Login

Passwort vergessen?

Konto erstellen


N-Zyklopädie

< zurück

Pokémon - Die Duologie der Zeit (Kapitel 3)

23.06.2011

Zu Kapitel 2

Autor: Lukas Strübig

 

 

Kapitel 3

 

Verging überhaupt noch ein Tag, an dem nicht über Pokémon gesprochen wurde? Ich glaube nicht. Im Jahr 2000 war Aufbruchstimmung, Ash lies die Kanto Region hinter sich und brach zu den Orange Inseln auf und auch wir machten uns bereit für eine neue Reise. Das Auftauchen des Pokémon Togepi hatte es langsam angekündigt und als im Vorfilm zum ersten Pokémon-Film Tragosso und Marill gezeigt wurden, stieg in uns die Neugier. Erst richtig für das, was uns erwarten sollte, wurden wir aber erst im zweiten Pokémon-Teil gehyped: Zum ersten Mal warfen wir einen Blick auf das legendäre Pokémon Lugia!

 

Ich erinnere mich noch, dass ich damals ein Heft hatte, in dem die ersten der neuen Pokémon gezeigt wurden, noch mit japanischen Namen. Es war ein Griffel dabei, das weiß ich noch, weil sich die Idee mit einem Affen, der an seinem Schwanz eine Hand hat einfach in mein Gehirn einbrennen musste. Die alten Pokémon waren abgehakt, wir liebten sie, wir hatten sie, doch wir kannten sie und wir wollten daher wissen, wer die Stückzahl von 151 auf gut 251 anheben würde.

 

 

Gerüchte um neue Editionen machten die Runde, es sollte eine Schwarze Edition geben, doch das wurde sehr bald von mir abgetan. Eine schwarze Pokémon Edition würde es niemals geben. Was mit der sagenumwobenen Grünen Edition war, wusste ich nicht, doch als ich von Gold und Silber hörte, war das einfach die konsequente Fortsetzung, der ich Glauben schenken konnte.

 

Doch dann passierte etwas Merkwürdiges. Die Goldene und Silberne Edition, die nächste Generation der Pokémon Spiele, erschien – und es interessierte mich irgendwie nicht. Aus irgendeinem Grund waren diese Spiele ein Luxusprodukt für mich und ich hatte mich damit abgefunden, es niemals zu besitzen. Das änderte sich an meinem Geburtstag im Jahr 2001, als mir meine Oma ein Geschenk in die Hand drückte in dem sich die Goldene Edition befand. Wieder einmal machten sich mein Bruder und ich gemeinsam auf die Reise, wir begannen mit dem Feuer Pokémon Feurigel und unseren Gegenspieler nannten wir Uwe. Keine Ahnung wie mein Bruder auf diesen Namen kam, aber mir gefiel seine Einfachheit, die auch noch gut in das Pokémon-Universum passte.

 

Die Johto-Region konfrontierte uns mit einigen Neuerungen. Die Naturverliebtheit der ersten Generation war immer noch da, doch sie wurde hier gesteigert, es schien so, als hätte Pokémon die Natur geheiratet. Die technikverliebten, fortschrittlichen Großstädte wichen alter japanischer Kultur. So sah man häufig alte Tempel, in denen Mönchsorden hausten; die Menschen dort waren sehr viel mehr an Traditionen und alte Legenden gewohnt. Es hatte alles irgendwie einen Geist der Vergangenheit. Die Menschen ergründeten ihre Wurzeln in den mysteriösen Aleph Ruinen, deren geheime Inschriften so manches Rätsel beinhalteten. Alte Wächter lebten in den niedergebrannten Überresten längst aufgegebener Türme und des Nachts bemerkten die Einwohner der Region die Präsenz von Wesen, dessen Existenz stark bezweifelt wurde.

 

Zeit war ein Schlagwort der neuen Edition, denn der Blick auf die Vergangenheit war der Rote Faden, der sich durch die Geschichte und das Gameplay zog. Alte Feinde, längst geschlagen, versuchten zu altem Ruhm zurück zu kehren; alte Freunde, längst verlassen, riefen immer wieder an und erzählten, wie sie sich machten. Dazu passte das neu eingeführte Echtzeitsystem, welches einen dreiteiligen Tagesrhythmus nachahmte. Wenn es in der Realität Tag war, war es im Spiel Tag, wenn es in der Realität Nacht war, war auch im Spiel Nacht und dies hatte eine Auswirkung auf die Menschen und die Pokémon, die in Johto heimisch waren.

 

 

Diese Pokémon waren eine perfekte Ergänzung zu dem, was man in Rot und Blau gesehen hatte: Sie waren nach wie vor klassisch, doch orientierten sich viel mehr an dem echten Aussehen realer Tiere. Auch sie waren Teil des Konzepts stärkerer Naturverbundenheit. Dazu kam, dass das Leben auch hier einen Weg fand und fortschritt. Die Pokémon-Zucht wurde in der Serie oft von Rocko angesprochen, jetzt war sie ein Teil des Gameplays und machte die Pokémon, die man selbst noch als kleine Racker fing zu stolzen Eltern. Die Kanto-Region war voll von Aktivitäten, mit denen man seine Zeit verbringen konnte, doch auch zog es einen aus einer wundervollen Zukunft in die Vergangenheit zurück.

 

 

Es kam ganz unverhofft, man hatte alle Arenaleiter geschlagen und die Top 4 hinter sich gelassen, man war Champion der Pokémon-Liga, doch man wollte dahin, wo alles anfing. Und so erreichte mal tatsächlich die Kanto-Region, und spürte erneut die Zeit. Denn es hatte sich viel geändert, Höhlen waren eingestürzt, Gebiete unbetretbar und die Leute waren älter. Die noch vorher freche Arenaleiterin Misty war nun erwachsen, die Arena des Ninjas Koga wurde nun von seiner Tochter geführt und die Arena in Vertania City gehörte dem Ehemaligen Rivalen Blau. Die Rückkehr nach Kanto war wohl die erste Nostalgische Erfahrung in meinem Leben und sie war so perfekt, dass sie nicht einmal von der grandiosen Rückkehr in die Minenkolonie in Gothic 2 getoppt werden konnte. Ich hatte Tage in Kanto verbracht, ich kannte jede Ecke dieser Region in und auswendig und so war es ein unglaubliche Erlebnis zu sehen, was daraus geworden war. Doch es sollte noch besser werden.

 

„Also, wenn du dann durch diese Tür gehst, triffst du auf Trainer Rot, der ist richtig heftig.“ Es geschah irgendwann in der Schule. Alle redeten von diesem Trainer Rot und ich schien der einzige zu sein, der noch nie etwas von ihm gehört hatte. Wer sollte das auch sein? Ein Glitch im Spiel? „Nein! Trainer Rot ist Ash!“ „Ach Unsinn! Rot ist nicht Ash!“ „Ja, aber er ist doch...“ „Er ist eben... du selbst, irgendwie...“

 

Ich verstand kein Wort. Man riet mir, zum Silberberg aufzubrechen, dort würde ich es schon sehen. Der Silberberg selbst war ein Ort, den ich vorher noch gar nicht bereist hatte, ich wusste gar nicht, dass es ihn gab. Dort gab es ziemlich viele, seltene Pokémon, auf einem recht hohen Level, die meisten von ihnen bereits entwickelt. Ich stieg den Berg hinauf und was dann kam, war einer der stärksten Magic Moments, die ich im Gaming bisher erlebt habe.

 

 

Die Konfrontation mit Trainer Rot, den Trainer, den man in der Roten und Blauen Edition selbst gespielt hatte, war das letzte Element, das den Überbegriff der Zeit zu einem Abschluss brachte. Es war der Abschluss mit der Vergangenheit, es war das Beenden aller Rückblicke, denn es war der Moment, in dem sich der Kreis schloss, und eine Duologie ihre Erfüllung fand.

 

 

 

Fortsetzung folgt...


Aktuell auf 10doTV

10do Show

Oktober-Ausgabe: Die Metroid-Reihe

RSS-FeedDie 10do Show in iTunes