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Angespielt: Nintendo Wii

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Pro Evolution Soccer 2008

Sport

02.03.2008

Autoren: Michael Lehmenkühler und Mario Kablau

 

Nachdem wir am Mittwoch recht kurzfristig von Konami zu einer Vorstellung der Wii-Version von Pro Evolution Soccer 2008 nach Frankfurt am Main eingeladen wurden, ließ ich mir diese Gelegenheit natürlich nicht nehmen und reiste nach Frankfurt, in Vorfreude auf meine erste Teilnahme an einer Veranstaltung dieser Art und natürlich auch auf das Spiel an sich. Chefredakteur Mario war ebenfalls mit von der Partie, auch wenn er bisher in Sachen Pro Evolution Soccer nur wenig Erfahrungen sammeln konnte. Dass ich als langjähriger Fan der Pro Evolution Soccer-Reihe vergleichsweise ein Experte bin, passte deshalb ganz gut.

 

Um 11 Uhr traf ich also in der vereinbarten Location in der Frankfurter Innenstadt ein und fand eine zu dem Zeitpunkt noch recht leere, aber auf jeden Fall richtig geniale, mit diversen Fernsehern (darunter auch ein gigantischer HDTV) und Wii-Konsolen (natürlich mit Pro Evolution Soccer 2008 bestückt) ausgestattete Wohnung vor.

 

Ich durfte mich direkt an das Spiel ranmachen und startete direkt einige Multiplayermatches, bis dann auch bald Mario eintraf, welcher mir dann für den Rest des Tages hauptsächlich als Gegner diente.

 

Doch nun zu dem Spiel an sich:

 

Wie bereits bekannt war, nutzt das Spiel Wiimote und Nunchuk auf eine, für ein Fußballspiel bisher einmalige und kreative Art und Weise. Die Wiimote dient nämlich als Art Computermaus, mit welcher man jedem einzelnen Spieler der Mannschaft detaillierte Anweisungen erteilen kann. Das Spiel unterscheidet sich hierdurch massiv von den anderen Versionen der Serie, in welchen man ja in der Regel nur den ballführenden Spieler wirklich genau unter Kontrolle hat.

 

Die Verantwortlichen von Konami erwähnten in diversen Gesprächen vor Ort auch immer wieder, dass dieser taktische Aspekt des „Rasenschachs“ ihnen bei der Wii-Umsetzung sehr am Herzen lag, da die Wii durch ihre innovativen Steuerungselemente sich hierfür ja richtig anbietet. Es handelt sich hierbei also um keine schnöde Umsetzung, sondern ein ganz neues Spiel, was auch das neue Cover der Spieleverpackung zeigt, auf welcher sich nur noch der Portugiese Cristiano Ronaldo alleine präsentiert, Bayern-Bankdrücker Jan Schlaudraff wurde hierbei wegrationalisiert.

 

Im Vorfeld stellte ich mir die Frage, wie gut sich das Spiel steuern ließe, da es für mich nur schwer vorstellbar war, dass man im oft hektischen Spielverlauf eines Fußballspiels wirklich gut die Kontrolle über seine einzelnen Spieler behalten kann und ihnen im Eifer des Gefechts sinnvolle Anweisungen erteilen kann.

 

Diese Befürchtung sollte sich zunächst auch bestätigen. Zwar lagen auch einige Versionen der Spielanleitung herum, wir wollten die Zeit allerdings lieber zum ausgiebigen Anspielen nutzen, weshalb wir uns zunächst nur mit den wirklich grundlegenden Steuerungsaspekten beschäftigten. Und als wirklich ansehnlich stellten sich unsere ersten Spiele dann auch wahrlich nicht heraus. Die Offensivaktionen gingen zwar recht gut und intuitiv von Beginn an von der Hand, gerade in der Defensive haperte es aber zunächst bei fast Jedem der Anwesenden. So waren die ersten Spiele auch alle mehr als torreich, was aber auch nicht verwundert, wenn keiner der Spieler seine Defensive unter Kontrolle hat und diese eher als verwirrter Hühnerhaufen auftritt. Im Laufe des Tages klappte dies aber auch immer besser und das Auftreten der gesamten Mannschaft sollte dem einer ordentlichen Fußballmannschaft immer mehr ähneln.

 

Doch wie funktioniert die Steuerung denn im Detail? Wie gesagt, wir beschränkten uns gestern eher auf die wirklich grundlegenden Aspekte der Steuerung, weshalb ich auch an dieser Stelle nicht zu sehr in die Tiefe gehen kann. Am wichtigsten für den Spielablauf ist sicherlich die Wiimote. Wie mit einer Computermaus kann man hiermit einzelne Spieler der eigenen Mannschaft „anklicken“ und ihnen Anweisungen erteilen. Man zeigt also auf einen Spieler, klickt ihn mit der A-Taste an, hält diese gedrückt und zieht die Wiimote auf eine andere Position des Spielfeldes. Voilà, der Spieler läuft sofort dorthin. Damit man hierbei auch wirklich punktgenaue Anweisungen erteilen kann, wird durch Pfeile auf dem Bildschirm visualisiert, wo man seine Spieler mit der Wiimote gerade „hinzieht“. Der Pointer, mit welchem man die einzelnen Spieler anwählen kann, ist übrigens immer farblich auf die Trikots der eigenen Mannschaft abgestimmt. Spielt man z.B. mit dem deutschen Team in den klassischen weißen Trikots, ist er dementsprechend weiß, wählt man dagegen die Holländer in ihren Heimtrikots, ist er natürlich orange usw.

 

Die B-Taste nimmt im Spiel ebenfalls eine ganz entscheidende Rolle ein, mit ihr werden die Pässe ausgeführt. Richtig, es gibt keine speziellen Tasten für die einzelnen Passvarianten mehr wie in den anderen Versionen, wo noch zwischen flachen Pässen, hohen Pässen und Pässen in die Tiefe unterschieden wurde. Bei der Wii-Version hingegen zeigt man im Falle des Ballbesitzes einfach mit dem Pointer auf die gewünschte Position des Spielfeldes, drückt die B-Taste und der ballführende Spieler passt direkt dorthin, je nach Entfernung und Spielsituation entweder hoch oder flach. Gerade Pässe in die Tiefe lassen sich hierdurch komfortabel ausführen. Auf der Playstation 2 ärgerte ich mich wirklich oft, dass diese Pässe oft gar nicht dorthin gingen, wo sie eigentlich landen sollten. Da man hierbei ja nun alle Freiheiten der Welt hat und punktgenaue Pässe spielen kann, gehört diese Problematik nun wohl der Vergangenheit an, was mich wirklich sehr freut.

 

Während man auf anderen Plattformen Torschüsse per Knopfdruck ausführt, dient in der Wii-Version hierfür der Nunchuk. Um aufs Tor zu schießen, muss dieser einfach geschüttelt werden. Je fester man schüttelt, desto härter wird dann auch der Torschuss. In der Praxis funktionierte dies genauer und intuitiver, als ich es mir ursprünglich vorgestellt hatte. Auf den anderen Plattformen hat man hierbei allerdings einen aufladbaren Balken, welcher im richtigen Moment durch Knopfdruck gestoppt werden muss, um die genaue Härte des Torschusses zu bestimmen. Eine solche Anzeige vermisste ich hier etwas, man schüttelte einfach und der Protagonist schoss aufs Tor. Um wirklich zu sehen, wie hart der Schuss jetzt genau war, hätte ich mir eigentlich auch eine Visualisierung per Einblendung eines solchen Balkens gewünscht. Vielleicht war dieser gestern ja auch nur deaktiviert, wer weiß?

 

Wie angesprochen, in der Offensive funktionierte die Steuerung von Anfang an wirklich eingängig und intuitiv, vor allem aber auch aufgrund der großen Defizite in der Organisation der Defensive bei fast jedem der Anwesenden. So war man anfangs eigentlich am ehesten auf der sicheren Seite, wenn man einfach mit dem ballführenden Spieler einen Alleingang startete und irgendwann im Strafraum aufs Tor schoss, dem Gegner gelang es anfangs ja meist sowieso nicht, einem den Ball abzunehmen. Doch wie gestaltet man einen solchen Alleingang am besten? Wie steuert man den ballführenden Spieler? Per Analogstick? Nein, dieser spielt hierbei jedoch auch eine Rolle. Im Prinzip steuert man den ballführenden Spieler wie jeden anderen auch, man hält die A-Taste gedrückt und zieht somit einen Pfeil vom Spieler weg um ihm hiermit die einzuschlagende Richtung vorzugeben. Je weiter man den Pfeil wegzieht, desto schneller bewegt sich der Spieler. Mit dem Analogstick kann man den ballführenden Spieler auch kontrollieren, allerdings kann er dann nicht so schnell laufen, wie über die Pfeile. Dennoch ist diese Möglichkeit eine feine Sache, denn damit wird es möglich, den Spieler am Ball weiter laufen zu lassen und gleichzeitig per Pointer die Mannschaft so aufstellen, dass der Angriff gut funktioniert. Über diesen dualen Steuerungsweg sind auch Tricks, wie Doppelpässe, um den Gegner auszuspielen, sehr leicht möglich.

 

Die angesprochenen anfänglichen Defensivprobleme bekam man im Laufe des Tages auch immer besser unter Kontrolle. Nachdem uns anfangs wohl ausversehen falsche Informationen zur Steuerung der Defensive gegeben wurden, war wohl fast jeder verwirrt, da die Spieler nicht das machten, was sie eigentlich sollten. Nachdem dies geklärt wurde, klappten die grundsätzlichen Aktionen in der Abwehrarbeit immer besser.

 

Wenn ein gegnerischer Spieler in Ballbesitz ist, reicht es hierbei, diesen anzuklicken, damit eigene Spieler, die sich in der Nähe befinden, auf diesen zugehen, um ihn in Zweikämpfe zu verwickeln. Hierbei gefiel es mir nicht ganz, dass man nicht genau unter Kontrolle hatte, wie viele Spieler den Gegner jetzt genau attackierten. Bei mir war es dementsprechend ab und an so, dass sich teilweise drei-vier Spieler auf den Gegner stürzten, was große Löcher in meiner Abwehr hinterließ. Im Laufe des Tages gewöhnte ich mir deswegen eher an, meinen defensiven Spielern einzelne Anweisungen zu erteilen, um damit quasi manuell die Räume eng zu machen. Dies klappte ganz gut, in solchen Situationen hat mich die Steuerung wirklich vollkommen begeistert. Der strategische Aspekt des Titels geht hierbei voll und ganz auf, was einfach genial ist.

 

Um dem Gegner den Ball abzunehmen, reichen bekannterweise allerdings eher selten einfache Zweikämpfe. Deswegen müssen natürlich auch in der Wii-Version fleißig Grätschen verteilt werden. Um dies zu bewerkstelligen, muss man einen Spieler anwählen und dann mit gedrücktem Z-Knopf den Nunchuk schütteln. Hiermit hatten viele Spieler gestern einige Probleme, bei mir klappte es auch erst nach einigen Versuchen richtig, gezielte Attacken hiermit auszuführen. Und während es auf der Playstation 2 zu meinen persönlichen Stärken gehört, den Ball per Grätsche oft fair zu erobern, ohne den Gegner zu foulen, gelang mir dies auf der Wii gestern quasi überhaupt nicht. Wenn ich Grätschen anbrachte, dann brachte ich den Gegner damit meist auf unfaire Art und Weise zu Fall. Dies war gestern allerdings bei den meisten der Fall, die Spiele waren dementsprechend oft nicht nur reich an Toren, sondern auch an gelben und roten Karten. Man merkt aber auch hier schon nach kurzer Zeit, wie es immer besser und sicherer wird und mit etwas Übung sollten faire Ballabnahmen damit auch kein Problem mehr darstellen.

 

Eine weitere sehr interessante Nutzung der Steuerungsmöglichkeiten der Wii zeigt sich bei der Ausführung von Abseitsfallen. Hierzu muss man als Spieler einfach die Wiimote nach oben reißen und schon rückt die eigene Abwehrreihe geschlossen auf, in der Hoffnung dadurch eine Abseitsstellung beim Gegner auszulösen. Dies klappt in der Praxis auch sehr intuitiv und gut, vor allem da ich auf der Playstation 2 nie bewusst Abseitsfallen einsetzte, bin ich von diesem Feature sehr begeistert, da es einfach kinderleicht einzusetzen ist und dennoch von großem taktischen Nutzen sein kann. Dies will jedoch geübt sein, ich probierte dies in Spielen gegen meinen Kollegen Mario nur zweimal aus, beide Male ging mein Vorhaben völlig in die Hose und er wurde somit zum Toreschießen nur so eingeladen, was er auch jedes mal eiskalt ausnutzte. Danach hielt ich mich mit den Abseitsfallen erstmal zurück. Vorsicht sollte hierbei also immer geboten sein, da es ein recht risikoreiches taktisches Element ist, wie eben auch im realen Fußball.

 

Taktische Einstellungen wie die Mannschaftsaufstellungen lassen sich mit der Wiimote übrigens auch äußerst bequem tätigen, witzig ist hierbei die Darstellung der Spieler mit riesengroßen Köpfen bei der Übersicht der Aufstellung.

 

Um die Umsetzung der Steuerung zusammenzufassen: Die Steuerung ist größtenteils absolut genial gelungen, die Entwickler schafften es wirklich, ihr gewünschtes Konzept gelungen umzusetzen. Die Fähigkeiten der Wiimote und des Nunchuks werden absolut vorbildlich genutzt, es wirkt auch nicht aufgesetzt, sondern macht absolut Sinn. Auf keiner anderen Konsole ist so ein Spielerlebnis möglich, höchstens auf dem PC könnte ich mir vorstellen, dass dies durch Nutzung der Maus auch machbar wäre.

 

Allerdings ist die Steuerung wirklich sehr komplex und die Eingewöhnungszeit ist dementsprechend überdurchschnittlich hoch. Es bietet sich hierbei wohl absolut an, die prallgefüllte Spieleanleitung zu lesen. Allerdings besteht hier auch kein Grund zur Panik, das Spiel bietet ebenfalls ein sehr umfangreiches Tutorial an, welches einem alle Aspekte der Steuerung gut nahebringen dürfte. Gestern beschränkte ich mich allerdings nur auf zwei-drei Lektionen im Tutorial, diese machten auf mich aber einen gelungenen Eindruck.

 

Was die Spielmodi angeht, bietet der Titel gewohnte Kost. Es gibt die Möglichkeit Freundschaftsspiele und Elfmeterschießen auszutragen, Ligen und Turniere lassen sich konfigurieren und spielen und es gibt einen sogenannten „Champions Road“ Modus. Letzteren konnte ich nur sehr kurz anspielen, er machte hier allerdings einen recht interessanten Eindruck. Hierbei erstellte ich mir eine eigene Mannschaft samt eigens kreiertem Trikot (Mario und ich entschieden uns hier für ein Trikot in der erotischen Farbkombination „schwarz-lila“ ;) ) und nahm direkt an einem Turnier teil. Vor den Spielen ist es hierbei übrigens möglich, spezielle Trainingseinheiten durchzuführen. Ansonsten wird es in diesem Modus möglich sein, neue Spieler zu rekrutieren und seine eigenen Spieler in ihren diversen Fähigkeiten zu verbessern, quasi aufzuleveln. Ein Hauch von Rollenspiel ist in diesem Modus also auch enthalten. Ansonsten kann man in diesem Modus auch bereits existierende Mannschaften wählen, ob der Spielmodus dann genauso aussieht, kann ich an dieser Stelle nicht sagen, da ich es nicht ausprobieren konnte. Wenn dies so wäre, wäre ich etwas enttäuscht, da ich den Meisterliga-Modus der Vorgänger vermissen würde. In diesem Modus spielte man immer mit einer Mannschaft in einer ausgewählten Liga, konnte an nationalen und internationalen Wettbewerben teilnehmen, Managertätigkeiten ausüben usw. Ich hoffe, dieser Modus wurde nicht komplett gestrichen bzw. hoffe ich, dass der Champions Road-Modus ihn adäquat ersetzen kann.

 

Auch im Spiel enthalten ist ein Editor, mit welchem man die Teams und Spieler bearbeiten kann, da sich Konami nicht alle üblichen Lizenzen sichern konnte. Lizenztechnisch ist der Titel mit den Versionen für die anderen Konsolen identisch, es gibt also die allermeisten Nationalmannschaften als Originale, ebenso die meisten europäischen Ligen. Lediglich bei manchen Nationalspielern wurden die Namen verändert, so z.B. leider auch beim deutschen Team. So heißt Jens Lehmann beispielsweise „Schwarz“. Aber es wurden hierbei schon die realen Spieler umgesetzt, was Fähigkeiten, Attribute und das grobe Aussehen betrifft. Man kann also z.B. anhand der Rückennummern meist schon zuordnen, um welche Spieler es sich jeweils handeln soll. Die Bundesliga fehlt hingegen komplett, mit Ausnahme des FC Bayern München, aber auch bei diesem fehlt Oliver Kahn, dessen Lizenzen man sich separat sichern müsste, da er sich selbst um seine eigene Vermarktung kümmert. Neben dem FC Bayern gibt es auch aus einigen anderen Ländern nur einzelne Mannschaften, die größten und wichtigsten Ligen (England, Spanien, Frankreich, Italien, Holland) sind allerdings komplett vertreten. Bei der englischen Premiere League sind hierbei allerdings auch manche Mannschaftsnamen verändert worden, die Spielernamen sind allerdings seltsamerweise korrekt.

 

Das Fehlen der Lizenzen hat mich bei Pro Evolution Soccer immer massiv gestört, als Fan der Bundesliga gibt es einfach kaum etwas Besseres, als mit der eigenen Lieblingsmannschaft spielen zu können. Ich kann nur hoffen, dass sich an dieser unbefriedigenden Situation in Zukunft bald etwas ändern wird. Beim Anspielen ließ ich mich von diesem Umstand jedenfalls nicht beirren und ging mit meinen Lieblingsspielern meines Vereins Werder Bremen in ihren jeweiligen Nationalmannschaften auf Torejagd.

 

Was den Multiplayer angeht, hat mich das Spiel etwas enttäuscht. So ist es nur für zwei Spieler spielbar, was ja noch zu verschmerzen wäre, wenn es wenigstens für zwei Spieler das volle Programm bieten würde. Doch dies ist nicht der Fall. Man kann zu zweit nur gegeneinander spielen, nicht gemeinsam in einem Team. Auf unsere Anfrage diesbezüglich hieß es, dass es wohl zu unübersichtlich und chaotisch werden würde, wenn man zu zweit versuchen würde, ein- und dieselbe Mannschaft zu kontrollieren, weswegen man diese Option weg ließ. Persönlich enttäuscht mich dies jedoch maßlos. Bisher hatte ich mit Pro Evolution Soccer immer mit Abstand am meisten Spaß, wenn ich mit meinem Redaktionskollegen Philipp kooperativ im Team gegen den Computer gespielt habe. Gemeinsam eine komplette Saison zu spielen, das war für uns bisher immer so ziemlich das Spaßigste überhaupt, Konsolen- und Genreübergreifend. Natürlich macht das Argument von Konami schon Sinn, für eingespielte Teams wäre es aber meiner Einschätzung nach sicher kein großes Problem, gemeinsam eine Mannschaft vernünftig zu dirigieren ohne die Übersicht und Kontrolle zu verlieren. Aufgrund dessen habe ich persönlich für Konamis Entscheidung keinerlei Verständnis.

 

Vor allem kooperativ hätte man mit den neuen Möglichkeiten sicher noch bessere Spielzüge gestalten können, für einen Spieler alleine kann es ja mitunter schon etwas hektisch und chaotisch werden, wenn sehr viele Spieler in sehr kurzer Zeit dirigiert werden wollen. Zu zweit hätte man durch Arbeitsteilung hier noch bessere Möglichkeiten gehabt, schon auf der Playstation 2 haben Philipp und ich gemerkt, wie viel mehr möglich ist, wenn man gut als Team zu zweit zusammenspielt und wenn jeder sich um bestimmte Aspekte des Spielaufbaus oder der Organisation der Abwehr kümmert.

 

Man kann also ausschließlich gegeneinander spielen, was aber natürlich auch durchaus Spaß macht. Im Vorfeld allerdings hatte ich mir hier die Frage gestellt, wie der Multiplayer gegeneinander genau aussehen würde. Ich hatte die Befürchtung, dass es ein Problem hierbei geben könnte, da man ja auch die Pfeile und Anweisungen seines Mitspielers direkt sehen kann, wodurch Überraschungsmomente wohl eher kaum möglich werden würden. Eben die Problematik, die sich ergibt, wenn man Strategiespiele gegeneinander auf demselben Bildschirm spielt. Diese Befürchtung hat sich bei mir auch zum Großteil bestätigt. Im Spielverlauf empfand ich dies gestern noch als nicht sonderlich störend, da man aufgrund der noch nicht ganz verinnerlichten Steuerung sowieso noch so seine Probleme hatte, ansprechend auf die Anweisungen seines Gegners zu reagieren. Aber vor allem bei Eckbällen, wo Mannschaften es ja durchaus öfters mit überraschenden Varianten versuchen, hat mich die angesprochene Problematik sehr gestört, da es vor allem hier wirklich kaum möglich war, den Gegner zu überraschen. Die eigenen Spielzüge sind vor allem hier recht vorhersehbar. Im Elfmeterschießen erübrigt sich dieses Problem zum Glück, da sich die Pointer ausblenden lassen, so sieht man allerdings auch selbst nicht ganz genau, wo man denn hinzielt.

 

Wie sich die gesamte Problematik auf Dauer entwickeln wird, kann erst durch längeres Spielen des Spiels ermittelt werden, sodass dies jetzt noch sehr schwer zu beurteilen ist. Ich kann mir allerdings auch durchaus vorstellen, dass geübte Spieler durchaus auch für Überraschungsmomente sorgen können, da die Anweisungen mit der Wiimote für gekonnte Spieler sicher auch sehr schnell ausführbar sein werden und man natürlich auch Ablenkungsmanöver starten kann.

 

Inwiefern sich diese Problematik im Online-Modus zeigen wird, können wir nicht sagen, da wir diesen nicht testen konnten. Ich hoffe mal, dass man online nicht die Pfeile und Anweisungen seines Gegners direkt sehen wird.

 

Insgesamt ist das Spiel wohl eher enttäuschend im Hinblick aufs Online-Gaming. Wir fragten diesbezüglich nämlich bei den Verantwortlichen nach und es wurde uns gesagt, dass das Spiel neben Freundschaftsspiele online lediglich noch zufällige Duelle ermöglichen würde. Ranglisten oder ähnliches wird es nicht geben. Zudem seien die berüchtigten Freundescodes auch in diesem Spiel vertreten. Dennoch ist ein durchwachsener Onlinemodus sicher besser als gar keiner. Allerdings muss man auch dazu sagen, dass IGN zum Beispiel, die das Spiel auch schon angespielt haben, und sie die Info bekommen haben, dass es sehr wohl Ranglisten geben wird. Um die Wahrheit zu erfahren, werden wir wohl noch ein wenig abwarten müssen.

 

Während Pro Evolution Soccer für mich bisher immer eher ein Multiplayerspiel war, hatte ich beim gestrigen Anspielen mit dem Singleplayer mindestens genauso viel Spaß, wenn nicht noch mehr, zum Teil eben wegen der angesprochenen Problematik des offline-Multiplayers. Die Multiplayermatches, vor allem gegen Mario, waren aber auch sehr unterhaltsam und spaßig, es kam echte Fußballatmosphäre auf. Nachdem Pro Evolution Soccer-Anfänger Mario mich zweimal in Folge verheerend besiegen konnte, entschied ich mich dann aber für ein Spiel gegen den Computer und wählte direkt mal den höchsten Schwierigkeitsgrad. Ich hatte zwar die stärkere Mannschaft gewählt, dennoch überraschte es mich, dass ich das Spiel für mich entscheiden konnte, wenn auch erst in einem packenden Elfmeterschießen. Da dies mein einziges Spiel gegen den Computer war, welches ich komplett beenden konnte, ist es schwer, jetzt aufgrund dessen eine Aussage über die Qualität der KI und den Schwierigkeitsgrad des Spiels zu treffen. Der Computer spielte nämlich keineswegs schlecht, vielleicht war ich aufgrund der für mich verheerenden Klatschen gegen Mario auch nur extra motiviert und konnte den Computer deshalb niederringen ;). Dennoch, egal ob Single- oder Multiplayer, die Matches waren fast alle unterhaltsam und spannend und es gab viele wirklich schöne Tore zu sehen, welche man übrigens auch auf der Wii speichern kann.

 

Technisch ist das Spiel solide, grafisch bietet es gehobene PS2-Optik, soundtechnisch können die bekannten und kultigen Kommentare von Wolf Fuß und Hansi Küpper mal wieder überzeugen, manche Kommentare kommen zwar absolut unpassend, für den einen oder anderen Lacher sind sie aber gerade deswegen immer gut ;).

 

Insgesamt hat mir das Spiel trotz einiger Kritikpunkte außerordentlich gut gefallen, es ist eine frische und neuartige Spieleerfahrung, die jede Menge Spaß macht. Und es macht auch vor allem nicht nur echten Fußballfans Spaß, auch Mario, der nach eigener Aussage so viel Ahnung von Fußball hat wie der durchschnittliche Deutsche von Boccia (Anmerkung von Mario: Das war nur die Ausrede, nach einer knappen Niederlage...), hatte wirklich viel Spaß mit dem Titel und war regelrecht begeistert. Auch mich hat das Spiel wirklich überzeugt, wenn ich noch mal meine PS2 anwerfen sollte um PES zu spielen, werde ich sicherlich die Wiimote vermissen. Wenn der eine oder andere Kritikpunkt noch beseitigt wird, wird diese Form des virtuellen Fußballspiels in Zukunft den bisherigen Konzepten von PES und Fifa sicher den Rang ablaufen, davon bin ich ziemlich überzeugt. Für Gelegenheitsspieler ist das Spiel aber eher nichts, da es wirklich sehr komplex und nicht ganz leicht zu erlernen ist. Aber sicher schön zu sehen, dass die Wiimote auch endlich mal komplexere Spiele, die bisher auf einer Konsole unmöglich waren, möglich macht.

 

Ich freue mich jedenfalls auf ein innovatives und gelungenes Fußballspiel, mit dem ich in Zukunft sicher noch eine ganze Menge Spaß haben werde. Und sicher nicht nur ich, davon bin ich fest überzeugt.

 

Fußballfans, Fans von taktischen Spielen und vor allem all diejenigen, die mal eine gänzlich neue Spieleerfahrung erleben wollen, sollten sich den 27. März 2008 dick im Kalender anstreichen, dann erscheint Pro Evolution Soccer 2008 nämlich hierzulande für die Wii.

 

Abschließend möchte ich mich noch herzlichst bei Konami für die nette Einladung, die gute Verpflegung und den rundum gelungenen Tag bedanken. Gerade die wirklich coole Location verdient nochmal ein Extralob!

 

Kommentar von Mario:

 

Ich kann mich den Worten von meinem Kollegen Michael nur anschließen, denn das Spiel hat mich absolut überrascht. Ich war mir nach dem Ansehen der ersten Videos sehr unsicher, ob das gut klappen würde, aber schon nach zwei Matches hatte ich die Grundsteuerung begriffen und wurde immer sicherer. Die ersten taktischen Spielzüge kamen dann im Laufe des Nachmittages auch schon dazu, die Lernkurve ist also ziemlich steil.

 

Wer sich unsicher ist, ob der Titel wirklich gut funktioniert, der sollte einfach mal selbst Hand anlegen, aber sich dabei auch etwas Zeit nehmen. Das volle Potential begreift man nämlich erst nach ein paar abgeschlossenen Spielen und dann wird man mit ziemlicher Sicherheit begeistert sein.

 

Ich bin wegen dem fehlenden Koop-Modus zwar auch etwas enttäuscht, kann es aber auch sehr gut nachvollziehen. Man hat eben die gesamte Mannschaft unter Kontrolle und wenn dann auf einmal zwei Pointer EInfluss nehmen wollen, wird es sicher extrem chaotisch. Klar ist das auch eine Frage des Trainings, aber vermutlich haben die Entwickler festgestellt, dass es sich einfach nicht lohnt, weil es nur den wenigsten Spaß bereiten dürfte. Am meisten gespannt bin ich darauf, wie der Online-Modus letzten Endes aussehen wird.

 

Zum Abschluss dann noch eine Ankündigung: Zusammen mit Konami werden wir kurz nach dem Launch des Titels ein Online-Turnier veranstalten. Also: den 27. März auf jeden Fall notieren!

super

EU Release Chance

gut

Tendenz

Release

27.03.2008

Developer

Konami

Publisher

Konami

USK Freigabe

ohne Altersbeschränkung

Anzahl Spieler (Lokal)

1-2

Anzahl Spieler (Wi-Fi)

1-2


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