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N-Zyklopädie

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Renaissance der Point & Click Adventures

01.06.2008

Autor: Daniel Nicolin

 

Was sich heimlich, still und leise fast schon unbemerkt im Spiele-Dschungel abzeichnete und zunächst nur erahnen ließ, ist mittlerweile Gewissheit: Die Renaissance der guten alten Point-and-Click Adventures ist in vollem Gange und scheint ihren Zenit noch längst nicht überschritten zu haben. Und eine nicht zu geringe Schuld daran trägt Nintendos kreatives Entwicklerteam, welches mit dem innovativen Doppelschlag Wii und DS und deren einzigartigen Steuerungsmöglichkeiten nicht nur wie aus dem Nichts die Konkurrenz weltweit in ihre Schranken verwies, sondern auch den Weg ebnete für die Wiedergeburt der einstigen PC-Domäne, eben jenen besagten Point-and-Clicks. 

 

 

Point-and-Click? What the fuck?

 

Was genau das ist, lässt sich in einigen wenigen Sätzen zusammenfassen, damit auch diejenigen im Bilde sind, die bis jetzt noch nicht in den möglichen Genuss des Genres gekommen sind. "Point" ist Englisch. Kann "Punkt" heißen. Aber auch "Zeigen"! Und letzteres heißt es in diesem Falle. "And" ist auch Englisch. Bedeutet "Und". "Click" (übrigens Englisch) steht für "Klicken". So einfach war das: "Zeigen und Klicken". Und zwar ursprünglich mit der Computermaus. Also im Prinzip das, was der PCler tagtäglich macht, wenn er sich mit Windows rumschlägt oder sinnlos im Internet surft. So ähnlich funktionier(t)en auch die Point-and-Click-Adventures: Man bewegt seine Spielfigur und führt Aktionen aus, indem man gezielt auf Elemente des in traditionellerweise in 2D scrollenden Bildschirmausschnitts klickt, ohne - wie in den Vorgänger-Adventures - Befehle per Tastatur eingeben zu müssen. Packende, filmreife Stories und clevere Rätseleinlagen waren die Trademarks eines jeden Adventures, welches etwas auf sich hielt. Bedingt durch die Steuerung waren reinrassige Adventures somit aus naheliegenden Gründen den Konsoleros meistens vorenthalten - die hatten nämlich in der Regel weder Tastatur noch Maus, und mit einem Joypad gestaltet sich das Unterfangen meist sehr träge und äußerst mühsam. Ausnahmen bestätigen die Regel, und so gab es unter anderem "Maniac Mansion" für das NES oder "King's Quest" für das Sega Master System. Neuerdings ist das Steuern allerdings komfortabel möglich: Nämlich mit Wiimote und dem Stylus auf dem Touchscreen des DS. Somit ist der Weg frei für neue alte Spielerfahrungen en masse.

 

 

Brave New World

 

Jüngeren Zocker-Generationen eröffnet sich mit diesem für sie neuartigen Genre eine neue Welt. Ältere Generationen mögen sich, in Nostalgie schwelgend - und vielleicht mit ein bisschen Wehmut -, an alte Zeiten erinnern oder sich in diese zurückversetzt fühlen, denn für viele waren Klassiker wie "Maniac Mansion", "Zak McKracken" oder "Monkey Island" nicht nur der Einstieg ins Zockerdasein, sondern die unbestrittenen Glanzlichter seit der Erfindung des Computer/Videogames -und sind es vielleicht bis heute. Und zumindest eines lässt sich nicht leugnen: Den Charme, den jene Spiele zu versprühen wussten und wissen und dem man sich nur schwerlich zu entziehen vermag, wünscht man sich ein ums andere Mal auch heute noch für aktuelle hochkarätige Titel. Denn selbst diese können der Faszination eines Monkey Island nur unzureichend Paroli bieten. Dass im Fahrwasser des Erfolges von Wii und DS das Genre wiederentdeckt wird und qualitativ hochwertige Neuentwicklungen wie "Zack & Wiki" oder "Geheimakte Tunguska" dabei herauskommen, dürfte somit dem geneigten Leser und Zocker ein Lächeln ins Gesicht zaubern.

 

 

The Story begins ...

 

Angefangen hat alles Mitte der 80er Jahre des 20. Jahrhunderts. Die ersten zaghaften Versuche des mausgesteuerten Point-and-Click Adventures machten sich auf, die veraltet erscheinenden reinen Text-Adventures und die moderneren, tastaturgesteuerten Grafik-Adventures abzulösen. Als Vorreiter und Pioniere (und meiner Meinung nach Meister ihres Fachs) dürfen hier die Werke von Lucasfilm Games (heute LucasArts) gelten, deren eigentliches Erstlingswerk "Maniac Mansion" mit einigen wunderbar abgedrehten Ideen - derentwegen es noch heute Kultstatus innehat - glänzen und sich gleich an die Spitze der Verkaufscharts setzen konnte.

 

 

Somit war auch der kommerzielle Erfolg der Point-and-Clicks eingeläutet. Es folgten in den Jahren darauf qualitativ ebenfalls überzeugende Games wie "Zak McKracken", "Loom" und "Indiana Jones and the Last crusade" zum gleichnamigen Kinofilm. Hauptverantwortlicher war in den meisten Fällen Ron Gilbert, der seinen unvergleichlichen Humor und sein Ideenreichtum in vielen seiner Adventures ausleben konnte, und der auch heute noch seinen Fans als Ikone gilt. Er ist es auch, der für den 1990 erschienenen Meilenstein "The Secret of Monkey Island" verantwortlich zeichnet - und damit ruft er eine Serie ins Leben, deren erste beide Teile (der zweite Teil folgte 1993) unter nicht wenigen Adventure-Fans bis heute als die unangefochtenen Meisterwerke der Schöpfung gelten: Als trotteliger Möchtegern-Pirat Guybrush Threepwood seid ihr auf der Suche nach dem unsagbaren Schatz "Big Whoop" und nach eurer Liebe Elaine. Als Widersacher steht euch der gefürchtete Zombie-Pirat LeChuck hierbei natürlich im Weg und so braucht es euren gesamten Mut und Verstand, um zu bestehen. Was sich so klischeehaft und abgedroschen anhört, erweist sich als herrlich ironische Reise durch die Tiefen der Karibik, mit unvergesslichen Highlights wie bspw. dem Beleidigungsfechten. Ähnlichkeiten vor allem zu den satirischen Momenten eines "Pirates of the Caribbean" ("Fluch der Karibik" mit Johnny Depp; Anm. d. Aut.) sind nicht von der Hand zu weisen. Und so zieht mich die Reihe auch fast zwei Dekaden nach ihrer Entstehung dermaßen in den Bann, dass ich mich hin und wieder dabei ertappe, einen amüsanten Ausflug in dunkle Piratennester und auf eine einsame Affeninsel zu unternehmen. Dabei stört es keineswegs, dass man die Rätsel schon in- und auswendig kennt, vielmehr freut man sich schon diebisch auf die nächste tolle Szene.

 

 

Ein weiteres absolutes Adventure-Highlight der Lucasfilm-Schmiede stellt zweifellos "Indiana Jones and the Fate of Atlantis" dar, welches - wohlgemerkt ohne Filmvorlage! - den typischen Indi-Humor und das charakteristische Indi-Abenteuer-Flair hervorragend in die grandiose Story einzuflechten vermag.

 

 

Spielspaß pur verspricht auch das im gleichen Jahr erschienene "Day of the Tentacle" (der inhaltliche Nachfolger von "Maniac Mansion"), in welchem ein schräges Ideenfeuerwerk sondergleichen abgefackelt wird und humoristische Dialoge, sarkastische Kommentare und herrliche Situationskomik im Sekundentakt geboten werden. Somit steht der Anfang der 90er Jahre mit den für mich vielleicht besten P&Cs ever als die ungekrönte Adventureperiode schlechthin fest! Auch das unmittelbar folgende "Sam & Max" reiht sich nahezu nahtlos in die Riege großer Adventure ein und hat - mit dem groteskten Detektiv-Duo bestehend aus einem vermenschlichten Hund und einem psychopathischen, gewalttätigen Hasen - den wohl derbsten, abgedrehtesten und damit sicherlich gewöhnungsbedürftigsten Humor zu bieten - love it or hate it.

 

 

Neben Lucasfilm Games versuchte noch eine ganze Reihe anderer Entwickler - mal mehr und mal weniger erfolgreich - in dem Genre Fuß zu fassen und sich ein Stück vom Kuchen des Erfolges abzuschneiden. Zu erwähnen wären auf jeden Fall Sierra Games, die mit "King's Quest" ebenfalls zum Ende der 80er Jahre eine Serie schufen, die es bis heute auf insgesamt acht Teile gebracht hat - der letzte allerdings 1998 erschienen und auch schon nicht mehr im typischen Stil der Vorgänger. Die Serien "Space Quest", "Police Quest", "Gabriel Knight" und "Leisure Suit Larry" haben hinsichtlich ihres kommerziellen Erfolges als auch ihrer Qualität alle Höhen und Tiefen mitgemacht und dürften Adventure-Freunden ebenfalls ein Begriff sein. Diese stammen gleichwohl aus dem Hause Sierra.

 

Einen anderen Weg bestritten die Macher der Myst-Serie (gerenderte 3D-Grafiken, mystische Story, die Rästel bestehen allesamt aus kniffligen, abstrakten Logiktüfteleien), deren erster Teil (1993) zum meistverkaufen PC-Game überhaupt avancierte und erst kürzlich von "Die Sims" übertroffen werden konnte. "Myst" hat es auf sechs Teile gebracht zuzüglich zwei Add-Ons und einem Online-Spiel - und einer Portierung für den DS, von der im Folgenden noch zu reden sein wird.

 

Weitere nennenswerte Titel anderer Entwicklerstudios wären "Simon the Sorcerer", "The Legend of Kyrandia", "Gobliiins" und Terry Pratchetts "Discworld", die es allesamt auf mehrere Teile unterschiedlicher Güte brachten. Vor allem letztgenannte heben sich wohltuend ab, ist in ihnen doch der einzigartig schwarze Humor des großartigen Terry Pratchett wunderbar eingefangen. Für Fans der Bücher und alle diejenigen unter euch, die auf Monty Python stehen, ein absolutes Muss!

 

 

The Story ends ...

 

Doch dann wurde es still um das Point-and-Click-Genre. Im Zuge der immer ausgereifteren technischen Möglichkeiten verdrängten diverse Highend-Games, mitunter grafische Augenwischer vor allem aus dem Ego-Shooter Bereich, die Adventures nach und nach aus den Regalen und weil die allgemeine Akzeptanz rätsellastiger Spiele nachzulassen schien, war das Genre - bis auf wenige innovative Ansätze (positiv hervorzuheben seien unbedingt LucasArts' "Grim Fandango", welches völlig zurecht grandiose Kritiken erhaschte, und die sehr guten ersten Teile der "Baphomets Fluch"-Reihe), die das Genre kommerziell insgesamt jedoch nicht vor dem Ruin bewahren konnten - ab Mitte der 90er Jahre quasi tot.

 

 

The Story continues ...

 

Aber nicht länger als eine Dekade. Doch brauchte es u.a. Nintendos zu Anfang beschriebene Konsolen-Innovation, damit das Genre seinen zweiten Frühling voll entfalten durfte. Und so sprießen seit einiger Zeit vermehrt Point-and-Click-Adventures aus allen Ecken und Enden hervor: Zu nennen wären hier zunächst Umsetzungen älterer PC-Games, wie bspw. dem gelungenen und kommerziell unerwartet erfolgreichen "Runaway" (Teil zwei für Konsoleros in Aussicht?) oder einiger typischer Detektiv-Spiele der "Agatha Christie"-Reihe, die für Fans durchaus eine Anschaffung wert sein können. Finger weg übrigens von der völlig missratenen "Myst"-Verarschungs-Portierung, welche allen gutgläubigen DS-Besitzern die Kohle aus der Tasche zu ziehen versucht. So eine grottoide Umsetzung hat die Welt wahrlich noch nicht gesehen! Positiv hervorzuheben seien aber vor allem so gelungene Portierungen wie "Geheimakte Tunguska" (auch hier gilt: Teil zwei für Konsoleros erwünscht!), in deren spannender Geschichte ihr Licht in internationale Verschwörungen bringen müsst.

 

 

Oder die von Telltale Games entwickelten, in sich abgeschlossenen "Sam & Max" Episoden, die nach ihrem PC-Release nun auch gebündelt auf der Wii ihren Einstand feiern werden. Ebenfalls dürfen wir uns vom gleichen Entwicklerteam auf "Strong Bad" für Wiiware freuen.

 

Als absolute Highlights, die nachhaltig von den revolutionären Möglichkeiten der innovativen Steuerung einer Wii oder eines DS Gebrauch machen und speziell für diese konzipiert wurden, dürfen vor allem Neuentwicklungen wie etwa "Another Code", "Hotel Dusk" oder "Zack & Wiki" gelten. Diese präsentieren euch nicht nur genial mysteriöse Geschichtchen (vor allem die beiden erstgenannten, "Zack & Wiki" glänzt eher mit Humor), sondern lassen euch mehr als einmal an den unglaublich cleveren Rätseleinlagen verzweifeln - die jedoch eigentlich ausnahmslos fair und stets logisch lösbar bleiben.

 

 

Doch ein wenig Ideenreichtum sollte ihr schon mitbringen, dann kann auch - wie bei uns - eine 24-Stunden-Dauer-Zockung (nur unterbrochen durch ein wenig Schlaf, Nahrungsaufnahme und Nahrungsausscheidung) dabei herauskommen ;-) Doppelt gefreut hat mich, dass die Schatzjagd mich ein wenig an "Monkey Island" erinnert hat - und wenn Ron Gilbert den fünften Teil exklusiv für die Wii entwickelt, dann bau ich ihm ein Denkmal!

 


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