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EarthBound

RPG

20.08.2013

Autor: Lukas Strübig

 

 

Nach zirka 18 Jahren, tausenden von Fan Aktionen und Dutzenden von Ankündigungen ist es plötzlich so weit: Über einen Facebook Post wird man informiert, dass Earthbound mal eben auf die Virtual Console der WiiU geportet wurde.

Und so sehr Nintendo keine große Sache daraus machen will, so ist es doch eine, denn Earthbound ist ein ganz besonderes Spiel, das jeder einmal gespielt haben sollte.

 

Eines Nachts in Onett

 

Lukas ist kein gewöhnlicher, zehn jähriger Junge. Als Sohn einer völlig verantwortungslosen Mutter, eines Vaters der nur telefonisch erreichbar ist und Bruder einer kleinen Schwester, die irgendwie trotzdem schon einen Nebenjob hat, wird er eines Nachts von einem abstürzenden Meteor geweckt, aus dem eine sprechende Biene aus der Zukunft heraus steigt und ihm sagt, dass er die Welt retten muss, die in zehn Jahren vollständig zerstört sein wird. Achja, und Aliens tauchen auch noch auf.

 

Daher muss Lukas durch das Land reisen und an verschiedenen Heiligtümern Melodien sammeln, die in der Lage sind, den Bösen Gygas zu besiegen. Unterwegs kämpft er gegen Straßengangs, korrupte Polizisten, Aliens und religiöse Kulte, die eben genau diese Aliens anbeten. Dabei trifft er sehr bald seine neuen Freunde Lisa, Kevin und Miggi, die ihm im Kampf gegen Gygas Schergen beistehen.

Seine Mutter unterstützt ihn dabei übrigens auch, er macht ja eh was er will, also deckt sie ihn vor den Lehrern, die fragen wo er bleibt.

 

Gameplaytechnisch ist Earthbound ein typisches JRPG aus den Neunzigern, man erkundet eine offene Welt, spricht mit NPCs, kämpft gegen NPCs und hilft NPCs um seine eigenen Ziele zu erreichen, die Welt zu retten. Besonderheiten findet man nur im Detail, so bekommt man Geld nur von seinem Vater, den man regelmäßig anrufen sollte, dieses wird dann auf einem Konto gespeichert und muss abgehoben werden, geht man Game Over verliert man die Hälfte des Bargeldes das man bei sich trägt. Auch der Kampf funktioniert ein wenig anders. In Earthbound gibt es keine wirklichen zufälligen Encounter, viel eher laufen die Gegner wie NPCs in der Gegend herum, laufen sie in den Spieler hinein, kommt es zum Kampf. Besonders ist jedoch, dass man einen Überraschungsangriff bekommt wenn man den Gegner von hinten erwischt, greift er jedoch den Spieler von hinten an, bekommt er einen ersten Angriff. Man muss also abschätzen, ob man vor einem Gegner weglaufen kann, lieber auf direkte Konfrontation geht oder ob man die Chance ergreifen und ihn von hinten attackieren sollte.

Ein anderer angenehmer Nebeneffekt von diesem System ist, dass schwache Gegner irgendwann vor dem Spieler weg laufen und man nicht mehr durch unnötige Encounter genervt wird. Verstärkt wird das dadurch, dass man einen Kampf automatisch gewinnt, sollte man stark genug sein einen Gegner ohne Ressourcenverlust sofort zu besiegen.

 

Der Kampf an sich ist dann recht simpel gestrickt. Fast jede Figur hat ihre gewöhnlichen Angriffe, doch effektiver sind die PSI Attacken, die mehr Schaden bei mehreren Gegnern gleichzeitig anrichten. Diese kosten allerdings PP, die sich nur aufladen wenn man im Hotel übernachtet oder unterwegs einen magischen Schmetterling fängt. Die einzige Ausnahme bildet Kevin, der kann dafür gut mit Technikkram umgehen und ist der Einzige, der besonders starke Items einsetzen kann. Darüber hinaus kann er den Gegner auf Schwachstellen analysieren.

 

Die Kämpfe sind allerdings trotz aller strategischen Mittel leider immer noch sehr stark vom Level oder Glück abhängig, und auch in Earthbound lässt sich Levelgrinding schlecht vermeiden. Allerdings wird man überrascht sein, wie viel ein Level ausmachen und einen Chancenlosen Kampf in einen sicheren Sieg verwandeln kann.

Situationen, in denen man plötzlich hoffnungslos unterlevelt ist kommen zwar auch hier vor, allerdings sehr viel seltener als in vielen anderen RPGs.

 

Die einzig wirkliche Schwäche, die ich dem Spiel ankreiden könnte, wäre das Speichersystem. Man kann nur an festen Punkten in der Spielwelt speichern wenn man seinen Vater anruft, diese sind zwar weit gestreut aber immer noch nicht genug, und so ist es nervig.... Ach was rede ich da, die Virtual Console hebelt dieses System komplett aus und erlaubt es, überall zu speichern.

 

Präsentation

 

Okay, man mag sich jetzt nach diesem Abschnitt wundern, was dann an Earthbound so besonders sein soll. Und die Antwort ist ganz klar: Der ganze Rest!

 

Alleine schon das Setting ist frisch und unverbraucht. Die meisten RPGs vor Earthbound spielten in einer mittelalterlichen Fantasywelt, nachher kam Final Fantasy 7 und etablierte den heute typischen Fantasy/Sci-Fi Mix, doch kaum ein anderes Spiel als Earthbound spielt im Amerika des hier und jetzt. Naja, aus heutiger Sicht vielleicht eher der Neunziger.

Und es ist nicht nur Amerika an sich, es ist Amerika so, wie es sich die Japaner vorstellen. Und es ist genau das, was man erwarten kann wenn das wahnsinnigste Volk der Erde das bescheuertste Volk der Erde darstellt: Es ist einfach nur extrem verrückt.

 

Das ganze beginnt schon damit, dass man jedem Hauptcharakter einen eigenen Namen geben kann, um so sein eigenes Abenteuer mit seinen eigenen Freunden zu erleben. Darüber hinaus bestimmt die Wahl des Lieblingsessens was man isst bevor man zu Hause schlafen geht und die Wahl der Lieblingsbeschäftigung, wie die stärkste PSI Attacke heißt.

 

Die typischen Elemente und Klischees japanischer Rollenspiele wurden 1:1 in das moderne Setting übertragen. Anstatt mit Schwertern kämpft man mit Baseballschlägern, anstatt man zu einem Heiler geht um gefallene Kameraden zu reanimieren, muss man seine verletzten Freunde im Krankenhaus besuchen und ihre Rechnung bezahlen um sie zusammen flicken zu lassen (Ein Hoch auf den Kapitalismus!), Zaubertränke sind nun Kekse, Sandwiches und Karamelbonbons, und anstelle von Orks, Monstern und Drachen bekämpft man Hippies, nervige Parteimenschen, verrückte alte Ladies, Taxis die einen anfahren, wilde Hunde, Schlangen, Maulwürfe die einen auf Dicke Hose machen (ja, wirklich) und Straßenschilder. Im Kampf wird man nicht vergiftet, man fängt sich einen Schnupfen ein, man wird nicht geblendet, man fängt an zu heulen und um die Stats des Spielers zu senken verfluchen einen die Gegner nicht, sondern sie sagen etwas unanständiges.

 

Diese Übertragungen sind nicht nur eine perfekte Parodie des Genres, sie setzen den Spieler auch in die korrekte Perspektive, denn in Earthbound spielt man lediglich ein Kind und genau so nimmt man die Welt auch wahr. Man muss sich nämlich schon wundern, wie ein Spiel mit Prostituierten, einem blauen Ku Klux Klan, der kleine Mädchen entführt, Mafia Bossen und vor allem dem berüchtigten Endgegner, den ich hier natürlich nicht spoilern werde in den Neunzigern unbeschadet in den Westen kommen konnte.

Der Grund ist eben, dass die Welt an der Oberfläche eben bunt und fröhlich ist und seine tieferen Themen gut unter diesen Lagen von Farbe verbirgt, so dass wirklich nur Erwachsene dahinter blicken können.

Dabei ist das Skript dennoch immer noch so konsequent kindisch und verspielt, dass man sich als Erwachsener gleich wieder in der Rolle eines Kindes wieder findet. Sei es der Gegenspieler Porky, der einem geradezu lächerliche Beleidigungen an den Kopf wirft, die Erwachsenen in den Städten, die einfach gradeheraus sagen was sie denken, auch wenn es kein gutes Licht auf sie wirft oder das Interface selbst, das einen anspricht wie ein Kind und einen zum Beispiel tröstet wenn man seine Mutter anruft weil man Heimweh bekommt. (was tatsächlich Auswirkungen auf das Gameplay hat)

 

Darüber hinaus ist das Spiel vollgestopft mit Meta-Jokes. Die Städte heißen Onett, Twoson, Threed, Fourside, und wurden eben nach der Reihenfolge ihrer Erscheinung benannt und hin und wieder trifft man auf NPCs die völlig verwirrt darauf reagieren, dass man sie anspricht, da sie doch keine Informationen oder Items haben, die dir auf deiner Reise helfen könnten.

 

Schade nur, dass das Spiel keine deutsche Lokalisation bekommen hat und man daher des Englischen mächtig sein muss, um es zu verstehen.

 

Die Grafik unterstreicht die Andersartigkeit von Earthbound ein weiteres Mal. Anstelle einer zweidimensionalen Aufsicht ist alles in Earthbound schräg von der Seite gezeichnet und besitzt darüber hinaus eine Zentralperspektive, so ist also jedes Gebiet ein in sich stimmiges, perspektivisch korrektes Bild und wirkt daher viel moderner als andere Rollenspiele, deren Orte meist mehr aussehen wie ein Lageplan.

Untermalt wird dies von einem der besten und breitgefächertsten Soundtracks, den es auf dem SNES jemals gab. Mal ist die Musik fröhlich, mal düster, mal poppig und mal wie aus einem alten Sci Fi Film.

 

Auch muss am Ende die Steuerung hervorgehoben werden: Benutzt man einen klassischen Controller (mit dem Select, bzw. Minus Button in der Mitte) kann man das Spiel komplett nur mit der linken Hand spielen. Das hat Klasse.

 

Ein kleiner Zusatz

 

Über die Geschichte von EarthBound als Spiel, wie die Mother Serie entstanden ist und wie sie (nicht) in den Westen kam, ist bereits eine Menge gesagt worden aber wenig geht über Mother hinaus.

 

Die Serie wurde nämlich von einem Studio namens Ape Inc. entwickelt. Diese nannte sich bald darauf zu Creatures Inc. um und gründete das Studio Game Freak, welches uns die Pokémon Serie brachte. Viele der Leute, die vorher an Mother arbeiteten waren auch an Pokémon beteiligt, und das sieht man an beidem, EarthBound und Pokémon. Was man an EarthBound allerdings auch sieht ist, was den neueren Pokémon Teilen, nun, nicht fehlt aber von dem es wieder mehr gebrauchen könnte, nämlich einem Thema.

Die Original Pokémon Teile haben sich mit vielen Dingen beschäftigt, zum Beispiel mit dem Tod von Pokémon und was passiert, wenn man sie für die falschen Ziele missbraucht. So entstanden unter der Oberfläche viele Nebengeschichten, die man sich als Spieler erst selbst zusammen Puzzeln musste. Die neueren Pokémon Teile haben zwar nach wie vor Themen, wie Religiöse Kulte, Öko-Terrorismus oder die Pokéball Frage, doch ist es ein wenig zu vereinfacht und zu oberflächlich. Es bleibt zu hoffen, dass sich Game Freak mit Pokémon in Zukunft wieder etwas nach EarthBound orientiert.

Fazit

Spielt es. Mehr gibt es dazu nicht zu sagen. Spielt es einfach. Es führt kein Weg daran vorbei. Kaum eine andere Serie hat eine so ambitionierte Fanbase wie EarthBound und das hat seinen Grund. EarthBound ist ein übersehenes Meisterwerk und obwohl es ein Abbild der Neunziger ist, war es schon immer so sehr seiner Zeit voraus, dass es selbst heute noch Standards setzt, die wenige RPGs erfüllen.

Grafik

super

Sound

super

Steuerung

super

Spielspaß

super

94%

Singleplayer

-

Multiplayer

Release

18.07.2013

Developer

Ape Inc. (heute Creatures)

Publisher

Nintendo

USK Freigabe

6+


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