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Reviews: Nintendo Wii

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Fifa 08

Sport

13.12.2007

Autor: Gunnar Schreiber

 

Aller Anfang ist schwer

 

Die Fifa Reihe von Electronic Arts hat mittlerweile auch auf Nintendos Heimkonsolen eine lange Tradition. Auch wenn der Anfang damals mit Fifa 64 für das Nintendo 64 gehörig misslungen war, konnten nachfolgende Titel durchaus überzeugen. Fifa 08 ist das erste Spiel der Serie für Wii. Da stellt sich natürlich die spannenden Frage, inwiefern die Entwickler Gebrauch von den Fähigkeiten der Controller gemacht haben und ob die Umsetzung auch tatsächlich gelungen ist. Gleich vorneweg: Ein Desaster wie beim Einstand auf den Nintendo 64 ist es bei weitem nicht geworden, aber von der Perfektion ist das Spiel ebenfalls meilenweit entfernt.

 

 

Die volle Kontrolle?

 

Beginnen wir doch gleich mal mit der Steuerung. EA bietet dabei zwei Spielvarianten an. Einmal das so genannte Family Play. Wählt ihr diesen Modus, dann bewegt das Spiel eure Fußballer und ihr müsst lediglich die Ballkontrolle übernehmen. Das funktioniert soweit ganz gut und dürfte für blutige Anfänger tatsächlich interessant sein. Gelungen ist die Idee, dass man jederzeit auf die Family Kontrolle wechseln kann und auch mit dieser Steuerung gegen einen Spieler mit normaler Steuerung antreten kann.

 

Wesentlich interessanter ist aber, wie die komplexe Variante funktioniert. Da fällt zunächst eines sofort auf, was irgendwie sehr befremdend wirkt: Ihr steuert eure Beine, indem ihr die Arme bewegt. EA hat sich dazu entschlossen sämtliche Schüsse mit einer Bewegung der Wiimote auszuführen. Abhängig davon, ob ihr die Wiimote nach oben oder unten reißt, macht ihr einen normalen oder angeschnittenen Schuss. Auch wenn das nach einiger Zeit zufrieden stellend funktioniert, wird man dennoch als Spieler nie ganz warm damit. Zu obskur mutet die Idee an zu schießen, indem man mit den Händen fuchtelt. Mal ganz abgesehen davon, dass eine solche Methode einfach ungenauer ist, da man wenig Einfluss auf die Härte des Schusses hat. Ferner werden die Bewegungssensoren im normalen Match beim Einwurf eingesetzt, was auch wirklich logisch erscheint und gut funktioniert, sowie teilweise bei der Torwartkontrolle. Außerdem kann man zum Beispiel, indem man die C Taste gedrückt hält und dann die Wiimote nach links oder rechts stößt Übersteiger machen, bewegt man den Nunchuk, dann täuscht der Spieler links bzw. rechts an.

 

Da die Wiimote und der Nunchuk zusammen etwas weniger Tasten haben als die Controller anderer Systeme, EA aber nicht auf bestimmte Aktionen verzichten wollte, wirkt die Tastenbelegung sehr überladen und ziemlich komplex. Einfache Aktionen wie einen Pass spielen oder blocken lassen sich noch recht simpel per A bzw. B Taste ausführen. Richtig kompliziert wird es aber bei Spezialmanövern. Um zum Beispiel einen Doppelpass mit Heber auszuführen, muss man den C Knopf gedrückt halten und dann mit dem richtigen Timing einmal A und dann noch mal A und B gleichzeitig drücken. Man kann sich vorstellen, wie oft das im Eifer des Gefechts tatsächlich funktioniert.

 

Wie sagt man so schön: Übung macht den Meister. Und tatsächlich geht die Steuerung immer besser von der Hand, je mehr man spielt. Allerdings bleibt die Erkenntnis, dass alles irgendwie unkomfortabel wirkt. Die hohe Komplexität dürfte eine Menge Leute abschrecken. Die Bewegungen der Hände auf die Füße zu übertragen, halte ich einfach für unglücklich. Wie wäre es, wenn man den Gegner festhalten kann, indem man die Wiimote schnell nach vorne stößt. Oder wenn man Gegenspieler, die links oder rechts von einem Laufen, durch eine entsprechende Bewegung via Nunchuk oder Wiimote abdrängen könnte. Wie wäre es, wenn man bei einer Standardsituation eingeübte Manöver via Handzeichen an die Stürmer geben könnte? Das wären meines Erachtens sinnvolle Einfälle für die Nutzung der Bewegungskontrolle.

 

 

Spielmodi und Präsentation

 

Da Fifa 2008 aber eine ganze Menge zu bieten hat, bleibt es dennoch ein ordentliches Spiel. Zur Auswahl stehen verschiedene Spielmodi, die allesamt sowohl alleine als auch mit bis zu drei weiteren Spielern kooperativ oder gegeneinander spielbar sind. So könnt ihr Freundschaftsspiele machen, in einer Liga antreten oder die drei Wii exklusiven Minispiele (inklusive Nutzung des eigenen Mii) ausprobieren, in denen ihr via Bewegungssteuerung und wenigen Tasten Jonglieren, Tischfußball oder das so genannte Anstoß-Minispiel zocken könnt. Alle Modi machen vor allem zu mehreren Spielern wirklich Gaudi.

 

Besonders positiv ist mal wieder die Präsentation. EA hat eine Großzahl internationaler Ligen lizenziert, darunter natürlich sämtliche großen Ligen Europas, so dass ihr mit Originalspielern in Originalstadien antreten könnt, was natürlich schon eine Menge zur Atmosphäre beiträgt. Sehr klasse finde ich auch, dass zum Beispiel in Deutschland nicht nur die erste Liga, sondern auch die zweite Bundesliga ins Spiel integriert wurde. So kann ich jederzeit die aktuelle Siegesserie meines Lieblingsvereins Borussia Mönchengladbach nachspielen.

 

Der Soundtrack besteht zudem aus lizenzierten Songs, meisten von Indie-Rockbands wie Maximo Park und kann auf jeden Fall überzeugen.

 

Leider gibt es an der audiovisuellen Umsetzung dennoch einiges zu meckern. Die Grafik ist teilweise sehr durchschnittlich. Die Texturen wirken matschig, bei vielen Spielermodellen kann man kaum erkennen, wer das sein soll und manche Animationen sind tollpatschig und abgehackt. Irgendwie habe ich das Gefühl, dass hiermit eher ein Schritt zurück als einer nach vorne gemacht wurde. Auch die Kommentatoren waren schon mal besser. Andauernd passen die gesagten Sätze nicht wirklich zum Spielgeschehen. Dies kann zwar manchmal durchaus witzig sein, ist auf Dauer aber eher störend.

 

 

Gemeinsam Kicken macht mehr Spaß

 

Wie bereits angesprochen, kann man sämtliche Modi jederzeit mit bis zu vier Spielern lokal zocken. Zusätzlich bietet das Spiel aber auch noch eine Onlinekomponente, die man durchaus als Kaufgrund bezeichnen kann. Im Gegensatz zu allen anderen Third Party Entwicklern ist es Electronic Arts erlaubt, das eigene Onlinesystem namens EA Nation zu nutzen. Im Klartext bedeutet dies, online zocken, so wie es sein sollte. Nach einem einmaligen Registrieren, habt ihr Zutritt zu der Lobby. Dort bekommt ihr jede Menge Statistiken geboten, darunter Infos zu euren Matches, Zahlen wie viele Spieler gerade online sind und wie viele davon gerade in einem Match gebunden sind. Da ihr je nach Leistungsstand bestimmten Rängen zugeordnet werdet, könnt ihr wählen, ob ihr nur gegen gleich gute Spieler antreten wollt oder auswählen, wie viele Ränge besser oder schlechter maximal der Opponent sein darf. Zusätzlich bekommt ihr noch angezeigt wie viele Spieler gerade pro Leistungsstand verfügbar sind. Und das Beste: Ihr benötigt keine Freundescodes!

 

Zur Auswahl stehen zwei Spielmodi. Entweder ihr macht ein direktes Match gegen einen anderen Spieler oder ihr nehmt an einer Liga teil. Diese bietet ein sehr interessantes Konzept. Wählt ihr zum Beispiel die Bundesliga aus und entscheidet euch für Werder Bremen, dann werden die Ergebnisse von allen Leuten, die diese Mannschaft gewählt haben bewertet und so Bremen in die Tabelle eingeordnet. Man sammelt also quasi gemeinsam mit anderen Fans auf der Welt Punkte für seinen Lieblingsverein.

 

Die ganze Onlinekomponente ist sehr komfortabel und lässt einen Wii only Spieler erahnen, was es bedeutet, ein komplexes und durchdachtes Onlinesystem genießen zu dürfen. Es wäre schön, wenn Nintendo sich mal einige der Elemente abgucken würde oder wenigstens anderen Publishern ebenfalls erlauben würde, eigene Verfahren zu nutzen.

 

Leider fehlt auch hier eine Voice Chat Funktion. Aber solange Nintendo nicht die nötige Hardware anbietet oder zumindest anderen Herstellern erlaubt diese auf den Markt zu bringen, wird sich daran auch nichts ändern. Das ist sehr schade und unverständlich!

 

 

Wir danken EA für die Bereitstellung des Testmusters!


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Fazit

Fifa 08 für Wii macht einiges richtig, aber auch mindestens genauso viel falsch. Positiv sind vor allem die Multiplayer-Komponenten wie der Onlinemodus zu nennen. Auch die exklusiven Minispiele samt Mii Unterstützung und der Family Play Modus sind eine Bereicherung. Negativ fallen die durchschnittliche Grafik sowie die sehr unkomfortable Steuerung auf. Wer dringend ein Fußballspiel braucht, kann zuschlagen. Alle anderen warten auf die Verbesserungen in Fifa 09, was sicherlich kommen wird oder auf Pro Evolution Soccer von Konami, was im nächsten Frühjahr für Wii erscheinen wird.

Grafik

ok

Sound

gut

Steuerung

schwach

Spielspaß

ok

71%

Singleplayer

79%

Multiplayer

Release

26.09.2007

Developer

Electronic Arts

Publisher

Electronic Arts

USK Freigabe

ohne Altersbeschränkung

Anzahl Spieler (Lokal)

2-4

Anzahl Spieler (Wi-Fi)

2


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