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Reviews: Nintendo Wii

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Lego Herr der Ringe

Action Adventure

26.12.2012

Autor: Lukas Strübig

 

Die Lego-Spiele haben mittlerweile eine lange Tradition der Mittelmäßigkeit etabliert: Bleibt das Gameplay praktisch immer gleich, wechselt so jedoch das Grundmaterial. Basierten diese Spiele also zuerst auf Star Wars durfte man auch später als Captain Jack Sparrow oder Batman durch die bunten Plastikwelten ziehen. Nun bringen Travelers Tales auch den Herr der Ringe-Fans eine Version ihres Spiels nahe, wird es sie überzeugen?

 

 

Die Welt ist im Wandel

 

Lego Herr der Ringe orientiert sich dabei stark an der Erzählung von Peter Jacksons Filmtrilogie und gibt diese verkürzt wieder: Der dunkle Herrscher Sauron von Mordor schuf in der Vergangenheit einen Meisterring, der in der Lage war, die 19 Zauberringe der Könige Mittelerdes zu beherrschen und zog den Kontinent so in ein Zeitalter der Finsternis, das nur durch ein letztes Bündnis zwischen Elben und Menschen beendet wurde, indem Isildur, der Sohn des Königs von Gondor, Sauron den Ring vom Finger schnitt, wodurch dieser fast vernichtet wurde. Doch Isildur hatte nicht die Charakterstärke, den Ring selbst zu vernichten, um so Sauron ein für alle Mal den Garaus zu machen. Jahrhunderte später landete der Ring bei dem Hobbit Frodo Beutlin, der sich in einer Zeit, in der Sauron wieder erstarkt und die Freien Länder Mittelerdes bedroht, aufmacht, in das Land des Feindes um den Ring an dem einzigen Ort zu vernichten, an der vernichtet werden kann: Dem Schicksalsberg.

 

Die Handlung ist sehr lang und komplex, weshalb sich Peter Jacksons Trilogie eine Menge Zeit nimmt, sie zu erzählen. Lego Herr der Ringe hat diese Zeit jedoch nicht weshalb die Handlung so stark verkürzt wird, dass man sie, ohne das Grundmateriel gesehen zu haben, nicht verstehen kann. Das ist allerdings gut so, denn so versucht der Humor des Spiels nicht, sich an alle zu richten, sondern konzentriert sich statt dessen auf charmante Insider und präzise platzierte Seitenhiebe auf die Filme. So werden Aragorn, Gimli und Legolas von einer Horde Rohirrim umringt, deren Pferde daraufhin sofort im Kreis synchron tanzen. Sam endet meist als Packesel, weshalb auch alle so froh sind, dass er da ist. Gollum bekommt beim Versuch, den Ring anzufassen eins auf die Finger und am Ende findet man sich dabei wieder, wie man als dunkler Herrscher Sauron auf einem Schaf reitend Tod und Verderben über ein Lego Miniatur Mittelerde bringt. Zumindest den Sieg wollen wir ihm auch mal lassen.

 

Leider hatten die Entwickler teilweise sichtbar zu viel Respekt vor den Original, gerade die ernsteren Szenen gegen Ende der Geschichte sind fast nur 1:1-Nachstellungen der Filme, ohne auch hier die Situation ins Lächerliche zu ziehen. Schade, dass dieses Potenzial nicht genutzt wurde.

 

Einen anderen Dämpfer gibt leider die deutsche Sprachausgabe. Diese ist zwar gut gelungen, jedoch eigentlich unnötig. Im Original bestand viel Humor daraus, dass für die Dialoge der O-Ton aus den Filmen genommen und teilweise in einen anderen Kontext gesetzt wurden. In der Lokalisation hat man aber eine komplett neue Synchro in Auftrag gegeben. Den tatsächlichen Sinn dahinter erkenne ich jedoch nicht, immerhin stimmt der Wortlaut der Dialoge im Spiel mit dem der Filme überein, also kann es nicht an der Lippensynchronisation liegen. Und ist es wirklich teurer, sich ggf. die Rechte für die Sprachausgabe vom Deutschen Studio zu kaufen, als eine eigene zu machen? Leider sind die Sprecher meistens nicht dieselben wie im Film, mit Pipin, Legolas und Gollum als einzige, die sich noch nach sich selbst anhören, die ersten beiden haben aber leider kaum Text im Spiel.

 

Die neue Synchro ist an sich gut gelungen, die Sprecher sind gut und geben sich Mühe, leider jedoch merkt man, dass sie hier bewusst ein Lego Spiel für Kinder gesprochen haben, wodurch der Humor des Kontrasts zwischen dramatischen Dialogen und Lego Akteuren verloren geht.

 

 

"'Lass ihn nicht allein', haben sie gesagt! Und das habe ich auch nich vor!"

 

Das Gameplay unterscheidet sich nach wie vor nicht wirklich von den früheren Lego Teilen. Wieder einmal hat man verschiedene Levels, in denen es verschiedene Rätsel zu lösen gilt. Diese Rätsel sind allerdings für Kinder designed und bieten Erwachsenen keine wirklichen Kopfnüsse, weil sie meist daraus bestehen, den richtigen Charakter für die richtige Aktion zu finden. Die Fähigkeiten der Figuren wurden dabei passend aufgeteilt, wer die Filme gesehen oder die Bücher gelesen hat weiß eigentlich sofort, welche Figur was kann, ohne, dass das Spiel ihm das vorher zeigen muss.

 

Dies führt allerdings auch für ein Ungleichgewicht in der Verteilung der Aufgaben. Tolkiens Werk ist immerhin nicht gerade ein perfektes Beispiel für gutes Gamedesign, die Figuren können plötzlich genau das, was sie in der momentanen Situation können müssen, brauchen diese Fähigkeit aber nie wieder. Vor allem die Fähigkeiten der Elben sind gerne nur eine Randnotiz und werden, ohne für die Handlung wichtig zu sein, einfach nur erwähnt um zu zeigen, dass Elben echt toll sind.

 

Im Endeffekt bedeutet dies für das Spiel, dass Figuren wie Boromir einfach gar nichts Besonderes können, im Aragorns Trupp ist Legolas eigentlich immer der Schlüssel zum Lösen von Rätseln, denn Aragorn selbst darf geschlagene zwei Mal im Hauptspiel Fährten suchen, Gimli ersetzt dank seiner Körpergröße die Hobbit Fähigkeit des durch Tunnel kriechens und lässt sich sonst nur gelegentlich werfen, so lange man dem Elb nichts davon sagt.

 

Auf der anderen Seite Mittelerdes steht währenddessen Frodo meist nur weinerlich in einer Ecke herum und lässt Sam die ganze Arbeit machen, denn er kann sich lediglich unter seinem Elbenmantel verstecken und mit der Phiole von Galadriel dunkle Gegenden erfoschen.

 

Es ist jedoch erstaunlich, wie gut die Entwickler die einzelnen Etappen der Reise unserer Helden in Levels verwandelt haben. So überrascht und beeindruckt das Spiel bereits zu Beginn, wenn man als Isildur an der Seite seines Vaters Elendil und des Elbenherren Elrond gegen Sauron kämpft. Spätere Levels beinhalten das Ablenken und Ausweichen vor dem Blick eines Nazgul. Besonders hier fällt die Liebe zum Detail auf: Kommt man als Frodo einem Ringgeist zu nahe, muss man sich selbst daran hindern, den Ring aufzusetzen, und so für den Nazgul sichtbar zu werden.

 

Auch die Bosskämpfe sind einwandfrei inszeniert und fordernd, vor allem weil einem die Schwachstelle eines Gegners hier nicht immer einfach so auf die Nase gebunden wird.

 

Vor allem der Mehrspieler-Modus ist dieses Mal aber großartig gelungen. So gibt es zum ersten Mal in den Lego Spielen einen Splitscreen, der nun dafür sorgt, dass sich beide Spieler nicht mehr gegenseitig blockieren. Die Level sind darüber hinaus darauf ausgelegt, zu zweit gespielt zu werden, weshalb das Gameplay gemeinsam schneller und besser wirkt. Darüber hinaus ist der Herr der Ringe nunmal eine Geschichte, in der viel Kram gleichzeitig passiert. So muss Spieler 1 an einer Stelle als Gandalf gegen Saruman kämpfen, während der andere versucht als Frodo, Sam, Merry und Pippin unbemerkt an einem Ringgeist vorbei zu kommen.

 

Hat man das Spiel durch ist dies jedoch nicht das Ende, denn um wirklich alle versteckten Geheimnisse zu finden will man noch einmal im freien Modus mit allen verfügbaren Charakteren in ein Level gehen, um auch wirklich an alle Stellen zu gelangen. Für Erfolge in den Levels bekommt man darüber hinaus Mithril-Blöcke, die mit der richtigen Anleitung bei einem Zwergenschmied zu neuer Ausrüstung geschmiedet werden können, die einer Figur neue Fähigkeiten gibt.

 

Neu ist jedoch die große Oberwelt, die eine kleine Nachbildung von Mittelerde ist. Für das, was sie sein will ist sie schon sehr groß und gefüllt mit Rätseln und Aufgaben. Leider tut sie jedoch zu Anfang größer, als sie ist. So sind Orte wie Hobbingen, Bree und Bruchtal gut ausgestaltet, Lothlorien und Edoras schon recht klein, Minas Tirith nur noch in der obersten Ebene betretbar, Minas Morgul nur noch Deko und in Mordor steht auch nichts anderes als der Dunkle Turm und der Schicksalsberg. Auch Dungeons sucht man in der Oberwelt vergebens, wobei ich in der Gamescom Preview einen gesehen habe, möglicherweise fehlen diese aber auch einfach nur in der Wii-Version.

 

 

Garstige-Elben-Grafik!

 

Grafisch ist Lego Herr der Ringe ein zweischneidiges Schwert. Auf der einen Seite muss man einfach anerkennen, wie gut die Mimik und Gestik der Figuren, die Architektur der Welt und die Atmosphäre der Umgebung eingefangen wurde, auf der anderen Seite wirkt die Oberwelt auf der Wii dann doch recht trist, schlecht Texturiert mit vielen Pop-Ups und auch noch gelegentlichen Framerate-Einbrüchen. In den Leveln selbst ist dann doch wieder alles recht schön, vor allem die Massenschlachten wirken auch wirklich wie große Schlachten mit großen Armeen. Allein die sichtbar von der HD Version herunter geschraubten Lichteffekte tun dem Ganzen einen Abbruch. Man sieht, dass die Figuren beinahe realistisch aussehen könnten, es aber eben nicht tun.

 

Die Musik besteht aus dem Score von den Herr der Ringe Filmen, was man hier natürlich nicht weiter erleutern muss. Jede Umgebung und jede Situation wird von ihr perfekt unterfangen und lässt dabei auch noch Nostalgie aufkommen.

 

 

Vielen Dank an Warner Bros. Interactive für das Testmuster.


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Fazit

Lego Herr der Ringe macht nichts großartig neu oder anders, sondern setzt lediglich auf gleichem Niveau das fort, was frühere Titel der Serie schon getan haben: Eine schöne Parodie mit gut spielbarem Gameplay. Herr der Ringe Fans, die vom Lego Gameplay also nicht schon genug haben können hier gerne zugreifen und sich auf ein paar lustige Stunden in Mittelerde freuen.

Grafik

ok

Sound

gut

Steuerung

gut

Spielspaß

gut

78%

Singleplayer

82%

Multiplayer

Release

30.11.2012

Developer

Traveller's Tales

Publisher

Warner Bros.

USK Freigabe

12+

Anzahl Spieler (Lokal)

1-2


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