisch voranzugehen. Da dies aber in dieser Steuerungsoption nur bedingt ermöglicht wird, fühlt sich das Spiel nicht flüssig und belohnend an.

 

Als ehrgeiziger Spieler wird man also zügig, wenn nicht im Vorwege schon getan, die freie Steuerung mit Wii Remote und Nunchuk wählen. Aber wie man schnell feststellen wird, hat völlige Kontrolle ihren Preis. Man ist zunächst völlig überfordert. So kann man jetzt seinen Spieler steuern, mit diesem laufen, dribbeln, passen, schießen, lupfen... Man kann einen zweiten Spieler auf der Remote parallel steuern, um ihn an die richtige Stelle zu dirigieren. Man kann mit der Remote auf dem Bildschirm genau anzeigen, welchem Spieler man welche Art von Pass wohin spielen möchte, ob der Spieler dorthin sprinten oder sich langsam während der eigenen Bewegung dorthin schleichen soll. Auch kann man seinen anderen Spielern Befehle erteilen, die sie nachwirkend ausführen und so praktisch ganze Spielzüge vorbereiten. Klingt verwirrend, und genau das ist es am Anfang auch. Man hat zu Beginn einfach nicht genug Übersicht und Ruhe, um soviel gleichzeitig zu steuern.

 

Blickt man zurück auf PES 2011, so ist ganz klar zu erkennen, dass sämtliche Neuerungen des Spiels, die 360° Steuerung und das neue manuelle Pass System jetzt einwandfrei funktionieren. Läuft was schief, weiß man genau, was man falsch gemacht hat und man kann keinen Spielfehlern oder Mängeln die Schuld zuweisen.

 

 

An der Hand genommen lernt es sich leichter!

 

Aber Hetzen ist ja auch nicht erforderlich - im Gegenteil. Das Spiel bietet sehr schön gestaltete und informative Tutorials, die einen gut auf die bevorstehenden Aufgaben vorbereiten, ohne das Ganze zu übertreiben. Knackig und auf den Punkt gebracht hat man die Tutorials in einigen Minuten durch. Man kann weitere Tutorials absolvieren, um noch mehr Feinheiten und Kniffe der neuen Steuerung zu üben, was ich auch empfehle.

 

Was auch erwähnenswert ist, ist dass man Unterstützung aktivieren kann. So korrigiert dein System etwaige Fehlpässe oder ungenaue Kommandos, was Laufwege angeht, je nach eingestellter Stufe. So kann man sich wirklich Stück für Stück an das neue System gewöhnen.

 

 

Ein Spiel gewinnt man in der Abwehr!

 

War der Angriff schon gewöhnungsbedürftig, so wird man sich in der Abwehr auch umstellen müssen. Man kann jeden Spieler zu jederzeit befehligen und somit sein Stellungsspiel komplett steuern. So hat man die Option, einen oder mehrere Verteidiger auf Angreifer anzusetzen. Diese attackieren dann den Gegner oder sie betreiben Manndeckung. Auf Befehl können die Verteidiger auch Pässe des Gegners abfangen und kontern. Aber all diese Aktionen passieren auf Kommando des Spielers.

 

Von sich aus, betreibt deine Mannschaft ein eher mittelmäßiges Abwehrspiel. Will man den Ball erobern, muss man das selber tun. Aber nicht zu stürmisch, denn was Grätschen angeht, so ist das Spiel sehr realistisch veranlagt. Schiedsrichter pfeifen ungenaue und unfaire Grätschen rigoros und auch Karten werden mit Recht verteilt. So ist man angehalten, es auch in der Abwehr sehr viel langsamer und kontrollierter angehen zu lassen, da wildes Tackeln eher einem selbst schadet, als dem Gegner.

 

 

Es ist noch kein Meister vom Himmel gefallen!

 

Schlussendlich fordert PES 2012 Geduld. Nimmt man sich die Zeit und lernt mit der umfangreichen und komplexen Steuerung umzugehen, so wird man mit der wohl intuitivsten und genausten Kontrolle belohnt, die es je in einem Fußball Spiel gab.

Zusätzlich fördert der Lernprozess den langfristigen Spielspaß, da man auch nach unzähligen Spielen oder Meisterschaften noch neue Wege findet, tolle Kombinationen oder Spielzüge auszuprobieren.

 

 

Die Nintendo Wii... die alte Dame!

 

Grafisch muss man ganz klar Abstriche machen. Bei kaum einem Spiel fand ich es bisher so schade, dass ich die Wii Version ansehen musste. Die Fussballer sehen alle sehr einheitlich aus, selbst Stars sind im Spiel nicht zu identifizieren und nur in Ruhebildern, wie etwa der Mannschaftsaufstellung, auszumachen.

 

Die Grafik ist nicht unbedingt störend, aber im heutigen Zeitalter wünscht man sich gerade bei Fußball Spielen doch etwas mehr Detail. Neidische Blicke auf die PC Version oder die Konsolen der Konkurrenz bleiben also leider nicht aus.

 

 

Mehr ist manchmal eben doch mehr!

 

Musikalisch war ich eher enttäuscht. In Erinnerung geblieben sind mir drei verschiedene Songs, die immer und immer wieder die Menüs und Pausen Bildschirme untermalten. Nach einer Weile spielt man das Spiel lieber stumm. Auch die Kommentatoren könnten einige Sprüche mehr gut gebrauchen. Wolf Fuß und Hansi Küpper machen zwar einen guten Job, aber so ein paar Stündchen mehr im Tonstudio wären gut investierte Zeit gewesen.

 

 

Konami legt sich mächtig ins Zeug!

 

Um die Mängel des Spiels wett zu machen, hat Konami sich ordentlich bemüht, dem Spieler unzählige Optionen zu bieten. Angefangen mit den Einstellungen, in denen man Passhilfen einstellen, die Lautstärke sämtlicher Komponenten regeln und die Mannschaft aufs Kleinste verändern kann bis hin zu den Spieloptionen bleibt kein Wunsch unerfüllt. Man kann nicht nur ein schnelles Spiel starten, man kann natürlich auch die Champions League spielen, Meisterschaften, Cups, internationale Turniere und und und.

 

Auch ein netter Aspekt sind die eigenen Teams. Erstellt man sich eine eigene, neue Mannschaft, kann man sie individuell gestalten, seinen Wünschen anpassen, trainieren und mit dem Team aufsteigen. Und wer es ganz persönlich haben möchte, der nutzt seine eigenen Miis als Spieler.

 

Einziger Kritikpunkt bleiben hier fehlende Kameraoptionen, die aber wohl dem neuen Gameplay zum Opfer gefallen sind. Schade, aber verständlich.

 

 

Der Multiplayer rundet das ganze ab!

 

Spielt man das Spiel gegeneinander, so hat man auch hier sämtliche Freiheiten. Jeder Spieler kann sein Team steuern, wie es ihm beliebt. Spätestens hier wird man merken, wie überlegen ein Spieler ist, der sein komplettes Team steuert gegenüber einem, der nur einen Mann kontrolliert.

 

Nutzen beide das neue System, so macht es wesentlich mehr Spaß als gegen einen starken Computer. Chancengleichheit ist hier das Stichwort. Dadurch, dass beide Spieler alles im Blick haben müssen und beide durch die menschliche Bedenkzeit in ihren Reaktionsgeschwindigkeiten eingeschränkt sind, fühlt es sich einfach fairer an und man kann kreativer und gemeiner spielen als gegen einen allwissenden NPC.

 

Online kann man das Spiel auch angehen und hier habe ich keinerlei Mängel feststellen können, abgesehen von Wartezeiten, aber das lag wohl auch an meiner bevorzugten Spielzeit (3.00 Uhr Nachts).

 

 

Fehlende Lizenzen hinterlassen faden Beigeschmack!

 

Wie immer hat Konami nicht alle Lizenzen mit einbringen können. Die UEFA hat zwar alle Rechte an Wettbewerben wie Super Cup und Champions League eingeräumt, man kann sogar Meisterschaften aus anderen Kontinenten spielen und es sind große Ligen dabei, wie die spanische, die italienische, die englische, die französische und die holländische, aber eben nicht die Bundesliga.

 

Die einzigen beiden deutschen Mannschaften sind Bayer 04 Leverkusen und natürlich Bayern München. Bei all den tollen Momenten, dem grandiosen Gameplay und dem spitzen Spielgefühl hat man dadurch ständig nur diesen faden Beigeschmack, dass man doch sooo gerne mit seiner Lieblingsmannschaft spielen würde. Kein Schalke 04, kein SV Werder Bremen... Ach es wäre so schön. Durch das Fehlen der Bundesliga ist natürlich auch keine Meisterschaft möglich und keine ganze Saison in der Bundesliga.

 

 

 

Vielen Dank an Konami für das Testmuster.


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Fazit

PES 2012 ist ein super Fußball Spiel und sehr innovativ dazu. Den Fans ist Realismus in Spielen immer sehr wichtig und PES 2012 ist für mich das bisher realistischste Fußball Spiel. Nicht durch eine perfekte Grafik, die Wii ist nunmal grafisch kein Wundergerät, auch nicht durch Musik oder Story... sondern durch den Mut, eine tolle neue Steuerung voranzutreiben, an die man sich zwar gewöhnen muss, aber die nach Eingewöhnungszeit Spielspaß erzeugt, wie er bisher vor allem auf lange Sicht gesehen nicht bei mir erzeugt werden konnte. Am Ende muss ich noch einmal verdeutlichen, dass man mit PES 2012 kurzweilig Spaß haben kann, dass es sich aber erst so richtig entfaltet, wenn man viele viele Spielstunden in das Erlernen der neuen Steuerung investiert und auf jener Basis beruht auch meine Bewertung. Besonders hoch rechne ich dem Spiel eben jenen Mut an, dieses neue System zu etablieren und gegen den heutigen Trend diejenigen zu belohnen, die offen für Neues sind und es nicht scheuen, für ein tolles Spielgefühl auch mal länger als zehn Minuten zu trainieren.

Grafik

ok

Sound

schwach

Steuerung

super

Spielspaß

super

85%

Singleplayer

90%

Multiplayer

Release

04.11.2011

Developer

Konami

Publisher

Konami

USK Freigabe

ohne Altersbeschränkung

Anzahl Spieler (Lokal)

1-2


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