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Reviews: Nintendo Wii

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Beat the Beat: Rhythm Paradise

Musik

16.07.2012

Zum Video-Test

 

Autor: Mario Kablau

 

 

Schlage den Rhythmus!

 

Ich muss zugeben, ich liebe Musikspiele, das wohl musikalischste unter ihnen hatte es mir bisher jedoch so gar nicht angetan. Als nämlich Rhythm Paradise für den Nintendo DS vor über drei Jahren erschien, hatte ich leider nur wenig Spaß damit. Aber darum soll es hier gar nicht gehen, sondern vielmehr darum, wie mich der Nachfolger positiv mitgerissen hat, zumindest meistens. ;-)

 

Wie schon gesagt, es ist das wohl musikalischste Musikspiel überhaupt, was ganz einfach daran liegt, dass man es spielen kann, ohne den Fernseher an zu haben, wenn man sich nur auf seine Ohren verlässt. Es geht sogar noch einen Schritt weiter: Das Bild auf dem Fernseher ist nicht selten so gemacht, dass es den Spieler ganz bewusst ablenken soll. Es kommt einzig und alleine darauf an, dem Takt zu folgen und den gesprochenen Kommandos zu gehorchen, um im jeweils exakt richtigen Moment genau das zu tun, was das Spiel von einem will.

 

Bevor es jedoch richtig damit los geht, muss man erstmal einen kleinen Rhythmustest machen. Hier wird dem Spieler erklärt, worauf es ankommt und welche Tasten zum Einsatz kommen: A und B auf der Wii-Fernbedienung. Punkt! Danach wird man auf das erste Spiel „Eingelocht“ losgelassen, bekommt aber zunächst – wie bei allen anderen Spielen auch – das Prinzip erklärt. Hier ist es so, dass man „einfach nur“ im richtigen Moment A drücken muss. Der richtige Moment ist genau der, indem man den Golfball, der entweder von einem kleinen Affen sehr langsam oder von einem großen Affen sehr schnell geworfen wird, perfekt trifft um ein Hole-in-One zu schlagen. Der Trick ist jedoch, sich nicht auf das Bild zu verlassen, sondern dem Takt der Musik zu folgen. Die jeweiligen Affen machen zusätzlich noch ein Geräusch vor dem Abwurf, so dass man auch blind weiß, wer als nächstes wann wirft.

 

Sobald das Lied vorbei ist, sieht man dann, wie gut man war. Anders als in anderen Musikspielen geht es hier jedoch nicht darum, so genau wie möglich zu treffen, sondern ganz genau zu treffen. Alles andere zählt nicht und je nachdem wie viele Fehler man macht, hat man es dann eben geschafft oder nicht. Ist man zu schlecht, dann muss man noch mal ran, denn nur dann wird man zum nächsten Spiel weiter gelassen. Schafft man es, dann bekommt man entweder die Wertung „Ok“ oder „Superb“, nur letzteres bringt eine Medaille mit sich, die man braucht, um weitere Minispiele freizuschalten.

 

Nachdem man vier Musikspiele gemeistert hat, folgt immer ein Remix. In diesem werden die vier Spiele bunt gemischt und mit einem durchgängigen Lied unterlegt. Hier ist also viel mehr Konzentration gefragt, da man immer aufpassen muss, welches Spiel gerade dran und was man tun muss. Aber auch das geht mit dem richtigen Training dank der guten akustischen Unterstützung sogar mit geschlossenen Augen. Hat man den Remix geschafft, geht es weitere in die nächste Runde.

 

 

Eine kleine Auswahl!

 

Um euch einen besseren Eindruck vom Spiel zu geben, fasse ich hier noch mal ein paar weitere Spiele kurz zusammen. Ich fange am besten mal mit meinem Lieblingsspiel an: Iai Samurai! Hier geht es darum, als Samurai Dämonen, die aus der Unterwelt ausbrechen wollen, genau daran zu hindern. Bewaffnet mit einem Schwert muss man im richtigen Moment A drücken, um einzelne Dämonen zu zerschnetzeln oder A und B eine bestimmte Zeit gedrückt halten, um ganze Gruppen zurückzuschlagen.

 

Weiter geht’s mit meinem absoluten Hass-Spiel: Rapperliebe. Hier „singt“ eine Frau etwas vor und man selbst schlüpft in die Rolle von einem der beiden Background-Sänger. Man muss nun im rechten Moment, je nachdem was die „Sängerin“ von sich gibt, A drücken um synchron mit dem Partner dasselbe von sich zu geben. Was mich hieran stört ist, dass dem Rhythmus nur sehr schwer zu folgen ist und schon kleine Fehler dazu führen, dass es in die Hose geht. Dieses Spiel hat mich wirklich in den Wahnsinn getrieben.

 

 

Doch es gibt auch noch einiges dazwischen. Manche Spiele erfordern sogar ein quasi ständiges Drücken der A-Taste, so zum Beispiel Badminton. Mit seinem Spielpartner zusammen fliegt man in zwei Flugzeugen herum und muss die Bälle zurückschlagen, die entweder schnell oder langsam geflogen kommen. Dabei verändert sich auch der Abstand zwischen den Fliegern gerne mal, auf den Takt hat das jedoch keine Auswirkungen. Hier kommen auch ganz besonders optische Ablenkungen zum Einsatz, man fliegt nämlich auch durch ganze Wolkenfelder, so dass man absolut nichts mehr erkennt.

 

Auch bei der Affenuhr kommt es auf konstanten Rhythmus an. Hier muss man im Sekundentakt mit dem Affen, der auf dem Zeiger der Uhr sitzt, die Affen abklatschen, die außen auf der Uhr hocken. Hin und wieder sind auch mal schnellere Szenen dabei, so dass man nicht einfach nur zwei Minuten lang im selben Takt A drücken muss.

 

Darüber hinaus gibt es noch viele weitere Spiele, im Video-Test zeige ich auch noch ein paar mehr etwas genauer. Ich kann jedoch die Zählung der Entwickler nicht ganz nachvollziehen, die sprechen nämlich von über 50 Spielen, während ich auf „nur“ 40 komme. Aber vermutlich haben sie die später dazukommenden „schwereren“ Versionen und die Remixe einfach mitgezählt...

 

 

Wo kann ich mich hier abreagieren?

 

Wie schon geschrieben, geht es bei Beat the Beat nicht darum, dem Rhythmus möglichst genau zu folgen, sondern bestenfalls muss alles perfekt laufen. Das hat natürlich auch seine Schattenseiten, die schnell zu viel Frust führen können. Da die Spiele jeweils etwas anderes vom Spieler verlangen, kommt es gerne mal vor, dass einem bestimmte Aufgaben gar nicht liegen.

 

Glücklicherweise kann man sich jedoch im Café nach ein paar gescheiterten Versuchen auch helfen lassen und muss das Spiel dann doch nicht schaffen, um weiter zu kommen. Vor allem in einem Remix nervt es dann aber doch teilweise sehr, weil man schon mit zwei Fehlern (z.B. bei Beatfabrik 2 mit etwa 120 zu schaffenden Tastendrücken) an entscheidender Stelle versagen kann. Das kann ich ehrlich gesagt nicht so ganz nachvollziehen. Vor allem bekommt man keinen wirklich Hinweis dazu, wie viel einem zum Ziel denn überhaupt fehlt.

 

 

Erschwerend kommt auch noch hinzu, dass man beim Hinweis „noch mal“ am Ende eines Spiels nicht direkt noch mal einsteigen kann, sondern immer zuerst ins Hauptmenü zurück kommt und von dort das Spiel neu auswählen muss. Auch über das Pausenmenü kann man eine Aufgabe nicht neu starten, was echt nervig ist, wenn man schon am Anfang einen Fehler macht und dann schnell von vorne anfangen will.

 

Das alles hat bei mir nicht selten dazu geführt, wirklich extrem genervt zu sein und bei Beatfabrik 2 habe ich dann endgültig die Flinte ins Korn geschmissen. Mir sind ein paar Mal hintereinander nur die letzten zwei „Abschüsse“ misslungen, während ich sonst perfekt war. Nach mehrmaligem „noch mal“ hat mich die Lust auf Frust dann einfach verlassen, vor allem weil ich das Ergebnis einfach nicht nachvollziehen kann.

 

Ihr merkt also: Man muss möglichst Frust resistent sein, um das Spiel von Anfang bis Ende zu lieben. Nichtsdestotrotz macht es die meiste Zeit über Spaß, wenn da nicht manche komische Aufgaben dabei wären. Aber das geht vermutlich auch jedem anders, je nachdem was man halt so kann und was nicht.

 

 

Technik, Steuerung und Umfang!

 

Die Grafik ist sehr stark an den Stil von Wario Ware angelegt. Die einfachen Objekte werden meist von dicken, schwarzen Linien umrandet und es überwiegen einfache Farben in vielen großen Flächen. Dadurch wirkt alles wie aus einem Comic, bzw. Anime. Wenn man den Stil mag, dann ist es super, wenn nicht, dann wird man vermutlich nur mit dem Kopf schütteln können.

 

Die Akustik ist dagegen über jeden Zweifel erhaben. Die Musik ist wirklich toll, abwechslungsreich und so ausgelegt, dass man die Spiele auch blind spielen kann. Meistens zumindest, denn bei manchen werde ich einfach nicht schlau aus dem, was das Spiel genau von mir will, aber das habe ich ja schon beschrieben. Toll finde ich, dass sowohl die englischen Songs als auch die japanischen dabei sind, man kann also das wählen, was einem mehr liegt. Allerdings beschränken sich die Unterschiede in der Regel auf den Gesang, ganz so viel mehr an Abwechslung bringt es also doch nicht.

 

 

Was den Umfang angeht kann man sich eigentlich nicht beklagen. Zunächst gibt es 28 Spiele, die man meistern muss, um den Abspann zu sehen. Danach kommen dann noch 12 dazu, das sind allerdings nur schwerere Versionen der bereits bekannten. Zusätzlich gibt es noch ein paar Minispiele, bei denen andere Dinge gefordert werden. Zuletzt sind auch noch ein paar Aufgaben auch zu zweit spielbar, so dass es so schnell nicht langweilig wird. Vor allem wenn man das Ziel hat, alle Spiele perfekt zu beenden, dann wird man einiges zu tun haben. Diese Wertung kann man nämlich nur dann kriegen, wenn das Spiel es anbietet und dann hat man auch nur drei Chancen, es zu schaffen. Keine leichte Aufgabe also.

 

 

Zweimeinung von RPG Hacker

 

Zu Beginn möchte ich nicht unerwähnt lassen, dass ich schon den Vorgänger auf dem Nintendo DS super fand und über Marios 57%-Wertung damals sehr schockiert war. Wäre es nach mir gegangen, wäre mindestens eine 80er-Wertung drin gewesen und für mich war Rhythm Paradise (oder damals eher noch Rhythm Tengoku Gold) auch das innovativste DS-Spiel 2008. Aber egal, wie Mario schon sagte soll es hier nicht darum gehen.

 

Im Großen und Ganzen kann ich Mario nur zustimmen und teile seine Meinung sowohl über Stärken als auch über Schwächen des Spiels. Allerdings empfand ich das Spiel als weitaus weniger frustrierend. Keine Ahnung, ob Mario wegen seines mangelnden Taktgefühls (haha!) so schlecht ist oder ob ich wegen meiner Übung mit den zwei Vorgängern so gut bin (wobei ich selbst die Vorgänger damals schon nicht so frustrierend fand). In den meisten Spielen (abgesehen vom letzten Remix) habe ich spätestens nach fünf Versuchen ein Superb geschafft. Höchstens überall ein Perfekt zu kriegen hat mich doch teilweise sehr frustriert, allerdings war es die gute Art von Frust. Das klingt zwar irreführend, aber ich würde Beat the Beat: Rhythm Paradise in etwa mit so Spielen wie Super Meat Boy vergleichen: Sie sind äußerst schwer und frustrierend, allerdings nicht, weil sie unfair oder grundsätzlich schlecht gemacht sind, sondern weil sie einfach nicht viel weniger als äußerste Perfektion verlangen. Dieser Frust gehört deshalb einfach zum Spiel dazu, denn umso größer der Frust, desto größer bei jedem Erfolg die verspürte Befriedigung.

 

Wo Beat the Beat: Rhythm Paradise im Vergleich zu seinem Vorgänger auf jeden Fall punktet ist bei der Steuerung. Ich muss schon zugeben, dass durch die Touchscreen-Steuerung beim Vorgänger durchaus mal einige Aktionen nicht so ausfielen, wie man es gerne gehabt hätte. Dieses Problem gibt es mit Knöpfen natürlich nicht mehr, insbesondere, wenn die einzigen zwei Aktionen „A“ und „A + B“ sind. Auch ist das Spiel nicht unabwechslungsreich, bloß, weil es nur zwei Aktionen gibt. Die Abwechslung liegt hier in den verschiedenen Minispielen, die alle mit ihrer eigenen kleinen Geschichte und einem eigenen Rhythmus daherkommen. Tatsächlich finde ich Beat the Beat: Rhythm Paradise dadurch sogar wesentlich abwechslungsreicher als andere Rhytmusspiele, wie zum Beispiel Theatrythm: Final Fantasy. Das mag aber Geschmackssache sein.

 

 

Als großer Liebhaber der Serie könnte ich an dieser Stelle noch so viel mehr sagen, aber ich denke Mario hat bereits die wichtigsten Punkte abgedeckt. Ich will nur nochmal betonen, dass der hohe Frustfaktor nicht automatisch ein Argument GEGEN das Spiel ist. Im Gegenteil: Wer eine ordentliche Herausforderung sucht, die einem gerne auch mal Perfektion abverlangt, der sollte Beat the Beat: Rhythm Paradise durchaus mal eine Chance geben.

 

 

Vielen Dank an Nintendo für das Testmuster.


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Fazit

Zugegeben, die Serie kann was. Nach dem ernüchternden Erlebnis mit dem DS-Vorgänger hatte ich hier richtig viel Spaß, von einigen Aufgaben, die mir gar nicht gefallen haben einmal abgesehen. Das Spiel ist fordernd, legt großen Wert auf die Musik und ist damit auch mit geschlossenen Augen spielbar. Die Grafik ist sehr einfach gehalten, aber zweckmäßig. Man muss den Stil allerdings grundsätzlich mögen, um Gefallen an der Darstellung zu finden. Etwas mehr Fehlertolleranz und mehr Nachvollziehbarkeit bei der Bewertung und es wäre auch für mich ein echtes Highlight. So kann ich es nur solchen Leuten uneingeschränkt empfehlen, die Frust ohne Ende vertragen können und die sich von nichts aus der Ruhe bringen lassen. Allen anderen dürfte es viele Lebensjahre kosten. ;-)

Grafik

ok

Sound

super

Steuerung

gut

Spielspaß

gut

84%

Singleplayer

85%

Multiplayer

Release

06.07.2012

Developer

Nintendo

Publisher

Nintendo

USK Freigabe

ohne Altersbeschränkung

Anzahl Spieler (Lokal)

1-2


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