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Reviews: Nintendo Wii

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Pandora's Tower

RPG

23.04.2012

Autor: Mario Kablau

 

 

Ich will nicht zum Monster werden!

 

Wir befinden uns in einem fremden Land zu einer unbekannten Zeit. Eine junge Frau singt auf einem großen Platz vor den Menschen und alle jubeln ihr zu. Plötzlich bricht Chaos aus, etwas greift an. Kurze Zeit später rennt ein junger Mann mit der Frau vor den Wachen der Stadt weg. Sie treffen auf eine seltsame, alte Frau, die ihnen Hilfe anbietet. Gemeinsam fliehen sie tagelang, bis sie das vermeintlich sichere Observatorium in der Nähe der mysteriösen 13 Türme erreichen. Während die Zeit vergeht, verändert sich die junge Frau. Ein Fluch hat sie erfasst. Sie wird langsam zu einem schrecklichen Monster.

 

Doch es ist noch nicht aller Tage Abend, das Fleisch der Bestien, die in den 13 Türmen hausen, kann Abhilfe schaffen. Also macht sich der junge Mann in den ersten Turm auf, um dieses Fleisch zu besorgen.

 

Verwirrt? Ja, das Gefühl kenne ich. Denn genau so fängt Pandora’s Tower an. Alles, was man weiß, ist dass Helena, die junge Frau, verflucht wurde und dass Aeron, der junge Mann, sie um jeden Preis retten will. Wie es zu dem Fluch gekommen ist, wer die beiden sind, was auf dem großen Platz passiert ist, wer die komische alte Frau, Mawda, eigentlich ist, was es mit den 13 Türmen und dem Fleisch der Bestien auf sich hat? All das ist anfangs unbekannt.

 

Man selbst schlüpft in die Rolle von Aeron und muss sich durch die 13 Türme kämpfen, um den Fluch aufzuhalten. Aber das alleine genügt nicht, denn das Fleisch von Bestien bremst den Fluch nur, vermag ihn jedoch nicht zu heilen. Das kann nur das Fleisch der 13 Meister, die gilt es also zu besiegen. Helena muss es dann verspeisen und so den Fluch besiegen.

 

Nebenher erfährt man dann nach und nach viele Details der Geschichte und der Wahrheit dahinter. Denn was man anfangs sieht, ist nur ein kleiner Ausschnitt des großen Puzzles, das die beiden zusammen setzen. Ich will da auch gar nicht genauer drauf eingehen, denn mit das Spannendste am Spiel ist es, nach und nach alles zu erfahren.

 

Daher komme ich jetzt schon zum Gameplay, denn hier hat sich Nintendo meiner Meinung nach keinen Gefallen getan, das Spiel mit The Last Story und Xenoblade Chronicles zu vergleichen. Warum?

 

 

Ich bin kein Rollenspiel!

 

Nun, wer eines oder gar beide gespielt hat, der hat einfach falsche Erwartungen. Xenoblade Chronicles ist ein episches und gigantisches Rollenspiel, bei dem man sich alleine mit der Charakterentwicklung Stunden beschäftigen kann. The Last Story ist dagegen schon etwas weniger Rollenspiel, sondern eher Action-orientiert, aber noch mit sehr vielen Einflüssen aus dem Genre. Pandora’s Tower hat dagegen nur ein einziges RPG-Element: Erfahrungspunkte. Punkt!

 

Wenn man sich das Spiel also nun kauft, mit der Erwartung ein episches Rollenspiel zu bekommen, dann wird man unweigerlich enttäuscht werden. Auch wenn die Einflüsse aus dem Genre ohne Frage da sind, werden sie dennoch keinen Genre-Freund wirklich begeistern können. Das Spiel richtet sich nämlich eigentlich an eine ganz andere Zielgruppe und genau für die macht es so ziemlich alles richtig.

 

Wenn ich nun behaupte, Nintendo wäre besser damit gefahren, Pandora’s Tower mit The Legend of Zelda zu vergleichen, dann dürfte schnell klar sein, warum es durchaus ein empfehlenswertes Spiel ist. Wer aber ein Zelda-Spiel kauft und ein RPG erwartet, der wird ebenso wenig zufrieden sein, wie jemand der eben Pandora’s Tower kauft weil er ein Rollenspiel spielen möchte.

 

Denn im Herzen ist Pandora’s Tower ein Action-Adventure mit dem Kniff, dass sich der Charakter durch Erfahrungspunkte entwickelt. Es gibt keine wirkliche Oberwelt und die 13 Türme sind am ehesten mit Dungeons aus der Zelda-Reihe vergleichbar. Bloß hat man hier keine zusätzlichen Waffen wie Pfeil und Bogen, Bomben oder eine Peitsche sondern neben dem Schwert „nur“ eine Kette. Allerdings ist die ist auch wesentlich vielseitiger als so manch anderes Item.

 

 

Ich habe alles unter Kontrolle!

 

Aber eins nach dem anderen. Man steuert den Helden entweder per Wiimote und Nunchuk oder per Classic Controller durch die Welt. Per Knopfdruck schwingt er entweder das Schwert oder die Kette im Kampf gegen Gegner. Mit dem Schwert richtet man logischerweise direkt Schaden an, während die Kette eher als Unterstützung dient. So kann man zum Beispiel Gegner fesseln, um sie leichter anzugreifen. Dabei lassen sich sogar explizit Körperteile anvisieren, was vor allem bei den Bossen zum Einsatz kommt, aber dazu später mehr.

 

Fesselt man einen Gegner also an den Beinen, dann fällt er um und ist eine Weile wehrlos. Fesselt man dagegen den Körper, dann kann er sich zwar noch bewegen, aber nicht angreifen. Nun kann man ihn entweder mit dem Schwert bearbeiten oder die Kette aufladen und dann mit Karacho per schneller Wiimote-Bewegung Schaden anrichten. Und es geht sogar noch weiter. Per Kette lassen sich auch zwei Gegner miteinander verbinden, trifft man dann den einen mit dem Schwert, dann nimmt auch der andere Schaden. Man sieht also: Taktik steht ganz klar im Vordergrund des Kampfsystems.

 

Und ich hatte eben geschrieben, dass man auch per Classic Controller steuern kann. Nun, das würde ich nicht empfehlen, da man die Kamera eh nicht steuern kann, denn man braucht den rechten Stick zum Bewegen des Cursors auf dem Bildschirm. Dass das per Pointer wesentlich flotter und komfortabler ist, brauche ich wohl nicht hervorzuheben. ;-) Daneben kommt die Kette natürlich auch bei den zahlreichen Rätseln zum Einsatz. So muss man sich mal von Punkt A zu Punkt B hangeln, Wege öffnen oder Wege verschließen, Maschinen aktivieren, Türen öffnen und, und, und.

 

Zuletzt sind die schon erwähnten Bosskämpfe noch etwas, über das ich berichten möchte. Während sie mir anfangs nur auf den Keks gingen, habe ich sie im Laufe des Abenteuers echt zu schätzen gelernt. Das lag ganz einfach daran, dass ich zunächst die ganzen Feinheiten der Steuerung nicht begriffen habe, weil das Spiel hier sehr wenige Hilfen gibt. Man bekommt zwar einige essentielle Dinge übergenau erklärt, doch alles Weitere muss man sich im Menü erst durchlesen. So wusste ich zum Beispiel bei den ersten beiden Bossen noch nicht, dass ich die Kette auch aufladen kann, was die Kämpfe ziemlich langatmig gemacht hat...

 

Als ich jedoch beim dritten Boss vor einer unlösbaren Aufgabe stand, habe ich mal nachgelesen und siehe da, auf einmal geht es. Ähnlich wie im Rest des Spiels sind auch diese Duelle sehr taktisch. Man muss die offensichtliche Schwachstelle des Gegners mit der Kette bearbeiten, bis man eben dieses Stück Meisterfleisch aus ihm herausziehen kann. Auch wenn das Ziel immer gut erkennbar ist, das Erreichen ist die Herausforderung. Hier haben sich die Entwickler wirklich kreativ ausgetobt. Es gibt zum Beispiel einen Gegner der ein 360° Sichtfeld hat und mit zahllosen Waffen angreifen kann während gleichzeitig das Ziel auf einer Schiene rumkurvt. Ein anderer hat die Schwachstelle am Rücken, den er dem Spieler jedoch immer abwendet. Mit den ganzen Fähigkeiten der Kette muss man sie eben so austricksen, dass man doch an das Ziel heran kommt, was nicht immer eine leichte Aufgabe ist. Und das ist nicht das Einzige, was die Kämpfe schwer macht.

 

 

Ich hab doch keine Zeit!

 

Immer, wenn Aeron in einem der Türme ist, schreitet der Fluch langsam voran, man steht also ständig unter Zeitdruck. Doch zum Glück wird Helena nicht nur vom Meisterfleisch geheilt, sondern auch von dem normaler Bestien. Nach etwa 20 Minuten in einem Turm muss man also zurück zu ihr ins Observatorium und ihr etwas zwischen die Zähle geben, damit sie sich nicht komplett verwandelt. Sobald das nämlich passiert, ist das Spiel vorbei.

 

Auch wenn ich kein besonders großer Freund von Zeitlimits bin, ist das hier zum Glück nur selten nervig. Die Türme sind nämlich so aufgebaut, dass man Abkürzungen zugänglich macht, wenn man sich vorkämpft. So kann man dann nach der Rückkehr sehr schnell wieder dahin, wo man aufgehört hat. Blöd ist es nur dann, wenn man sich dumm anstellt und die Abkürzung nicht rechtzeitig erreicht oder einfach vergisst, den Weg zu öffnen.

 

Doch selbst dann ist es nicht so tragisch, denn der Raum des Bosses ist meist schnell zu erreichen, problematisch ist es nur, die Tür zu öffnen. Diese ist nämlich von Ketten versperrt, die man nur an bestimmten Punkten zerschlagen und damit den Weg freilegen kann. Hat man zum Beispiel zwei von drei Ketten bereits zerschlagen, dann bleiben die es auch, wenn man wieder kommt. Man muss halt nur den Weg noch mal laufen, wobei man zum Glück allen Gegnern aus dem Weg gehen kann, wenn man das möchte.

 

Richtig blöd kann das Zeitlimit jedoch bei Bosskämpfen werden. Vor allem im vierten Turm hatte ich da echte Probleme, da ich lange gebraucht habe, um zu verstehen, wie es geht. Da der Kampf auch dann jedoch kein kurzer ist, kam ich nur wenige Sekunden vor dem Ablauf der Zeit zurück, das war kein schöner Anblick und es hat mich außerdem echt nervös gemacht. Auf der anderen Seite habe ich schon lange nicht mehr so bei einem Bosskampf gefiebert. Dass mein PC dann auch noch während der Aufzeichnung abgestützt ist und ich nur noch schnell den Home Button drücken konnte, um dann schier endlos zu warten, bis ich wieder ein Bild hatte, hat es auch nicht unspannender gemacht. ;-)

 

 

Ich bin leider oft matschig!

 

Bevor ich zum Fazit komme, noch ein paar Worte zu Technik. Grafisch schwankt Pandora’s Tower vorsichtig ausgedrückt leider zwischen gut und mittelmäßig. Animationen, Charaktere und Umgebungen sind zwar hübsch und vor allem sehr abwechslungsreich, manche Textur scheint aber aus Banjo Kazooie geklaut worden zu sein. Leider trüben diese oft sehr matschigen Texturen das Gesamtbild recht stark. Dafür bekommt man im Gegenzug aber eine gute Weitsicht, ein ruckelfreies Erlebnis und viele verschiedene Umgebungen und Gegner.

 

Akustisch ist das Spiel leider auch keine Bombe. Zwar ist die Sprachausgabe gelungen, es gibt jedoch nur wenige wirklich emotionale Dialoge, bei der sie wirklich glänzen kann. Auch die Musik bleibt eher im Hintergrund, viele Stücke wiederholen sich regelmäßig und Ohrwürmer sucht man vergeblich. Kein Wunder, dass der Limited Edtion kein Soundtrack beiliegt, der ist nämlich wirklich ohne Spiel nicht viel wert. Schade.

 

Zuletzt noch ein paar Worte zum Umfang: Ich habe für meinen ersten Durchgang knapp 16 Stunden gebraucht, es geht aber sicher schneller, wenn man sich nicht so blöd anstellt, wie ich es oft getan habe. Cool ist jedoch, dass es verschiedene Enden gibt, sechs an der Zahl, so dass es sich durchaus lohnt, das Spiel mehrmals durchzuspielen. Je nachdem, wie man sich anstellt, kommt eben auch am Ende etwas anderes heraus. Ich jedenfalls bin direkt ein zweites Mal eingestiegen und werde dieses Mal vieles anders – hoffentlich besser – machen.

 

 

Vielen Dank an Nintendo für das Testmuster.


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Fazit

Nochmal: Pandora’s Tower ist kein Rollenspiel und damit auch nicht mit The Last Story oder gar Xenoblade Chronicles zu vergleichen. Wer es kauft, um ein RPG zu zocken, der wird enttäuscht sein. Dennoch ist es bei Weitem kein schlechtes Spiel, es ist sogar ein wirklich gutes Action-Adventure geworden, auch wenn sich die Entwickler zuletzt in diesem Genre nicht wirklich mit Ruhm bekleckert haben, siehe One Piece Unlimited Adventure... Bei Pandora’s Tower haben sie jedoch fast alles richtig gemacht: Die Geschichte ist fesselnd und sehr motivierend erzählt, das Kampfsystem macht im Laufe des Spiels immer mehr Spaß und die Türme sind extrem gelungen, mit vielen Rätseln gespickt und bieten tolle Bosskämpfe. Was will man mehr? Mehrere Enden? Check! Gute Steuerung? Check! Viel zu entdecken? Check! Emotionen? Check! Spaß beim Zocken? Check!

Grafik

gut

Sound

ok

Steuerung

gut

Spielspaß

gut

85%

Singleplayer

-

Multiplayer

Release

13.04.2012

Developer

Ganbarion

Publisher

Nintendo

USK Freigabe

12+

Anzahl Spieler (Lokal)

1


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