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Reviews: Nintendo Wii

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Muramasa - The Demon Blade

RPG

23.11.2009

Autor: Gunnar Schreiber

 

 

Prolog

 

In manchen Augen mag es wie Blasphemie erscheinen, wenn ich schreibe, dass Muramasa - The Demon Blade eines der grafisch interessantesten Spiele dieser Generation ist. Handelt es sich bei dem Action RPG doch um ein klassisches 2D Abenteuer und nicht um ein Polygon- und Texturmonster, das üblicherweise eher als optisches Highlight angepriesen werden würde. Warum Muramasa so schön ist, werde ich später genauer erläutern. Zum Ende des Prologs möchte ich vielmehr die Frage in den Raum stellen, ob 2D Spiele im Zuge von Titeln wie Muramasa und New Super Mario Bros. Wii sowie diversen Downloadspielen auch auf stationären Konsolen gerade ein echtes Comeback feiern oder ob es sich dabei um ein zufälliges Strohfeuer handelt? Das wäre doch mal eine Diskussion im Forum wert!

 

 

Das Gameplay

 

Muramasa - The Demon Blade ist im Kern ein Action RPG, d.h. man schnetzelt in Echtzeit Gegner zu Brei und bekommt dafür Items und Erfahrungspunkte, die den Helden oder die Heldin sukzessive stärker machen. Bevor das Abenteuer beginnen kann, muss man sich aber zunächst mal für einen Charakter entscheiden. Zur Auswahl stehen dabei Momohine, eine von Dämonen besessene Prinzessin und Kisuke, ein unter Amnesie leidender, abtrünniger Ninja – das übliche Holz halt aus dem Helden geschnitzt sind.

 

Ob man nun Momohime oder Kisuke nimmt, ist letztendlich egal, da es eh sehr empfehlenswert ist, das Spiel mit beiden durchzuspielen, denn beide Abenteuer erzählen eine etwas andere Geschichte, bieten andere Endgegner und auch die Reihenfolge der besuchten Orte auf der Weltkarte variiert. Hinzu kommt, dass man das umfassendste Ende nur zu sehen kriegt, wenn man beim Besiegen des finalen Bosses ein bestimmtes Schwert sein Eigen nennt, was man wiederum aber nur haben kann, wenn man beide Helden ans Ziel geführt hat.

 

Wäre die Wahl des Charakters beschlossen, sollte man sich Gedanken über die Steuerungsmethode machen. Da Muramasa völlig auf die speziellen Funktionen der Wiimote verzichtet, hat man die Wahl zwischen der Wii Fernbedienung- / Nunchuck-Kombination und Classic- oder GameCube-Controller. Ich habe den guten alten WaveBird rausgekramt und mich zunächst mit Momohine ins Abenteuer gestürzt.

 

Nach einem kurzen Tutorium geht es auch gleich zur Sache. Im Prinzip ist die Welt in viele kleine Abschnitte unterteilt. Jeder Abschnitt wird auf der Karte, die man wahlweise ganz oder halb einblenden oder auch komplett ausblenden kann, mit einem Rechteck dargestellt. Jeder dieser Abschnitte entspricht also einem festen Bereich, den man durch einen Ausgang verlässt.

 

Gegner erscheinen dabei an zufälligen oder fest definierten Stellen, ohne, dass man sie vorher sehen kann. Sobald es soweit ist, wechselt das Spiel in eine Art Kampfansicht und Momohime kann ihre Waffe ziehen. Grundsätzlich ist man immer mit drei Schwertern unterschiedlicher Prägung und Fähigkeiten ausgerüstet, d.h. auch wenn man grundsätzlich die gleichen Aktionen ausführt, können die Ergebnisse verschieden sein, abhängig von den Merkmalen der jeweiligen Waffe. Beim Kämpfen solltet ihr aber immer den Zustand eures Metzgerutensils im Auge behalten, denn Schwerter nutzen sich ab und zerbrechen schlimmstenfalls. Das ist zwar keine Katastrophe, weil sich die Klinge nach einiger Zeit im Halfter wieder festigt. Dennoch sollte und kann man dies verhindern, indem man rechtzeitig das Schwert wechselt. Tauscht man die Waffe, wenn eine entsprechende Anzeige auf Maximum ist, führt dies sogar zu einem Angriff, der alle Widersacher auf dem Bildschirm trifft.

 

Zum Kämpfen wird im Wesentlichen nur eine Taste benötigt. Diese gedrückt in Verbindung mit dem Halten des Analogsticks in verschiedene Richtungen führt zu optisch sehenswerten Attacken, die sehr flüssig von der Hand gehen und auch viele Kombinationsmöglichkeiten bieten. Auch wenn das Kampfsystem wie ein simpler Buttonmasher wirkt, liegt die Finesse hier im Detail. Einfaches Knöpfchenhämmern führt zwar zumindest auf dem niedrigeren der beiden Schwierigkeitsgrade meistens auch ans Ziel, präzises Vorgehen wird aber in der Endabrechnung nach einem Scharmützel extra belohnt. Die Anzahl der daraus resultierenden Erfahrungspunkte ist dabei abhängig von einer Menge Parametern wie der Kombozahl, der Dauer des Kampfes, wie oft man selbst getroffen wurde, wie viele gegnerische Versuche man abgewehrt hat etc. Wer also gekonnt sein Schwert schwingt, bekommt mehr Erfahrungspunkte und wird somit belohnt.

 

Aber Muramasa hat noch weitaus mehr zu bieten als ein zugängliches, aber dennoch mit Tiefe versehendes Kampfsystem. Einmal auf die Starttaste gedrückt, offenbart sich die ganze Komplexität des Spiels. Beginnen wir mit den Statuswerten der Helden. Neben der Lebensflamme sind für beide vor allem der Vitalität- und Stärkewert von entscheidender Bedeutung, geben sie doch nicht nur Auskunft über die Kampfeskunst, sondern legitimieren auch, welche Waffen Momohime und Kisuke führen dürfen. Neue Klingen findet man dabei in der Regel nicht einfach so am Wegesrand, sondern man schmiedet sie. Natürlich ist das Ganze nicht kostenlos und auch so mit gewissen Tücken bedacht. Als Währung dienen dem Schmied aber kein Geld, sondern Seelen- und Geistpunkte. Diese erhält man im Kampf, durch den Verzehr von Speisen und durch das Absuchen der Areale nach Seelen. Hat man die benötigte Anzahl beisammen, muss man ferner darauf achten, ob man bereits stark genug für die anvisierte Waffe ist und letztendlich einen Pfad auf dem Waffenbaum wählen. Je nachdem welchen Pfad und welche Waffe man aussucht, werden die entsprechenden nächst besseren Typen freigeschaltet. Das klingt jetzt komplizierter als es ist, soll aber nur verdeutlichen, dass es dutzende Möglichkeiten gibt.

 

Hat man die Schwerter beisammen, kann man diese im Ausrüstungsbildschirm anlegen. Dabei stehen vier Slots zur Auswahl, drei für Waffen, einer für einen Ausrüstungsgegenstand wie zum Beispiel extra Stärke, die man teilweise kaufen kann, aber gerne auch findet. Natürlich gibt es darüber hinaus noch jede Menge andere Items, die man finden und sammeln kann, meistens um Statuseffekte wie Vergiftung zu heilen oder verlorene Energie wieder aufzufüllen. Dies lässt sich allerdings nicht nur mit Hilfe von Items erledigen, sondern auch, indem man was Leckeres zu essen kocht. Um zu kochen, braucht man zunächst mal Kochbücher und Zutaten. Habt ihr alles beisammen, kocht ihr im Handumdrehen ein leckeres Menü, was neben Energie auch noch eure Geistpunkte für die Schmiede verbessert.

 

Auf diese Weise erkunden Momohime und Kisuke nach und nach die Welt, schnetzeln sich von links nach rechts und umgekehrt durch unzählige Gegner, steigern sukzessive ihren Rang, finden Schätze und besuchen heiße Quellen. Am Ende jedes Abschnittes wartet ein fetter Endgegner, der zumeist optisch bombastisch in Szene gesetzt wird, oft mehr als bildschirmfüllend daher kommt und dem Spieler ein ums andere Mal einiges abfordert. Besiegt man den Obermotz kann man weitere Barrieren auf der Weltkarte entfernen und voranschreiten. Nach etwa 10 bis 15 Stunden sollte man auch den letzten Widersacher geplättet haben und man beginnt sich zu wundern, wo denn die ganze Zeit geblieben ist - so ungemein kurzweilig ist das Abenteuer. Umso schöner ist die Aussicht, dass nach dem Abspann gleich das zweite Abenteuer auf einen wartet, was genug Neues bietet, um weitere 10 bis 15 Stunden Spaß zu garantieren.

 

 

Die audiovisuelle Umsetzung

 

Technisch ist Muramasa - The Demon Blade eine Wucht. Die Grafik ist, wenn auch „nur“ zweidimensional, einfach atemberaubend. Jeder Abschnitt gleicht einem Kunstwerk. Alles ist wunderschön gemalt, wie man auch anhand der beigefügten Bilder sehen kann. Hinzu kommen sehr geschmeidige Animationen der Charaktere und Feinde. Auch wenn die meisten Hintergründe sich im Laufe des Abenteuers mehrfach wiederholen, wird dennoch extrem viel Abwechslung geboten: Von traumhaften Winterlandschaften bis hin zur feurig heißen Hölle, von kargen Gebirgszügen bis zu saftig grünen Wiesen und Feldern, bekommt man sehr viel unterschiedliche Topographien zu sehen. Ich habe auf jeden Fall während des Durchspielens einige Male einfach angehalten, um in Ruhe zu genießen, was mein Auge gerade geboten bekommt.

 

Aber nicht nur die Augen werden geschmeichelt, auch der Sound und die Musik sind allererste Sahne. Die Songs sind eine Mischung aus traditionellen japanischen Elementen gemischt mit modernen Einflüssen, mal einfach nur atmosphärisch, im nächsten Moment mit extremer Ohrwurmgefahr. Hinzu kommt eine japanische Sprachausgabe, die einfach nur perfekt zum Geschehen passt, auch wenn ich natürlich kein Wort verstanden habe. Aber glücklicherweise gibt es ja Untertitel.

 

Audiovisuell ist den japanischen Entwicklern Vanillaware also ein absoluter Leckerbissen gelungen, der fast alleine schon den Kauf des Spiels rechtfertigt. Punkt.

 

 

Die Meckerecke

 

Es gibt Spiele, da fällt die Meckerecke ziemlich kurz aus oder ist gefüllt mit eher halben Kritikpunkten. Muramasa - The Demon Blade ist zum Glück so eins. Klar könnte man monieren, dass im Prinzip das Gameplay etwas monoton ist. Das stetige Geschnetzel und Buttonmashen kann Spielern mit einer ausgeprägten Aversion gegen das Genre auf Dauer schon auf den Senkel gehen. Das wird meiner Meinung aber durch die tolle Inszenierung, die aber letztendlich auch wieder nur Geschmackssache ist, mehr als wettgemacht. Wer sowohl mit japanischen Zeichenstilen als auch traditionellen japanischen Musikinstrumenten rein gar nichts anfangen kann, sollte trotz aller Objektivität lieber Abstand nehmen. Darüber hinaus könnte man vielleicht noch negativ erwähnen, dass die Geschichte von beiden Charakteren etwas wirr und abstrakt ist und man diese sicherlich als Nicht-Japaner nur schwer komplett verstehen kann, da einige kulturelle und religiöse Mythen behandelt werden.

 

 

Wir danken Koch Media für die Bereitstellung des Testmusters!

 

 


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Fazit

Muramasa - The Demon Blade ist zwar nur ein Nischenprodukt, aber eines, was jeder mit einem Faible für alternative Videospielkultur und leichten japanophilen Zügen besitzen muss. Denn audiovisuell ist das Action RPG rund um die Helden Momohime und Kisuke ein wahres Meisterwerk, geprägt von wunderschön gezeichneten 2D Landschaften und stimmiger Musik, mit einer Mischung aus traditionellen japanischen Elementen und modernem Pop. Aber auch spielerisch gibt sich der Titel keine Blöße: Es werden tolle Endbosse geboten und ein Kampfsystem mit ausreichendem Tiefgang inklusive Levelaufstiege, Waffenschmiede, Kochkünste und vielem mehr. Vielleicht könnte man als größtes Kompliment sagen, dass sich Muramasa so sauber und so durchdacht anfühlt wie ein Spiel von Nintendo. Warum die Note dann nicht noch höher ausfällt, verrät die Meckerecke.

Grafik

super

Sound

super

Steuerung

gut

Spielspaß

gut

85%

Singleplayer

-

Multiplayer

Release

13.11.2009

Developer

Vanillaware

Publisher

Rising Star Games

USK Freigabe

12+

Anzahl Spieler (Lokal)

1


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