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Reviews: Nintendo Wii

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Strassen des Glücks

Party

06.01.2012

Autor: Lukas Strübig

 

 

Das Spiel als Spiel

 

Es ist soweit, ich betrete Neuland. Denn nur weil etwas mit einer Grafik-Engine aus Polygonen geformt und dann auf eine DVD gepresst wurde, ist es nicht unbedingt sofort ein Videospiel und fällt somit in den Bereich meiner Expertise. Strassen des Glücks bleibt ein Brettspiel, auch wenn Mario und Luigi über die Felder tänzeln und das Würfelrollen mit einem Knopfdruck geschieht. Und bei einem Brettspiel liegt die Gewichtung von Spielspaß ein bisschen anders, nicht umsonst werden sie im Volksmund als "Gesellschaftsspiele" bezeichnet.

 

Strassen des Glücks ist dabei eine japanische Version von Monopoly, ist an manchen stellen jedoch einfacher, dafür woanders komplexer. Am Ende geht es aber nur um eines: Geld!

 

 

Mario erklärt den Kapitalismus

 

Dabei könnte ich jetzt schon mit einem langen Essay über den Namen dieses Spiels anfangen. Ist Geld wirklich mit Glück gleichzusetzen? Hier schon, und zwar rigoros, gegen alle Regeln der Freundschaft, der Ehre und der Moral. Nur wer alle anderen abzockt, kann am Ende als Sieger hervor gehen, die Bank gibt einem hier seltener als in der Realität Geld, das gar nicht existiert. Jeder Spieler startet mit einem Startbetrag an Bargeld und einem Vermögen. Dieses Vermögen gilt es, auf ein gewisses Niveau zu bringen, hat man dies geschafft ist das Spiel vorbei.

 

Das Bargeld wird gebraucht, um Läden zu kaufen, die den Mitspielern das Geld aus der Tasche ziehen, wenn sie auf ihnen landen. Kauft man viele Läden im gleichen Bezirk, steigern diese ihren Umsatz und wachsen; umso mehr, wenn man mehrere Läden direkt nebeneinander kauft. Eine hohe Dichte an Läden kann somit essenziell werden, ist es aber nicht, denn wer sein Geld in die Läden investiert, die er bereits hat, statt neue zu kaufen, kann bei einer günstigen Lage mehr verdienen. Und über die Lage der Läden sollte man sich tatsächlich Gedanken machen, denn auf manchen Spielfeldern gibt es tatsächlich Bezirke, die nur sehr selten von Spielern betreten werden müssen. Viele, kleinere Läden zu haben, kann auch zu Verlust führen, denn andere Spieler können schon gekaufte Läden einfach zum fünffachen Preis ersteigern, und der vorherige Besitzer sieht davon keine Münze.

 

Wer das Pech hat, keinen Laden mehr abbekommen zu haben, ist trotzdem nicht verloren, denn er kann von dem Erfolg seiner Mitspieler noch mehr profitieren, bevor er sie eiskalt abserviert. Dafür bedient er sich den Instrumenten des Bösen: Aktien. Zu jedem Bezirk kann man Aktien erstehen, die einem Gewinn einfahren, wenn der Bezirk im Wachstum zunimmt, jedoch auch Verlust beschert, wenn die Läden in diesem Bezirk stagnieren. Die Aktien sind der wahre Weg zum Erfolg auf den Strassen des Glücks, daher ist es doch recht merkwürdig, dass diese bei den sogenannten "Vereinfachten Regeln" fehlen. Denn ohne sie ist das Spiel zäh und langweilig, wirklich viele Aktionsfelder mit Ereigniskarten gibt es nämlich auf keinem Brett und selbst diese sorgen für wenig Zerstreuung.

 

 

Mario Party plus Monopoly?

 

Lasst euch nicht von der netten Aufmachen täuschen: Trotz dem Auftritt des allseits beliebten Klempners und seinen Freunden, die darauf beharren, die Helden aus Dragon Quest abzuzocken, hat dieses Spiel nichts mit Mario Party gemeinsam. Es gibt keinerlei Minispiele und wer es genießt, vom Schicksal gebeutelt zu werden bis er um Gnade Winselt wird als Erster bemerken, wie sehr man in Strassen des Glücks die Lage unter Kontrolle hat.

 

Vor Allem die Inszenierung ist nicht auf Mario-Niveau: Die Spielbretter an sich bestehen nur aus den einzelnen, aneinander gereihten Feldern, die über einem zwar hübschen aber sonst belanglosen Hintergrund schweben. Die Musik wiederholt sich zu schnell und ist generell nervig und die Charaktere bleiben die ganze Zeit stumm und nerven als NPCs mit unwitzigen Textboxen, die man glücklicherweise ausschalten kann. Das hat selbst Mario Party 1 besser gekonnt.

 

Dafür besticht Strassen des Glücks mit seinem Umfang: Die eigenen Miis können individuell mit eigener Kleidung und eigenem Benehmen ausgestattet werden. Und die einzelnen Outfits und Gesten sind Zahlreich, einziger Haken: Alles muss man im Single Player freispielen. Und, ich meine, was war nochmal der Grund warum ich ein Brettspiel spiele?

 

 

Das leidige Thema Brettspiel

 

Ja, ich komme darüber nicht hinweg: Warum sollte man ein Brettspiel an der Konsole spielen?

 

Ist nicht das Schöne an einem Brettspiel die Romantik, die damit verbunden ist? Dass man eben nicht auf Elektronik angewiesen ist? Dass man alles selbst ausrechnen muss? Dass man echte Figuren mit seinen echten Händen über ein echtes Feld bewegt? Dass man in der Runde um den Tisch sitzt und seinen Mitspielern in die Augen sieht, ihre Freude, ihre Wut, ihren Erfolg und ihr Scheitern so unmittelbar mit bekommt? Alles das fällt weg, wenn man mit dem Controller in der Hand auf einen Bildschirm starrt. Mario Party nutzt da sein Medium perfekt aus, dieses Spiel nicht. Natürlich ist das Ganze auch eine subjektive Geschmackssache. Aber als ich Strassen des Glücks mit meinen Freunden gespielt habe, hätten wir mit einem echten Brettspiel mehr Spaß gehabt.

 

 

Vielen Dank an Nintendo für die Bereitstellung eines Testmusters.


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Fazit

Strassen des Glücks ist ein nett gestaltetes und Brettspiel, das auf der Konsole eher ausreichend umgesetzt wurde. Ja, die Inszenierung ist langweilig und es ist eine bescheuerte Entscheidung, dass man das meiste allein freispielen muss. Aber ist das Spiel im Endeffekt selbst taktisch anspruchsvoll und spannend, weil es sich selbst zum Ende hin noch einmal drehen kann, und ein scheinbarer Gewinner als Verlierer endet. Wem also ein Spiel wie Mario Party, das mehr auf Glück als auf Geschick setzt, zu anspruchslos ist, hat hier eine gute Alternative gefunden.

Grafik

schwach

Sound

schwach

Steuerung

ok

Spielspaß

ok

61%

Singleplayer

81%

Multiplayer

Release

23.12.2011

Developer

Square Enix

Publisher

Nintendo

USK Freigabe

ohne Altersbeschränkung

Anzahl Spieler (Lokal)

1-4

Anzahl Spieler (Wi-Fi)

1-4


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