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N-Zyklopädie

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Wii jetzt?!? Teil 1: Viva la Revolution!

13.05.2010

Autor: Martin Küpper

 

 

Nintendo vor dem Abgrund

 

Nintendo lag am Boden. Nach zwei erfolglosen Hardware-Generationen war die Firma, die einst die ganze Branche aus der Krise katapultierte und mit NES und SNES den Konsolenmarkt dominierte, nur noch ein Schatten ihrer selbst. Mit dem N64 ist ihnen ihre eigene Arroganz zum Verhängnis geworden. Aus dem einstigen Geschäftspartner Sony wurde ein starker Widersacher, Squaresoft und Enix wurde Nintendos konservative Modul-Politik zu bunt und sie verließen das sinkende Schiff. Der GameCube hatte von vorneherein keine Schnitte gegen die unnahbare Konkurrenz der PS2, litt an schlechtem Marketing und selbst der Kampfpreis von 99 € konnte nicht verhindern, dass sich der Würfel noch schlechter verkauft hat, als das N64. Man kann nur darüber spekulieren, ob Nintendo ohne Pokémon und dem Erfolg im Handheld-Markt, einen ähnlichen Weg wie Sega hätte einschlagen müssen.

 

Man mag es heute kaum glauben, aber damals gab es wirklich Gerüchte, Nintendo würde den Heimkonsolenmarkt verlassen. Natürlich dementierte Nintendo das vehement und so erwarteten Fachpresse und Fans gleichermaßen gespannt, was nach dem absoluten Tiefpunkt GameCube kommen würde. Viel schien man Nintendo aber nicht zu zutrauen.

 

Dann war der Augenblick der Wahrheit gekommen. Auf der E3 2005 streckte Nintendo Chef Iwata einen schwarzen Kasten in den Himmel. Wirkliche Infos gab es allerdings noch nicht. Neben den grafisch opulenten Trailern zu PS3-Spielen, wirkte der schwarze Kasten wie ein schlechter Scherz. Später stellte sich dann heraus, dass der eigentliche Scherz die PS3 Trailer waren. Dennoch, damals wäre Nintendos Kasten untergegangen, wäre da nicht das große Rätselraten und vor allem der Name: Revolution.

 

 

 

Der Kampfschrei eines Löwen!

 

Revolution - was für ein Name! Das klang wie eine Kampfansage gegen den schier unerreichbar scheinenden Konkurrenten Sony. Es war der Kampfschrei eines Löwen, der in die Ecke gedrängt wurde. Nintendo fletschte die Zähne. „Viva la Revolution!“ hieß es angelehnt an die Französische Revolution. Auch wenn – hoffentlich – kein Nintendofan gewillt war, Ken Kutaragi eigenhändig zu enthaupten, herrschte Aufbruchsstimmung im Nintendo-Lager. Revolution – das war das Thema! Was mag wohl hinter dem Namen stecken? Bessere Grafik? Neue Dimensionen des Spielspaßes?

 

Nintendo stachelte das Rätselraten um das Mysterium Revolution weiter an. Der Name sei Programm, hieß es. Eine völlig neue Steuerungsmethode würde das Spielerlebnis vertiefen und Videospiele für immer verändern. Nintendo spuckte große Töne und auch, wenn viele glaubten, dass sei nur Schall und Rauch, begann ein wildes Spekulieren. Selbst Gedankenkontrolle zogen einige in Erwägung – reichlich unrealistisch, aber in diversen Kreisen benebelte Nintendos Kampfansage wohl auch die Vernunft. Das galt offen gestanden auch für mich – ich war mir sicher Nintendo würde etwas Großes enthüllen!

 

 

 

Die Bombe platzt

 

Ausgerechnet auf der Tokyo Game Show, die Messe, der Nintendo jahrelang fort blieb, wurde das Geheimnis um Nintendos Konsole dann gelüftet. Ein innovativer Controller, der die Bewegungen des Spielers erkennt und nahezu 1:1 auf den Fernseher überträgt. Das klang wirklich nach einer Revolution! Auch wenn noch keine Spiele gezeigt wurden, war ich mir damals sicher: das ermöglicht völlig neue Spielideen! Der aus heutiger Sicht recht überdrehte und albern anmutende Trailer, veranschaulichte den Einsatz des Controllers in alltäglichen Situationen, wie etwa beim Zahnarzt. Eigentlich hätte es mir spätestens bei dieser Szene dämmern müssen, die Revolution hat nicht den Biss, den ich mir erhofft hätte. Der Löwe hat Karies.

 

Zum Trailer

 

Ich stand mit meiner Euphorie aber keinesfalls alleine da. Auch wenn durchaus angezweifelt wurde, ob Nintendo wirklich halten kann, was sie da versprechen, war die Fachpresse in heller Aufregung. Erneut wurde spekuliert was der Controller alles ermöglichen würde. Ein Zelda mit 1:1 Schwertkämpfen, Starfox mit Gleitern, die sich mittels Neigen durch die Weiten des Weltalls steuern lassen. All das klang einfach nur fantastisch! Spiele hatte man immer noch nicht gesehen, aber ich war mir sicher, die würden fantastisch aussehen – optisch mindestens auf Augenhöhe mit Xbox 360 und PlayStation 3. Eine andere Annahme wäre ja auch abwegig gewesen. Voller Vorfreude schrie auch ich: Viva la Revolution!

 

 

 

Wie aus Revolution schließlich Wii wurde, erfahrt ihr im nächsten Teil meiner Kolumne.


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