Autor: Lukas Strübig
Alles auf Anfang!
Wenn die Spider-Man Filme eines richtig gemacht haben, dann sind es die Spiele, die passend zu ihnen erschienen sind. Klar, das Kampfsystem war langweilig, die Grafik durchschnittlich und die Abwechslung im Gameplay kaum gegeben, aber man konnte frei durch New York schwingen und sich richtig wie Spider-Man fühlen! Mission Accomplished!
Wo aber The Amazing Spider-Man im Kino ein Reboot feiert, will sich auch die Versoftung des Blockbusters von seinen Wurzeln lösen und etwas komplett neues bieten.
Ist der neue Spider-Man Teil für den 3DS also wirklich "amazing"?
Alles auf Ende!
Im Gegensatz zu den früheren Spielen-zum-Film ist die Merchandise Software vom Reboot jedoch keine lose Nacherzählung des Films, sondern eine direkte Fortsetzung. Wenn man sich aber etwas mit Spider-Man auskennt, muss man den Film nicht wirklich gesehen haben um die Story zu verstehen. Klar, das Spiel spoilert einen so zwar etwas, aber da der Film selbst nicht wirklich voller Überraschungen zu sein scheint, ist das halb so wild.
Nachdem Spider-Man Dr. Connors, alias Lizard, zur Strecke gebracht hat, übernimmt der ambitionierte Dr. Smythe die Führung der Forschungen von Oscorp, erklärt die Experimente für beendet und will alle Artenkreuzungen, durch ein Virus mutierte Tiere, vernichten. Peters Freundin Gwen glaubt aber, dass mehr dahinter steckt und führt ihn daher in die Forschungsabteilung von Oscorp. Durch die Präsenz von Peter, der selbst eine Art Artenkreuzung ist, laufen die Mutanten allerdings Amok, befreien sich und infizieren die Forscher, inklusive Gwen. Um die Sache wieder in Ordnung zu bringen befreit Peter Dr. Connors, der seine Taten bereut, um mit ihm zusammen ein Heilmittel zu entwickeln. Als allerdings eine Epedemie über die gesamte Stadt ausbricht, rennt den beiden langsam die Zeit davon.
Die Story ist für ein Merchandise Produkt überraschend gut und setzt weniger auf Klischees als mehr auf tatsächlich konsequente Handlungsansätze und Charaktere mit Tiefgang. Wenn Gwen Peter fragt, ob man Connors vertrauen kann, bringt das den Spieler wirklich zum grübeln. Dr. Smythe vor allem ist eine interessante Figur, weil er zum einen das richtige tun, zum anderen aber geradezu radikal an seinem Weg festhalten will. Dazu bringen Audiobeweise, die man in den Leveln finden kann, weiteres Licht in die Story und die Motivation der Figuren. Und man wird nicht immer mögen, was man da hört.
Das Gameplay ist dabei Action orientiert, ohne dabei jedoch nur auf Prügeleien zu setzen. Immer wieder muss man kleine Rätsel lösen, um in den Leveln voran zu schreiten. Das reicht vom einfachen Merken einer Zahlenfolge bis hin zu dem Umgehen von Fallen. Das Kampfsystem ist dabei sehr viel besser als in den vorherigen Lizenztiteln. Durch die Angriffstaste führt man einfache Combos durch, doch reine Button Masher werden es nicht zu leicht haben, da man auch immer wieder den Attacken der Feinde ausweichen muss, oder Gegner von vorne mit einem Schild geschützt sind. Sollten einem die Gegner dann doch mal zu sehr auf die Pelle rücken, kann man sich mit einem einfachen druck auf den Touchscreen zurück ziehen und seine Strategie überdenken, denn reine Gewalt ist nicht immer die beste Lüsung und führt manchmal auch zum Game Over. Viel eher kann man auch die Gegner umschleichen und auf den besten Augenblick warten, einen Stealth Angriff durchzuführen. Dabei hilft ein Feature, das einem erlaubt, kurz die Zeit anzuhalten und einen Punkt im Raum anzusteuern. So kann man sich präzise zu einem genauen Fleck hinschwingen, oder einen Gegner direkt angreifen und leise ausschalten.
Das System funktioniert die meiste Zeit gut, alleine die Kamera zickt die meiste Zeit herum, allerdings nach wie vor in einem kontrollierbaren Ramen. Besonders abwechslungsreich oder tief ist das Gameplay allerdings nicht, auch wenn sich die Level hin und wieder nicht für neue Ideen zu schade sind.
Zwischen den Missionen der Hauptstory lassen sich darüber hinaus kleine Nebenmissionen ansteuern, die alle eine gewisse Art der Herangehensweise benötigen. So bestehen manche aus anspruchslosen Prügeleien in Seitengassen, andere verlangen mehr Diskretion bei der Entsorgung der feindlichen Subjekte. Für Gameplay Puristen, die sich also nicht lange mit Cutscenes oder Level Abschnitten, die sie jetzt gerade nicht spielen wollen, abgeben möchten ist dies eine schöne Möglichkeit, einfach mal zwischendurch das Spiel zu spielen.
Die technische Seite
Grafisch ist Spider-Man leider nicht wirklich amazing. Die Animationen sind aber echt gut gelungen, wenn Spidey einen Gegner mit seinen Netzen packt und durch die Gegend schleudert fragt man sich da schon des Öfteren, ob das jetzt noch vom Spieler ausgelöst wird, oder noch zur Combo-Animation gehört. Spider-Man selbst ist auch gut gestaltet und wirkt lebendig, wenn er zum Beispiel nur dann in eine Kampf Pose geht wenn tatsächlich auch ein Gegner in der Nähe ist.
Die anderen Charaktere haben leider sehr detailarme Modelle, da hat man auf dem 3DS schon weitaus besseres gesehen. Das Fehlen von plastischen Effekten tut sein Übriges hinzu, wobei beides überraschend wenig ins Gewicht fällt, da die Kamera von allem außer Spidey selbst einen gewissen Sicherheitsabstand einhält. Der wahre Teufel sitzt in den Texturen, die dem ganzen Spiel einen leichten Knetgummi-Flair verleihen. Dadurch wirkt das Spiel eher wie ein frühes low-Budget PS2 Spiel, und dass der 3DS da weitaus mehr auf den Rippen hat, hat er bereits bewiesen.
Die Framerate ist zumindest stabil, leider kann man durch das Ausschalten des 3D Effektes kein flüssigeres Bild erzeugen, was schön gewesen wäre denn Ghosting lässt sich bei diesem Spiel nur selten vermeiden. Dazu kommen unglaublich lange Ladezeiten, die einem besonders dann auffallen, wenn man die Kamera bekommt und mit ihr sein erstes und letztes Bild macht. Es dauert einfach viel zu lange, es zu speichern.
Der Sound wäre gut, da er den Soundtrack des Filmes verwendet, hält sich nur leider zu dezent im Hintergrund. Ob die Originalsprecher aus dem Film genommen wurden weiß ich nicht. Die deutschen Sprecher machen ihre Sache aber jedenfalls gut, vor allem den Humor, der oft Seitenhiebe an andere Filme oder Serien verteilt, kommt bei ihnen dank der passenden Übersetzung gut herüber. Leider bekommen die Stimmen durch die schlechte Qualität der Aufnahmen alle einen dunklen, leicht rauen Unterton.
Alles in allem ist The Amazing Spider-Man eines der technisch schlechteren 3DS Spiele, die ich bisher gespielt habe, da der Stil aber noch einigermaßen gut ineinander greift stört die grafische Qualität nicht annähernd so sehr wie sie könnte.